Den Gleitschirm-Blog Lu-Glidz gibt es seit mittlerweile zwei Jahrzehnten. Ist das Format noch zeitgemäß?
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| Lu-Glidz gibt es seit 20 Jahren // Bild: KI-generiert |
Die Keimzelle von Lu-Glidz war eine Spielerei. Damals, 2006, hieß es, Blogs seien die Zukunft des Journalismus. Damals (wie heute) habe ich vor allem als freier Wissenschaftsjournalist mein Geld verdient. Wenn Blogs die Zukunft sind, dann wollte ich zumindest verstehen, wie so ein System funktioniert, um auf die Zukunft vorbereitet zu sein. Deshalb habe ich einen Blog eingerichtet mit meinem Hobby Gleitschirmfliegen als Thema. Den Namen "Lu-Glidz" (Lucian gleitet, in seltsamer Schreibweise) wählte ich bewusst, damit niemand durch Zufall via Google darauf stößt. Ich wollte wirklich nur für mich die Technik des Bloggens erforschen. Aber dann machte die Seite doch die Runde.
Nun sind 20 Jahre vergangen, und nach mehr als 4000 veröffentlichten Posts forsche ich im Grunde noch immer. Heute geht es um die Inhalte. Ohne meine persönliche Neugier – was gibt es Neues rund ums Gleitschirmfliegen, wie funktioniert das Wetter, was macht ein Reflex-Profil so besonders, wie händelt Schirm XY, was beschäftigt die Szene – wäre Lu-Glidz schon lange gestorben. Dass mittlerweile Tausende Leserinnen und Leser von dieser Neugier profitieren, ist im Grunde nur ein Nebeneffekt.
20 Jahre Lu-Glidz bedeuten: Der Blog hat schon etwas mehr als ein Drittel meines eigenen Lebens mitgeprägt und viele weitere Gleitschirmkarrieren begleitet. Ich bekomme immer wieder Rückmeldungen, dass Lu-Glidz einer der wichtigsten Info-Kanäle der Szene ist. Viel beachtet, viel gelesen, mit einer Aktualität, Themenvielfalt und Tiefe, die es so im deutschsprachigen Raum nicht noch einmal gibt.
Vom Misserfolg einer guten Idee
Zugleich muss ich aber auch erkennen: Ich bin vielleicht ein guter Journalist, aber ein schlechter Geschäftsmann. In Lu-Glidz steckt mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit in diesen Jahren. Verdienstmäßig kann ich das bei weitem nicht behaupten. Mein Ansatz, auf Werbung und Paywall zu verzichten und nur auf Goodwill-Förderbeiträge meiner Leser zu bauen, weil sie die Qualität und Unabhängigkeit von Lu-Glidz zu schätzen wissen, ist nicht gerade erfolgreich. Nur 10 bis 15 Prozent der regelmäßigen Blognutzer geben bisher als wiederkehrende Förderer etwas zurück. Und nur ein kleiner Teil davon zahlt die von mir vorgeschlagenen 5 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr.
Für mich stellt sich da auch die Frage: Ist dieses Format noch zeitgemäß? Was ginge verloren, wenn ich die Erscheinungsweise von Lu-Glidz von einem frei zugänglichen Blog zu einem kostenpflichtigen Newsletter mit Abo-Schranke umstellen würde? Für mich wahrscheinlich nicht viel, im Gegenteil. Für die Gleitschirmszene aber schon.
Ein besonderer Wert von Lu-Glidz liegt in meinen Augen auch darin, ein frei zugängliches, wachsendes Archiv von u.a. Entwicklungen, Diskussionen, Tools, Sichtweisen, Rekordmeldungen, Produktnews etc. zu sein. In Zeiten, wo in Social Media fast nur noch schnelle Info-Häppchen geboten werden, die ebenso schnell unauffindbar in irgendwelchen Timelines verschwinden, hält so ein altmodischer Blog die gesammelten Geschichten und das Wissen auch für später noch suchbar parat. Derzeit sind es 20 Jahre, aber es könnten noch einige hinzu kommen. Es täte mir leid, das abreißen zu lassen.
Es liegt an Euch Lesern, mich davon abzuhalten 😉
Und nun bist Du gefragt: Schreib in die Kommentare, welche Gedanken Du zu 20 Jahren Lu-Glidz hast. Zum Beispiel: Was bedeutet Dir dieser Blog? Worin liegt für Dich sein Wert? Warum sollte ich damit weitermachen? Würdest Du ein klassisches Bezahlformat bevorzugen? Und was hält Dich davon ab, nicht auch schon ein Förderer von Lu-Glidz zu sein?

