Die FAI CIVL hat bei ihrer Jahrestagung 2026 eine Reihe von Regeländerungen für Wettbewerbe beschlossen. Nicht alle sind glücklich darüber
Einiges davon wird unter Wettbewerbspiloten heiß diskutiert, weil manche der Regeländerungen zwar im Sinne der Sicherheit sind, aber die sportliche Fairness einschränken.
Nachfolgend eine Auswahl der wichtigsten Entscheidungen. Mehr dazu ist in einem Bericht auf der Website der FAI nachzulesen.
- Für Kategorie-1 Wettbewerbe wird die Teamstärke jeder Nation auf maximal drei plus eine Frau begrenzt. Damit sollen "große" Nationen keinen taktischen Vorteil mehr haben können (durch zusätzliche Piloten in der Mannschaft und damit verbunden mehr Teamflugoptionen).
- Das Gesamtgewicht der Ausrüstung wird ab 2027 wieder auf 33 kg begrenzt. Die CIVL hat erkannt, dass eine unbegrenzte Ballast-Mitnahme die Sicherheit der Piloten gefährdet. Eine Folge daraus ist allerdings, dass besonders leichte Pilotinnen und Piloten nicht mehr entsprechend viel Ballast mitnehmen dürfen, um im Wettbewerb auch größere CCC-Schirme fliegen zu können. Das könnte für sie einen Leistungsnachteil bedeuten.
- Um diesem Nachteil Rechnung zu tragen, führt die CIVL aber eine "Leichtgewichtsklasse" in den Wertungen ein. Die Idee, durch spezielle Schaumstoffröhren auf den B-Leinen (Equalizer) die aerodynamische Leistung verschiedener Schirmgrößen anzugleichen, fand hingegen keine Mehrheit. Sie soll aber mal erprobt werden.
- Bei Wettbewerbsschirmen wird die Trimmtoleranz der Leinen zwischen A- und B-Ebene von 20mm auf 10mm reduziert. Das soll die Möglichkeiten einer bewusst zu schnellen Trimmung des Schirmes im Rahmen der Toleranz einschränken.
- In Wettbewerbstasks kann künftig ein "erhöhtes Ziel" (elevated goal) definiert werden. Dieses muss mit einer vorgegebenen Mindesthöhe erreicht werden. Das soll die Sicherheit im Endanflug erhöhen.
- Die CIVL hat die technischen Vorgaben für die Competition Sports Class (CSC) definiert. Wichtigste Regeln sind eine Einstufung der Schirme bis maximal EN-C, eine Streckung von höchstens 6,8 und eine Zellenzahl von maximal 67. Zudem darf das Schirmgewicht höchstens 6,5 % der Obergrenze des zugelassenen Gewichtsbereichs betragen. Kleine Schirme mit einem zugelassenen Gewichtsbereich bis 75 kg dürfen auch mit der Einstufung EN-D bei der CSC mitfliegen, wenn alle größeren Größen des gleichen Modells eine EN-C Einstufung haben. Alle in 2026 bereits zugelassene C-Schirme, die eine der o.g. Vorgaben nicht erfüllen, gelten dennoch als CSC-konform, solange sie als Zweileiner zwischen A- und B-Ebene einen Limiter besitzen.
- Für Protektoren in Wettbewerbsgurtzeugen werden ab 2029 strengere Grenzwerte vorgeschrieben (und zuvor schon empfohlen): maximal 35 G Beschleunigung bei einem Dummy-Aufprall in Standardposition (Neigung: 22,5°) und maximal 45 G bei einem Dummy in stärker nach hinten gekippter Position (75°). Damit geht die CIVL über die bisher in der EN-Norm geltenden und auch über die für eine Novellierung dieser Norm aktuell diskutierten Werte hinaus. Bisher schreibt die EN keinen Test in Rückenlage vor. Inwieweit diese CIVL-Vorgaben in der Praxis das Ende sehr dünner Protektoren mit Koroyd- oder Orikami-Technologie bedeuten, bleibt abzuwarten.

