Die Heizhandschuhe Magic 2 glänzen mit besonders langer Laufzeit und guter Wärmeleistung. Im Flugalltag sind sie aber recht klobig

High Adventure Magic 2 Winterhandschuh mit Heizsytem
und langer Stulpe // Fotos: Lu-Glidz

Wer im Winter oder Frühjahr längere Flüge absolvieren will, der kennt das Problem: Selbst wenn man mit dickeren Handschuhen fliegt, bekommt man irgendwann so kalte Finger, dass einen das sogar zur Landung zwingen kann. Schon mancher ambitionierte Streckenflug ist vorzeitig den "eiskalten Pfoten" zum Opfer gefallen.

Heizhandschuhe können Abhilfe schaffen. Mit dem Strom aus eingebauten Akkus werden Heizdrähte versorgt, welche entlang der Finger laufen und mit ihrer zusätzlichen Wärme das Auskühlen verhindern. Wer im Winter einmal mit Heizhandschuhen geflogen ist, wird diesen Luxus kaum noch missen wollen. Allerdings stellt sich die Frage: Halten die Akkus lange genug durch? Das hängt vor allem von der Akkukapazität ab.

Die Schweizer Marke High Adventure hat mit dem Modell "Magic 2" in diesem Winter einen Heizhandschuh für Gleitschirmflieger vorgestellt, der in diesem Punkt die Konkurrenz deutlich übertrifft. Das gilt zumindest, wenn man die Variante "Thermik XC Pro" der Magic2 wählt. In diesem Fall bekommt gehören zum Bundle zwei externe Powerbanks á 20.000 mAh. Diese kann man in der Jacke tragen und mit einem Kabel mit den Handschuhen verbinden. Mehr als acht Stunden durchgängige Wärme auf höchster Heizstufe sollen damit laut Angabe von High Adventure möglich sein. Also genug für einen richtig langen, kalten Winterflugtag.

Die einfachere Variante "Thermik XC" beinhaltet zwei kleinere Akkus a 3000 mAh. Diese werden in dafür vorgesehene Taschen in den langen Stulpen der Handschuhe gesteckt, erfordern also keine zusätzliche Verkabelung.  

Ich habe von High Adventure die Magic2 Pro für einen Test zur Verfügung gestellt bekommen, inklusive einem Satz der kleineren, internen Akkus. Ich bin die Handschuhe in beiden Varianten geflogen. Allerdings war ich nie länger als drei Stunden am Stück damit in der Luft. 

Wenn die integrierte Akkustand-Anzeige der großen Powerbanks korrekt funktioniert, dann sollte die von High Adventure angegebene Heizdauer von 8 Stunden auf höchster Heizstufe für die Pro-Variante realistisch sein. Die Fullpower-Heizdauer von 2,5 bis 3 Stunden für die kleineren, internen Akkus sind hingegen eher etwas optimistisch angesetzt. Da die kleinen Akkus in den Stulpen stärker der Kälte ausgesetzt sind, gehen sie vielleicht deshalb etwas schneller in die Knie. Zwei Stunden auf höchster Stufe sollten aber meiner Erfahrung nach "drin" sein.


Tipps fürs Heizstufen-Management

Schalter für drei Heizstufen

Nun muss ich hierzu aber anmerken: Es ist gar nicht sinnvoll, Heizhandschuhe ständig auf Full-Power laufen zu lassen. Man tendiert zwar dazu, die Wärme an den Fingern zu genießen, macht damit aber eigentlich schnell zu viel des Guten. Denn wenn es an der Fingeroberfläche spürbar warm ist, schwitzt man dort. Das bleibt erst unbemerkt, aber das Schwitzwasser kann sich im Futter ansammeln und reduziert dann die Wirkung der Isolierung. Anders gesagt: Zu viel Hitze ist letztendlich sogar kontraproduktiv.

Für die Praxis ist es empfehlenswert, sich ein intelligentes Heizhandschuh-Management anzugewöhnen: Man wählt die Heizstufe nach Bedarf und Außentemperatur so, dass die Finger zwar nicht auskühlen, man aber auch nicht ständig eine deutliche äußere Wärmezufuhr spürt. Das kann bedeuten, dass man im Flug ganz nach Bedarf häufiger zwischen Heizstufen wechselt. Dreht man in der Thermik auf, sodass die Temperaturen in der Höhe weit in den Minusbereich sinken, schaltet man temporär auf hohe Leistung. Kommt man wieder tiefer, schaltet man die Heizstufe zurück.

