Test: Kamera-Sicherung Reeloq

Mit dem automatischen Aufroll-Seilsystem Reeloq lassen sich kleinere Kameras und Smartphones gut und griffbereit am Rucksack sichern. Taugt das System auch im Flug?

Eine Gopro per Reeloq gesichert. Die Sicherungsschnur 
lässt sich auf eine Länge von 60 cm ausziehen.
// Fotos: Lu-Glidz
Wer heute in der Luft fotografieren oder filmen will, nutzt dafür häufig einfach seine Gopro oder das Smartphone. Da stellt sich die Frage: Wie kann man diese Geräte so sichern, dass sie nicht gleich auf Nimmerwiedersehen in die Tiefe verschwinden, wenn sie einem im Flug mal aus der Hand rutschen – oder wenn man sie bewusst fallen lässt, um bei einer Kappenstörung schnell wieder zur Bremse zu greifen. Eine Sicherungsschnur hilft da weiter, doch hängt das lange Seil gerne irgendwo störend herum und birgt ein gewisses Verhedderungsrisiko. Ideal wäre da eine Schnur, die sich automatisch wieder aufrollt. Hier kommt das Reeloq-System ins Spiel.

In großer Vielfalt am Markt gibt es ausziehbare Jo-Jo-Schlüsselanhänger. Doch deren Mechanik ist in der Regel nicht darauf ausgelegt, auch etwas schwerere Anhängsel sicher vor dem Absturz zu bewahren. Lukas Watzinger und Julia Schadinger aus Österreich erkannten hier eine Marktlücke und entwickelten ein vergleichbares, aber deutlich stabileres System, das sie nun unter dem Namen Reeloq vermarkten. 

Ich selbst bin über eine Facebook-Anzeige darauf gestoßen, fand die Idee interessant und fragte deshalb bei Reeloq ein Testmodell an, das mir auch freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde.

Das Zubehör des Reeloq Adventure Package:
Handytasche (links), Handysicherung mit 
Kleinkarabiner (oben Mitte), Reeloq-Seilrolle.
Auf dem Bild fehlt der ebenfalls enthaltene
Gopro-Adapter.
Geliefert wird das Reeloq-System mit einigem Zubehör. Zum sogenannten Reeloq Adventure Package gehören neben der eigentlich Seilrolle mit Aufrollmechanismus noch ein Adapter zur Befestigung von Gopro-Kameras, ein Adapter samt Kleinkarabiner zur Sicherung von Smartphones (wird einfach in der Handyhülle festgeklemmt), ein Rucksackmontagekit in Form von Klettstreifen und eine Handytasche (zur Befestigung am Schultergurt eines Rucksacks). 

Mich interessierte vor allem: Wie funktional erweist sich das System auch am Gleitschirmgurtzeug im Flug? Reeloq wurde ja vordergründig für Rucksackwanderer entwickelt. Nachfolgend meine Erfahrungen im Luft-Einsatz.

Die eigentliche Reeloq-Rolle hat bei mir einen guten Eindruck hinterlassen. Sie lässt sich einfach mit einem Karabiner und/oder mit Klettband an verschiedenen Stellen am Gurtzeug befestigen. Das  stabile Sicherungsseil aus Dyneema kann knapp 60 Zentimeter weit ausgezogen und in dieser Länge arretiert werden. Man muss dann beim Fotografieren nicht gegen den ständigen Seilzug ankämpfen: Ein kurzer, weiterer Zug löst die Seilbremse sofort und das Seil wird wieder eingezogen. Dabei ist die Feder des Reeloq stark genug, um auch das Gewicht einer Gopro oder eines nicht allzu schweren Smartphones mit anheben zu können. Eine fallen gelassene Kamera baumelt also nicht am langen Seil herum, sondern taucht bald wieder in Griffweite auf.

Im Flug erlebte ich mit der Reeloq-Sicherung nur eine kleine Einschränkung: Die maximale Seillänge von 60 cm bedeutet, dass man bei einer Befestigung z.B. am rechten Schultergurt des Gurtzeugs zwar noch gut mit ausgestrecktem rechten Arm ein Selfie machen kann (vgl. Foto oben). Würde man aber gerne mal bei gleicher Befestigungsposition von links ein Foto schießen, so stößt man schnell an die Längenbegrenzung. In der Praxis dürfte das einen aber eher nur selten behindern.