6 Kommentare
Wir hatten in der Kommentarspalte zu Newsticker 53/2025 eine recht angeregte Diskussion zur Antidiskriminierungsstelle (ADS) des DHV. Jetzt hat mich doch gewundert, dass niemand von den Befürwortern der ADS sich hier zu Wort gemeldet hat. Ich tue das jetzt einfach an deren Stelle:
AntwortenLöschenEs gibt ja durchaus XXL-Schirme (bis 145 kg Startgewicht) und Piloten, die einen solchen fliegen. Darf sich nicht ein solcher Pilot zu recht beleidigt und diskriminiert fühlen, oder muss ich als aufrechter Fliegerkamerad, dem das aufgestoßen ist, nicht jetzt empört an die ADS schreiben angesichts der Veröffentlichung einer KI-Montage, die sich über die Körperfülle von Mitmenschen und Mitfliegern (in diesem Falle nur Männer!) in beschämender Weise lustig machen? Das ist "Bodyshaming", also Diskriminierung im besten Sinne. Und das meine ich jetzt gar nicht ironisch. Ich verstehe natürlich die Pointe der drei Herren, aber die Persiflage ist zumindest geschmacklos.
Wären das jetzt noch dazu Frauen, die so dargestellt würden, dann wäre aber Feuer unterm Dach, vermute ich. Wäre ich ein richtig "woker" Anhänger der ADS, hätte Lucian - allein wegen der Veröffentlichung auf LU-GLIDZ - jetzt schon einen Eintrag im DHV-Register.
Und da bin ich wieder mit meinem Anliegen: Ich für meinen Teil sage oder schreibe es einfach, wenn ich etwas geschmacklos oder nicht o.k. finde. Und zwar direkt an die Adresse oder ins Gesicht desjenigen, den es angeht.
Und: Jedem rutscht mal im Eifer des (Wort-)Gefechts, aus Gedankenlosigkeit oder, weil man es halt im Moment witzig findet, etwas heraus. Es wäre gut, wenn wir darüber reden oder einfach mal auch darüber wegsehen könnten, ohne aus "Sommersprossen höhere Gesichtspunkte zu machen" und es zu "petzen". Wir sind nämlich Menschen. Und die machen Fehler.
Günther Widmann
Günther, dieses Bild wurde von einem der drei gezeigten Herren selbst gepostet, als ironische Kritik an den neuen Gewichtsregeln der FAI. Diese erleben die "leichten" Piloten selbst als Diskriminierung. Gerade auch Frauen, die häufig von Körperbau nicht zu den klassischen Gewichtsbereichen von CCC-Schirmen passen.
LöschenDanke, Lucian. Ich verstehe Selbst-/Ironie sehr gut, habe selbst kein Problem damit, und habe auch die Intention der Persiflage verstanden.
AntwortenLöschenDas ändert nichts daran, dass sich übergewichtige Menschen durch diese Persiflage "getriggert" fühlen könnten, weil sie mit schwabbeligem Bierbauchranzen, der über die auf Halbmast hängende Hose quillt, für gertenschlanke durchtrainierte Hochleistungssportler als Karrikatur herhalten müssen.
Noch einmal: Ich bin der Meinung, wir brauchen keine ADS. Ich wollte an diesem Beispiel aber zeigen, wohin wir uns bewegen, wenn das Konzept ADS u.a. Frustrationstoleranz auf der einen und Taktgefühl auf der anderen Seite etc. ersetzen soll.
Günther Widmann
Ich kenne Dich natürlich nicht persönlich, würde aber von Namen und dem DHV Durchschnittsalter davon ausgehen, dass Du zu einer Gruppe mit generell eher überschaubaren Diskriminierungserfahrungen zählst. Und in unseren nach wie vor patriarchalen Strukturen sind es eben häufiger, Achtung Triggerwarnung, alte weiße Männer, die andere diskriminieren! Da ist es natürlich einfach auf eine Antidiskriminierungsstelle verzichten zu wollen… 😉
LöschenNa klasse. Sie, Herr Schön, kennen mich zwar nicht "persönlich", aber mein Name genügt, um mich unter "alten weißen Männern", '"die eben" "häufiger (…) andere diskriminieren", einzuordnen. Wie sagen die Schwaben: "Merksch ebbes?"🤫
AntwortenLöschenUnd offenbar haben Sie nicht verstanden, dass ich (!) es war, der hier auf ein potenziell diskriminierendes Bild verwiesen hat.
Übrigens: Das denglische Un-Wort "Triggerwarnung" ändert nichts an einer beleidigenden, pauschalierenden oder diskriminierenden Aussage. Sparen Sie sich's bitte künftig.
Günther Widmann
Bitte diskutiert in den Kommentaren über Dinge, die sich auf Inhalte des Posts beziehen. Einem diffamierenden Stil, wie er im Gleitschirmdrachenform teilweise vorherrscht, will ich hier kein Forum bieten.
AntwortenLöschenZielt aufs Thema, nicht auf den Mann. Im weiteren Verlauf werde ich hier Kommentarregel #2 strikter durchsetzen und nur sachbezogene Beiträge freischalten.
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