Leistungsdrang (33): Smart-Balance-System

Der koreanische Hersteller DaVinci will mit einer Art Kreuzverspannung der mittleren Schirmleinen das Startverhalten verbessern und das Kurvenverhalten entschärfen. 

Bei einem Schirm mit Smart-Balance-System sind
die mittleren Stammleinen kreuzweise miteinander
verspannt. // Quelle: DaVinci
So ganz passt die hier vorgestellte Entwicklung auf den ersten Blick nicht in die Serie Leistungsdrang. Denn zumindest der Gleitleistung eines Schirmes dürften die zusätzlichen, sich kreuzenden Leinen, die der koreanische Hersteller DaVinci in das mittlere Leinenstockwerk seines kommenden EN-A Schirms Rhythm 2 knüpft, eher abträglich sein. 

Sieht man den Punkt Sicherheit freilich auch als eine Art Leistung an, die ein Schirm dem Piloten bietet, dann sei mir diese Zuordnung verziehen. Zumal in Zukunft vermutlich weniger die echten Gleitleistungsgewinne als mögliche Sicherheitszuwächse verstärkt den Fortschritt bei Schirmen prägen werden.

Die Entwickler von DaVinci hatten bei Punktlandewettbewerben beobachtet, dass die besten Piloten dort ihre exakten, ruhigen Kurven nur mit wenig Gewichtsverlagerung und somit auch sehr geringen Kappendeformationen fliegen. Das brachte sie auf die Idee, testweise einen Schirm zu bauen, bei dem die Kappendeformationen im Kurvenflug durch ein spezielles Leinenlayout limitiert werden. 

Dafür fügten sie jeweils im mittleren Leinenstockwerk der zentralen A-, B- und C-Leinen eine Art Kreuzverspannung ein. Die Stammleinen jeder Seite sind dafür mit den mittleren Galerien der jeweils anderen Flügelseite verbunden (s. Grafik oben). DaVinci nennt diese Abspannweise Smart-Balance-System (SBS).

Die SBS-Kreuzverspannung ist im Geradeausflug nicht auf Zug. Sobald der Pilot aber sein Gewicht auf eine Seite verlagert, wird damit nicht nur die zugehörige Flügelhälfte stärker belastet. Der Leinenzug wirkt auch über die Flügelmitte hinaus. Der charakteristische Knick im Flügel beim Kurvenfliegen bleibt somit aus.

Im Sinne der Sicherheit, gerade bei Fluganfängern, könnte das durchaus sinnvoll sein. Denn zum einen wird die durch Gewichtsverlagerung erreichbare Kurvendynamik entschärft. Zum anderen beobachteten die Entwickler noch weitere Vorteile: Schirme mit dem Smart-Balance-System sollen spurtreuer starten und gleichmäßiger füllen, weil selbst ein einseitiges Aufziehen mit den A-Gurten sich auf einen größeren Bereich der Spannweite überträgt. Zudem sollen auch die Schirmreaktionen nach Klappern harmloser ausfallen, weil der Pilot weniger stark auf die eingeklappte Seite abkippen kann.

Ob ein Schirm mit SB-System am Ende auch noch ein für die Piloten attraktives Handling aufweisen kann, muss sich erst noch zeigen. Manche Gleitschirmanfänger dürften die zusätzliche Stabilität vielleicht als angenehm empfinden. 

DaVinci hat die Funktionsweise des Smart-Balance-System kürzlich in einem Youtube-Video vorgestellt.

1 Kommentare:

Christopher (München) hat gesagt…

Im Podcast Folge Kurvenfliegen wird der Knick als vernachlässigbar abgetan, hier baut ein Hersteller komplette Kreuzverspannung ein - Aerodynamik scheint schon nicht ganz so einfach zu sein!