Außerdem ist es immer ratsam – auch mit Heizhandschuhen – zwischenzeitlich im Flug die Hände tief zu halten, sie unter die Herzachse sinken zu lassen, sie auszuschütteln und auch pumpende Handbewegungen zu machen, um den Blutfluss in Gang zu bringen und zu halten (s. auf Lu-Glidz: Körpertricks gegen kalte Hände). Wer das beherzigt, kann getrost eine Heizstufe runterschalten und damit die nutzbare Heizdauer der Handschuhe leicht verdoppeln.


Nicht in allen Details fürs Fliegen optimiert

Magic 2 mit externer
Powerbank

Kommen wir zurück zu den Magic 2: Die Handschuhe sind von ihrem Aufbau her für Flüge bei wirklich kalten Temperaturen gedacht. Die Thinsulate-Isolierung ist entsprechend etwas dicker ausgeführt. Die Finger sind im Handschuh dicht davon umgeben. Für die Kälteabwehr ist das gut, für das Trage- bzw. Griffgefühl hingegen weniger. 

In klassischer Bremsgriffhaltung sitzen die Magic 2 straff um die Finger und Hände. Über die Zeit passt sich das alles zwar etwas an, auch die lederbesetzte Innenhand wird noch softer. Aber insgesamt bleibt das Tragefühl etwas klobig. Abseits richtig kalter Bedingungen würde ich dünnere, mehr Gefühl vermittelnde (Heiz-)Handschuhe bevorzugen und über diese dann nur bei Bedarf im Flug noch zusätzlich dünne, winddichte Fäustlinge ziehen. Das Wärme-Ergebnis mit so einer Zwiebel-Technik dürfte ein ähnliches sein.

Die Klobigkeit der Magic 2 zeigt sich auch an den Fingerspitzen. Dort sitzt besonders viel Wärmefutter. Die Handschuhfinger überragen die eigenen Fingerenden um teils mehr als einen Zentimeter. Das kann etwas störend werden, wenn man etwas mit spitzen Fingern greifen will – zum Beispiel einen Stylus, um das Smartphone am Cockpit zu bedienen. Da fehlt es dann an Griffgefühl und entsprechend Koordination.

Zwar sitzen am Zeigefinger und dem Daumen des Magic 2 Lederbereiche, die per se eine Touch-Bedienung von Smartphones ermöglichen. Aber mit den "fetten" Handschuh-Fingern ist das nicht besonders zielgenau möglich. Hinzu kommt, dass die Touchfunktion bei Kälte deutlich schlechter funktioniert, als wenn man sie bei Zimmertemperatur testet.

Auch in anderer Hinsicht erscheinen mir die Magic 2 in manchen Details noch nicht fertig durchdacht bzw. nicht ausreichend auf die besonderen Anforderungen im Flug hin optimiert. Zum Beispiel ist der Handschuh, bis auf Finger- und Innenhand, mit einem weißem (!) Polyester-Oberstoff ausgerüstet. Das sieht zwar schick aus, doch damit verschenkt man die zusätzliche Wärme-Sammel-Wirkung einer dunklen Oberfläche, wenn die Sonne darauf scheint. Weiß reflektiert ja bekanntlich das Sonnenlicht.

Enge Raffung am 
Handgelenk kann zur
Kältebrücke werden

Kontraproduktiv ist auch die enge Gummiband-Raffung des Handschuhs am Handgelenk. Bei klassischen Winter- und Ski-Handschuhen mag das sinnvoll sein, damit die Handschuhe einem nicht von den Händen rutschen, wenn man diese nach unten hält. Bei einem Fliegerhandschuh hingegen wäre eine so starke Raffung angesichts der typischen, nach oben gehaltenen Handposition gar nicht nötig. Zumal die Magic 2 noch zusätzliche Sicherungs-Gummibandschlaufen besitzen, die unterhalb des Handgelenks getragen werden und damit schon ein Abrutschen absichern.

Durch die enge Raffung entsteht genau dort, wo die Pulsadern verlaufen, leicht eine Kältebrücke. Bei klassischer Bremsgriff-Haltung im Flug ist dieser Bereich direkt dem Fahrtwind ausgesetzt, was zur weiteren Abkühlung beiträgt. Im Ergebnis könnte der Kältereiz dort dazu führen, dass auch die Finger schneller kalt werden, was den Piloten wiederum zwingt, die Heizstufen hochzuschalten. Hinweis: Die Kritik an einer solchen "Fehlkonstruktion" habe ich bei bisher allen von mir getesteten Heizhandschuhen angebracht!

