Risiko: Thermik im Landeanflug

Auf Youtube hat ein Pilot ein sehr interessantes Video gepostet. Es zeigte einen Piloten im Flachland beim Anflug auf eine weiträumige Landewiese, auf der auch geschleppt wird. Der Pilot fliegt ruhig an, ist schon fast am Boden, da hebt ihn eine Ablösung noch einmal nach oben. Es ist kein extremes Hochreißen, und doch folgt kurz darauf ein massiver Frontklapper. Eine Seite entlastet stark, der Pilot kippt im Gurtzeug nach hinten, hält im Fallreflex die Hände zu tief, hindert den Schirm so daran, wieder anzufahren und trudelt zu Boden. (Es empfiehlt sich übrigens beim Anschauen des Filmes auf der Hälfte zu stoppen, das noch folgende schmerzvolle Stöhnen des verletzten Piloten lässt einen nur Schaudern, bringt aber keinen Erkenntnisgewinn).



Dieses Video ist ein echtes Lehrstück, weil es zeigt, wie eng manchmal der Grat ist zwischen Glück gehabt und Katastrophe. Im Paraglidingforum und dem Gleitschirmdrachenforum wird heftig darüber diskutiert, ob und wie der Pilot diesen Unfall hätte verhindern können. Die Meinungen gehen weit auseinander. Es ist aber durchaus lohnend, sich einmal mit den verschiedenen Sichtweisen auseinanderzusetzen.

Meiner Meinung nach hätte der Pilot in der Situation schon extrem reaktionsschnell und geschickt sein müssen, um diesen massiven Klapper noch abfangen zu können - falls dies überhaupt möglich wäre. Als allgemeine Lehre würde ich empfehlen:

a) Sich im Landeanflug früher aufrichten, und zwar mit Körpervorlage! Da wäre nicht nur allgemein das Landefahrwerk draußen, um eine flotte Landung besser abzufedern, sondern die Gefahr des Zurückkippens im Gurtzeug samt Fallreflex zum falschesten Zeitpunkt wäre deutlich verringert.

b) Den Landeanflug mehr auf die Mitte solcher Wiesen auszurichten als an deren Rand. Hier verläuft am Rand ein Graben, dazu der Wechsel im Bewuchs hin zu Büschen und Bäumen. Beides sind eher Trigger, an denen die Thermiken ablösen können. Zudem ist man dann weiter weg von möglichen Leezonen, auch wenn in diesem Beispiel der Wind den Wolken nach eher von von links vorne kommt, die Bäume also kein Lee erzeugen sollten...
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3 Kommentare:

g0t0wned hat gesagt…

Ich glaube nicht, dass dieser Klapper zu verhindern gewesen wäre. Der Pilot hat nämlich sehr schnell reagiert und obwohl er den Schirm massiv stütze klappte er trotzdem. Logisch, den Negativ abriss hätte man verhindern können, aber dann wäre der Schirm durch die Anfahrt massiv geschossen. Manchmal ist ein Abwind so massiv, dass der Schirm klappt obwohl man mit der Bremse schon am Anschlag ist. Das ist Pech und vor allem in Bodennähe.
In dem Moment müsste man entscheiden ob man den Schirm abreißt und im Fullstall auf den Protektor landet oder man lässt den Schirm schießen und hofft das der Frontklapper kurz vor dem Boden aufgeht und einen abbremst (was sehr viel gefährlicher ist, weil wenn es nicht ausgeht fällt man vorwärts ohne Protektor mit hoher Geschwindigkeit).
Mir selbst ist mit haargenau dem gleichem Schirm (Golden 3 24) etwas ähnliches passiert. Aber bei mir lag der Fehler schon darin, dass ich überhaupt gestartet bin. Der Föhn brach nämlich bei den letzten 100 Höhenmetern durch. Ich kanns nur oft genug sagen: Föhn ist der absolute Erzfeind eines Paragleiters. Wenn man für 100 Höhenmeter 7 Minuten durchgehend mit Klappern und Strömungsabriss kämpft hat man in der Luft nichts verloren.
Jedenfall habe ich mich in 10 Metern Höhe aus dem Gurtzeug aufgerichtet (hat keine Sekunde gedauert in der ich beide Hände am Tragegurt hatte um mich eben aufzurichten), war auch schon froh das überlebt zu haben. Duch genau in diesem Moment schoss der Schirm sehr massiv nach Vorne (aus dem Normalflug, kein Heber vorbei und auch nicht vorher gebremst), ich konnte überhaut nicht reagieren und der Schirm klappte über die gesamte Länge. Also im Endeffekt ein kompletter Totalzerstörer zehn Meter über Boden. Erst jetzt konnte ich bremsen damit der Schirm vielleicht noch aufgeht. 2 Meter über Boden passierte das auch, ich flog seitlich auf den Boden, aber sehr sanft. Was ich damit sagen will ein Fullstall wäre in dieser Höhe wenn gar nichts mehr zu verhindern ist wahrscheinlich besser gegen Verletzungen.
Gruß

Anonym hat gesagt…

Hallo Lucian,

ich fliege überwiegend im Flachland und beobachte hier oft dust devils, die aus der Luft gut zu sehen sind. Im letzten Jahr sah ich in ca. 200 m über Grund einen dust devil über ein Feld ziehen, der viel Staub ansaugte und dieser noch bis ca. 400 m über Grund gut zu sehen war. Ich war etwas verunsichert, doch flog trotzdem in den gut markierten Bart ein. Ich rechnete mit einem sehr starkem Aufwind doch dieser war gerade mal 1-1,5 m/s stark und überhaupt nicht turbulent.
Auch zentrierte ich vor vier Wochen auf dem Gelände Neuss-Holzheim einen. Direkt neben dem Start/Landeplatz konnte ich ihn sehr gut über einem Kornfeld erkennen. Auch dieser war in ca. 130-150 m über Grund sehr gut zu fliegen. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass wenn man gerade im Landeanflug sein sollte, ein dust devil sehr unangenehm werden kann.

Bei diesem Video tippe ich somit auf einen dust devil.

Schöne Grüße
Jarek

R. Geiger hat gesagt…

Der Pilot steht bereits im Landeanflug zu stark auf der Bremse.
Beim Aufstellen des Schirms sollten erfolgt keine Reaktion, der Pilot lässt die Kappe nicht nach vorne kommen und gerät (optisch einwandfrei erkennbar) in den Sackflug. Da er weiterhin so deutlich auf der Bremse bleibt, geht es natürlich umgehend negativ. Auch beim Landeanflug gilt: speed is safe!