Ein Smartphone lässt sich einfach über eine 
Sicherungslasche, die in die Handyhülle
eingelegt wird, mit der Reeloq-Rolle
verbinden.
Die zugehörige Handytasche von Reeloq erlebte ich als weniger "flugtauglich". Die Tasche ist so konzipiert, dass sie am besten an einem Rucksack-Tragegurt befestig wird, um dort das Smartphone  beim Wandern schnell griffbereit zu halten (es wird einfach von oben eingeschoben). Was am Rucksack in der Praxis gut funktioniert, erweist sich am Gurtzeug als zuweilen hinderlich. Hier wirkt die Handytasche, am Schultergurt positioniert, recht klobig. Sie störte mich beim Startlauf und der Gewichtsverlagerung. 

Da viele Piloten ihr Smartphone im Flug sowieso aufs Cockpit kletten, werden sie gut auf die Tasche verzichten können. Wer freilich mit einem offenen Sitzgurtzeug fliegt, könnte mal probieren, die Handytasche am Bauchgurt des Gurtzeuges zu befestigen. Dort sollte das Smartphone dann tatsächlich schnell griffbereit sein, ohne im Flug weiter zu stören.

Das Reeloq Adventure Package samt Handytasche ist via Shop von Reeloq derzeit für 49 Euro erhältlich. 

5 Kommentare:

Thomas Schmitt hat gesagt…

Hallo Lucian,

sinnvoll ist dies auch für die Tandem-Piloten und ihre Selfie-Sticks, ich jedenfalls nutze es dafür.

Zwar wird die Zugkraft nie dazu ausreichen, den Selfie-Stick inkl. aufgesetzter Kamera zurück zu ziehen, aber das "Gefummel" mit einer Leine zum verstauen im Gurtzeug ist definitiv weg.

Es gibt auch Einziehrollen mit Dyneema-Leinen und 100 cm, das macht die Sache noch ein wenig besser.

Grüße,
Thomas

Dalek Sander hat gesagt…

Moin,

Das ist ja eine Erfindung, auf die die Welt gewartet hat – ohne Ironie. Cool ist, was der Sicherheit dient.

Allerdings finde ich auf der verlinkten Website nur noch das Abenteuer-Set mitsamt Handy-Tasche. Die Letztgenannte brauche ich nicht, so wird es vielen Go-Pro-fis gehen – eine Variante „ohne“ wäre nicht nur materiell, sondern auch umwelttechnisch günstiger.

Lucian Haas hat gesagt…

@Dalek: Es sollte auch ein Set ohne Handytasche geben. Vielleicht einfach mal per Email anschreiben... Alternativ gibt es auch Aufroll-Sicherungen für diverse Gewichtsbereiche im Feuerwehr-Zubehörhandel, z.B.:
https://www.rescue-tec.de/advanced_search_result.php?_lq=1&_ds=1&keywords=selbstaufroller

Dalek Sander hat gesagt…

@Lucian: Danke für den Tipp, bei einem PSA-Händler nachzuschauen. Die einfachsten Lösungen liegen schon mal auf der Hand wie "Das entwendete Schriftfstück" aus der Kurzgeschichte E.A. Poe. Nachfragen bei Reeloq werde ich auch. Andererseits… vielleicht passt auch eine Olympus TG-6 in die "Smartphone"-Tasche. Schauen wir mal.

Andreas hat gesagt…

Verwende schon seid Jahren einfach einen Skizipper (Wie es ihn früher für die Liftkarten gab als es noch kein NFC gab)
Fix mit Kamera oder Selfie Stick verbunden und die Zipper Seite ans Cockpit oder das Gurtzeug gehängt. Wenns runterfällt munss man die Schnur zwar wieder von Hand einziehen aber es ist wenigstens nicht weg. Und Hauptvorteil wie bereits erwähnt: Man hat keine Störenden Leinen.