Fünf Lehren, die man aus dem spektakulären Zusammenstoß einer Cessna mit einem Gleitschirm im Pinzgau ziehen kann

Trotz See-and-Avoid bleibt ein Kollisionsrisiko. 
// Bilder: Screenshots, Instagram: @sab_thi
Die Bilder gingen um die Welt: Eine Cessna räumt im Flug einen Gleitschirm vom Himmel. Der Propeller zerfetzt das Tuch, die Paragleiter-Pilotin wirft geistesgegenwärtig den Rettungsschirm und überlebt. Der Cessna-Pilot schafft es ebenso, noch sicher zu landen, obwohl noch Tuchreste und Leinen über seinem Flügel hängen (s. Newsticker 23/2026). 

Viel Glück im Unglück also. Und doch erschreckt so ein Vorfall natürlich, weckt eigene Ängste und wirft Fragen auf: Was kann ich selbst dafür tun, um das Risiko zu senken, dass mir ähnliches passiert?


Das Problem "stehende Peilung"

Bevor ich hierzu ein paar Ideen aufzeige, sei erst einmal das Grundproblem skizziert, das in diesem Fall die Kollision mit befördert haben dürfte. Es geht um die sogenannte stehende Peilung. 

Wenn ein Luftfahrtzeug sich einem anderen auf einem Kurs nähert, bei dem der Peilwinkel zueinander konstant bleibt, dann kann es leicht passieren, dass der andere regelrecht übersehen wird. Das hängt mit der Funktionsweise unseres Sehsinns bzw. der Verarbeitung der Bilder im Gehirn zusammen. Das Gehirn wird immer dann alert, wenn sich in unserem Blickfeld etwas verändert. Dann lenkt es seine Aufmerksamkeit darauf. 

Ein Gleitschirm am Horizont, als Punkt oder schmale Silhouette, die sich bei einer stehenden Peilung im Blickfeld nicht bewegt oder verändert, bleibt unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle des Sehens. Erst im letzten Moment der Annäherung, wenn das Hindernis optisch schnell größer wird, fällt es doch noch auf. Dann ist es allerdings häufig schon zu spät, um eine Kollision noch zu vermeiden. Blendende Sonne oder tote Winkel beim Blick aus dem Cockpit können das Problem noch verstärken.

Die stehende Peilung gilt als eine der größten Schwächen des Prinzips des "See and Avoid" in der Luftfahrt. Und das nicht nur in Bezug auf langsam fliegende Gleitschirme, sondern ganz allgemein. Es gab auch zwischen größeren Motorflugzeugen schon spektakuläre Zusammenstöße, die ebenfalls daraus resultierten. Ein interessanter Bericht hierzu ist z.B. im Fliegermagazin nachzulesen. 

Nun zu den fünf Möglichkeiten und Ideen, was man als Gleitschirmflieger tun kann, um ein durch stehende Peilung bedingtes Kollisionsrisiko zu reduzieren – nicht nur gegenüber Motormaschinen, sondern auch Segelflugzeugen, Drachen und anderen Gleitschirmen:


1. Wähle auffällige Schirmfarben

Und zwar solche Farben, die sich gut gegen einen blauen, weißen, grünen oder braunen Hintergrund absetzen. Das erhöht die Chancen, früher ins Auge zu stechen. Bei einer stehenden Peilung sind auffallende Farben auch zwar kein Garant, gesehen zu werden. Ein stehender roter Punkt überspringt nicht automatisch die Aufmerksamkeitsschwelle, nur weil er rot ist. Bei leichten Kursänderungen fällt man aber schneller auf.


2. Zeige deine Flügelfläche

Im Pinzgauer Kollisionsvideo ist zu sehen, dass die Pilotin die von hinten anfliegende Cessna einige Sekunden vor dem Zusammenstoß bereits hört. In so einem Fall besteht die Möglichkeit, durch Flugmanöver die Silhouette des Schirms im Sichtfeld des anderen zu verändern und so die Aufmerksamkeit zu erregen. Leite gezielt eine Kurve mit höherer Schräglage ein oder lass den Schirm stärker nicken, damit die dadurch sichtbare, farbige Flügelfläche dem anderen eher ins Auge springt.


3. Nutze ein Vario mit Flarm und ADS-L

Über Flarm sendest Du ständig Deine Position und Flugweg. Andere Luftfahrzeuge mit entsprechenden Geräten werden dann vorzeitig gewarnt, wenn sie sich auf einem möglichen Kollisionskurs befinden. Flarm ist zwar hauptsächlich bei Segelfliegern sowie Rettungshubschraubern, aber nur wenig bei motorisierten Flugzeugen verbreitet. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Vor allem wenn sich die ähnlich funktionierende, simple Transpondertechnik ADS-L mit aufkommendem Drohnenverkehr immer weiter im Markt verbreitet, wird man mit einem Flarm- und ADS-L-fähigen Vario auf jeden Fall besser aufgestellt sein als ohne. 


4. Mache Dich mit typischen Flugrouten vertraut

Fliegt man in der Nähe von unkontrollierten Sport- oder Segelflugplätzen, sollte man die typischen An- und Abflugrouten sowie die Platzrunden kennen, die dort empfohlen werden oder sogar vorgeschrieben sind. Dann kann man bestenfalls diese Bereiche des Luftraums komplett meiden. Sollte dennoch ein Durchflug erforderlich werden, fliegt man besser (sehr aufmerksam!) quer zur üblichen Flug- und Sichtachse der anderen. Damit ist man zum einem schneller aus dem Gefahrenbereich, zum anderen wird aus einer "stehenden" eine "laufende" Peilung, die den anderen eher dazu veranlasst, ein Ausweichmanöver einzuplanen. 

Wichtiger Hinweis: Beim Landeanflug mit dem Gleitschirm sollte man natürlich nicht den Kurs anderer Schirme in der Landevolte kreuzen, sondern auf gleicher Achse bleiben. Durch die sehr ähnliche Geschwindigkeit der Schirme bleibt so eher eine sichere Distanz gewahrt.


5. Installiere ein Warnblinklicht am Helm

Dies ist der vielleicht ungewöhnlichste Tipp, aber ein durchaus wirksamer. Es gibt akkubetriebene rote Rückleuchten fürs Fahrrad, die mit hellen Blinkmustern für eine gute Sichtbarkeit im Straßenverkehr sorgen, selbst am Tag. Solche Modelle lassen sich mit etwas Fantasie auch hinten am Gleitschirmhelm befestigen. Das wiederkehrende Aufleuchten wird zum hohen Aufmerksamkeitsfaktor in der Luft. Nicht von ungefähr sind in der zivilen Luftfahrt bei motorisierten Flugzeugen rote Blinkleuchten oder weiße Blitz-Strobes als Anti-Collision-Lights sogar vorgeschrieben. 

Die Montage am Helm ist gegenüber der am Gurtzeug oder Schirm zu bevorzugen, weil man durch Drehen des Kopfes den Abstrahlwinkel der Warn-Flashes ständig verändern kann und so eher Beachtung findet. 


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