Überflüssiger Leinenfänger

Als geradezu störend empfand ich den mit einem Klett versehenen Riemen an der Oberhand der Magic 2. Damit lässt sich der Handschuh dort nochmals enger ziehen. Der Gummizug der Raffung darunter ist dafür aber schon mehr als ausreichend. Diese Riemchen stellen letztendlich mit dem Klett nur einen überflüssigen, potentiellen Leinenfänger dar. Wenn man die Handschuhe hauptsächlich fürs Fliegen und nicht auch für andere Wintersportarten einsetzen will, würde ich sie einfach abschneiden.


Sehr gutes Heizsystem

Die Magic 2 lassen sich mit kleineren internen Akkus
oder externen Powerbanks betreiben. 
Neben diesen Kritikpunkten habe ich aber auch Lob für den Magic 2! Da ist zum einen die besonders lange Stulpe, die sich gut selbst über einen dickeren Jackenärmel ziehen und dann einhändig mit einem Gummizug mit Tanka abdichten, aber auch leicht wieder lösen lässt. Von dieser Seite aus braucht man dann keinen kalten Luftzug zu fürchten. Der Tanka ist keiner dieser fummeligen, schwer zu bedienenden Sorte. Er lässt sich sogar mit den fetten Handschuhfingern gut drücken.

Das eigentliche Highlight des Magic 2 ist aber das Heizsystem. Es kann durchaus einige der oben genannten Kritikpunkte kompensieren. Zum einen sind die Heizfäden gut positioniert entlang der Fingerumrisse gelegt. Die Wärmewirkung ist sogar am oberen Handrücken (Fingerknöchel) und am Daumenrücken zu spüren – also überall dort, wo die Kälte-Exposition besonders groß ist. 

Von allen von mir bisher getesteten Heizhandschuhen sind die Magic 2 eindeutig die mit dem gleichmäßigsten, dem stärksten und in der Pro-Version auch dem am längsten anhaltenden Wärmepotenzial. 

Das Heizsystem lässt sich über einen gut bedienbaren Druckschalter in der Stulpe in drei Stufen schalten. Die Stufen werden über LEDs gut sichtbar angezeigt. Von Fullpower mit 7,4 Volt ausgehend, reduziert sich von Stufe zu Stufe die Spannung, mit der die Heizdrähte versorgt werden. Damit einher geht gleichzeitig eine Verdoppelung der Laufzeit. Auf Stufe 2 kann man, bei voll geladenen internen Akkus der Standard-Version, von 4 bis 5 Stunden Betrieb ausgehen. Mit den externen Powerbanks der Pro-Versions sind das dann 15 Stunden, auf niedrigster Stufe sogar 30. Wenn es nicht super kalt ist, reicht die Wärmewirkung von Stufe 2 in der Regel völlig aus. 

Gut gefallen hat mir auch die Ausführung der Akkus samt zugehöriger Kabel und Stecker. Letztere sitzen fest, und die Kabel sind als textil-verstärkte Flachbänder ausgeführt, die stabil wirken und dennoch nicht störend auftragen. 


Fazit

Die Handschuhe Magic 2 von High Adventure haben ein sehr gut funktionierenden Heizsystem, das über lange Zeit wohlige Wärme liefern kann. In der Pro Version mit externen Powerbanks betrieben, können ausgesprochene Streckenpiloten das Problem der kalten Hände damit selbst auf wirklich langen XC-Flügen im tiefsten Winter umfassend lösen. 

Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Handschuhe in manchen Details stärker vom klassischen Design eines Ski-Handschuhs unterscheiden, um manche typischen Kältebrücken zu vermeiden.

Durch die dickere Isolierung und der damit einhergehenden Klobigkeit ist das Griffgefühl mit dem Handschuh eingeschränkt. In der Übergangszeit im Frühjahr mit schon positiven Temperaturen am Startplatz kann man die Magic 2 schnell als etwas zu fett, zu warm und deshalb schweißtreibend erleben.

In meinen Augen ist der Magic 2 deshalb v.a. ein Spezial-Handschuh für echte Winterflieger. Für einen breiteren Anwendungsbereich (abseits wirklich strenge Kälte) wären meiner Erfahrung nach etwas dünnere, mehr Gefühl vermittelnde Heizhandschuhe, über die man bei Bedarf als ergänzende Isolierung noch dünne Fäustlinge ziehen kann, die bessere Allrounder-Lösung. 

Hauptargumente, die für die Magic 2 sprechen, sind vor allem die wirklich gute Wärmewirkung und die besonders lange Laufzeit (Pro Version mit externen Akkus).