Der Franzose Rémi Bourdelle ist nach Kollision mit einem Seilbahnseil tödlich abgestürzt. Das Rennen Dolomiti Superfly wurde abgebrochen.
![]() |
| Nach einem tödlichen Absturz wurde das Dolomiti-Superfly-Rennen abgebrochen. // Foto: Screenshot |
Bourdelle war am Timmelsjoch nach Süden gestartet, um an dem Abend noch ins Tal auszugleiten. Soweit bisher bekannt, stieß er gegen 19.10 Uhr im Flug mit dem Drahtseil einer Transportseilbahn zusammen und stürzte rund 60 Meter in die Tiefe. Ein Jäger, der den Absturz von der anderen Talseite aus beobachtet hatte, alarmierte die Bergrettung. Diese konnte allerdings nur noch den Tod von Bourdelle feststellen. Die Organisatoren des Dolomiti Superfly entschieden daraufhin, das weitere Rennen zu canceln.
In einer offiziellen Stellungnahme der Veranstalter heißt es:
„Angesichts dieser Tragödie haben wir aus Respekt vor Rémi und seinen Angehörigen beschlossen, den Rest der Veranstaltung abzusagen. Rémi war einer der angesehensten und bewundertsten Piloten in der internationalen Gleitschirm-Community. Unser tiefstes Beileid gilt seiner Familie, seinen Freunden und seinen Teamkollegen in dieser unglaublich schweren Zeit. Die genauen Umstände des Unfalls werden derzeit noch von den zuständigen Behörden untersucht."
Remi Bourdelle †
Für die Hike-and-Fly-Szene ist der Unfall ein herber, wenn auch leider nicht völlig unerwarteter Rückschlag. Da bei solchen Rennen teilweise auch bei extremeren Wetterbedingungen mit viel Wind und teils schlechter Sicht geländenah geflogen wird, ist das Risiko entsprechend höher.
Der traurige Vorfall ist auch ein Rückschlag für das Dolomiti Superfly. Das Rennen war in diesem Jahr von seiner Route, die erstmals auch über einen Wendepunkt in Deutschland (Neuschwanstein) zweimal über den Alpenhauptkamm führte, besonders anspruchsvoll. Zugleich war das Teilnehmerfeld mit etlichen X-Alps-Teilnehmern so prominent und leistungsstark besetzt wie nie zuvor. Es bleibt abzuwarten, welche Diskussionen in der Szene nun folgen werden und welche Schlussfolgerungen die Veranstalter solcher Rennen daraus ziehen.
Das Risiko eines Zusammenstoßes mit einem schwer sichtbaren Transportseilbahnseil lässt sich nicht völlig ausschließen. Bei den Redbull X-Alps 2021 hatte es schon einen ähnlichen Vorfall gegeben, der aber vergleichsweise glimpflich ausging. Damals war erst Théo de Blic direkt in ein niedriges Seil geflogen, wobei er allerdings nur seinen Gleitschirm zerstörte. Nicola Donini wiederum riss bei einem abrupten Ausweichmanöver vor demselben Seil seinen Schirm ab und stürzte ins Gelände. Er musste das Rennen damals verletzt aufgeben.

3 Kommentare
Ein zutiefst tragisches Ereignis. Als Piloten stehen wir grundsätzlich vor dem Problem, dass wir häufig knapp am Hang entlangfliegen, wo dünne Seile kaum oder gar nicht zu erkennen sind – ein Stück weit gleicht das russischem Roulette, bei dem man nie weiß, wann es einen selbst trifft. Zwar hat sich die Situation durch Hindernisdatenbanken in modernen Varios bereits spürbar verbessert, doch lückenlos erfassen lässt sich damit längst nicht jede Leitung, besonders neu gespannte oder wenig dokumentierte nicht. Ich selbst hatte vor einigen Jahren bei einem Hike-and-Fly-Wettbewerb Glück im Unglück, als ich nur knapp an einem übersehenen Seil vorbeikam. Mit heutiger Technik wäre ich rechtzeitig gewarnt worden.
AntwortenLöschenEs ist heuer schon viel zu viel passiert, und das macht mich zunehmend nachdenklich. Es ist tragisch und kaum zu fassen, wie viel Pech dabei manchmal zusammenkommt. Es lässt einen auch das eigene Fliegen hinterfragen und neu bewerten, wie man selbst mit solchen Risiken umgeht.
Nach den tragischen Unfällen beim Alpencup vor drei Jahren in Engelberg, als gleich mehrere Competition-Piloten in Seile flogen und verunglückten, halte ich das Thema auch für eines der unterschätztesten Risiken in unserem Sport.
AntwortenLöschenVor einigen Jahren bin ich im Rätikon mit einem Freund geflogen, er ungefähr 50 Meter unter mir und 100 über Grund. Erst unmittelbar vor uns habe ich ein Materialseil im Gegenlicht gesehen. Mir war klar, dass ich drüber kommen würde, aber er war genau auf Kollisionskurs. Mein Geschrei hat er nicht gehört. Schlussendlich kam er unter dem Seil durch, der Schatten des Seils auf seinem Schirm hat optisch das Seil berührt, das war kein Meter Abstand. Nach der Landung wusste er von nichts, er hatte das Seil nicht bemerkt und mich nicht gehört. Das hat sich sehr tief eingegraben. Der Begriff "Russisches Roulette" von Werner trifft es sehr gut, wer weiß, wie oft wir schon knapp an unbemerkten Seilen vorbeigeflogen sind. Leider gibt es neben den Seil-Datenbanken noch keine gute Lösung für das Problem, vielleicht fällt hier mal jemand etwas (technisches) ein? Ich fliege in schwierigen Lichtsituationen nahe am Hang mit offenem Visier und ohne Brille.
Jörg, wie schön wieder mal einen kompetenten Kommentar von Dir als sehr erfahrenen Piloten zu lesen. Ich vermisse Deine Beiträge aus dem Gleitschirmdrachenforum sehr. Ich habe sie immer sehr interessiert gelesen. Happy Landings und Obacht von den Seilen.
AntwortenLöschenKommentar veröffentlichen
Kommentare werden von Lu-Glidz moderiert und deshalb nicht immer sofort freigeschaltet. Es gelten folgende Kommentarregeln:
1. Nicht anonym: Auf Lu-Glidz werden nur Kommentare veröffentlicht, die mit einem kompletten Realnamen (Vor- und Nachname) gekennzeichnet sind. Trage dafür beim Anlegen des Kommentars im Feld "Name/URL" einfach Deinen Namen ein. Das Feld "URL" kannst Du frei lassen. Solltest Du stattdessen "Anonym" wählen, musst Du wenigstens am Ende des Kommentars Deinen Namen schreiben. Sonst wird der Kommentar nicht erscheinen.
2. Sachbezogen: Kommentare müssen das jeweilige Thema des Posts bzw. der schon vorhandenen Kommentare betreffen. Sie müssen respektvoll formuliert sein. Sie dürfen keine persönlichen Beleidigungen oder Anspielungen auf die (politische) Gesinnung anderer enthalten.
Hinweis: Die Freigabe von Kommentaren kann sich u.U. um einige Stunden verzögern. Auch ich bin nicht 24/7 online.