6 Kommentare
Gratuliere zu 20 Jahren. Im deutschsprachigen Gleitschirmraum kennt dich gefühlt jeder, bitte unbedingt ich weitere 20 Jahre dran hängen.
AntwortenLöschenHallo Lucian,
AntwortenLöschenich hoffe du machst noch viele Jahre weiter. Dein Blog hat mich von Anbeginn meiner Gleitschirmfliegerei begleitet. Ich habe viele wichtige Infos bekommen, viel Inspiration erhalten und konnte mein Wissen erweitern. Letztendlich habe ich durch dich inspiriert auch mit der Bloggerei angefangen und die eine oder andere Idee, wie man ein Blog gestalten könnte, von dir abgekupfert. Seitdem ist mir auch bewusst wieviel Arbeit hinter den Artikel steckt, insbesondere bei denen wo man vermehrt recherchieren muss.
Ich spende ungefähr die Hälfte von dir vorgeschlagene Summe. Wenn ich das mit einschlägige Magazine vergleiche, scheint mir das aus meiner Sicht gerechtfertigt zu sein.
Ich hoffe das sich mehr Leser entschließen zu spenden, wenn dein Blog offen zugänglich bliebe, wäre das schon ein großer Vorteil für die Szene.
In diesem Sinne freue mich auf viele weitere Artikel und Podcast von dir.
Hallo Luzian, herzlichen Glückwunsch zum runden Jubiläum! Vielen Dank auch, dass es soweit kommen durfte. Ich schätze deine Arbeit und Vielseitigkeit sehr und bin deshalb auch ein regelmässiger Unterstützer. Dein Blog ist tatsächlich mein wichtigster Info-Kanal der Szene! Schade, dass viele nur kostenlos mitreiten, ohne etwas zurückzugeben. Ein wenig mehr Wertschätzung würde dich sicher motivieren und beglücken. Ich finde deine Idee eines kostenpflichtigen Newsletters mit Abo-Schranke sehr gut. Für mich würde sich nichts ändern. Für dich aber schon. Du wirst feststellen, wie unverzichtbar du mit deinem Blog geworden bist. Ich freue mich auf auf viele weitere Artikel und Podcasts. Viel Erfolg und Wertschätzung dazu. Luftige Grüsse - Urs
AntwortenLöschenLieber Lucian, meinen Respekt für Dein Durchhaltevermögen und natürlich auch für die vielen, sehr wertvollen Informationen in Deinem Blog. Ich bin vielleicht ein ganz schlechter Journalist, aber dafür ein guter (Internet-)-Geschäftsmann. Auch wenn ich mir hier evtl. den Unmut vieler „Konsumenten“ zu ziehe, rate ich Dir, Deinen Blog generell kostenpflichtig zu machen. Freiwilligkeit ist eine schöne Sache. Funktioniert aber nicht. (….auch nach Deiner Aussage, wenn ich das richtig verstanden habe). Der Schwabe sagt: „was nix koscht, isch nix wärt“. Du steckts so viel Zeit und Herzblut in Deinen Blog. Wer das nicht mit etwas Geld unterstützen will, weil ihr oder ihm das das auch Wert ist, sollte davon dann auch nicht profitieren. Wir alle müssen unseren Lebensunterhalt verdienen und Altruismus ist eine schöne Sache. Füllt aber leider nicht jedermanns Kühlschrank. Die Zeit im Leben ist begrenzt. Ich finde, jeder sollte von seiner Arbeit (auch wenn’s gleichzeitig ein Hobby ist) leben können. Also: Take the Money and run!. Es gibt m.E. keine Nachteile für Dich. Alles Gute und viel Erfolg weiterhin, lieber Lucian.
AntwortenLöschenBeste Grüße
Oliver
Ich schätze deinen Blog sehr als regelmäßige Informationsquelle. Werbebanner oder vergleichbares würden mich jedoch nicht stören. Laut einer Reuters Untersuchung zahlen im Jahr 2025 nur 13% der Befragten für online-Nachrichten. Somit läuft dein Spendenmodell gar nicht so schlecht im Vergleich. Es bleibt zu hoffen, dass mit Werbung, Spenden und den Podcasts eine für dich akzeptabel Schwelle erreicht wird.
AntwortenLöschenDer Podcast ist in der Rechnung schon mit drin, der bringt bisher nix extra. Er ist ja auch Teil von Lu-Glidz.
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