Schirmtest: UP Summit XC 3

Trotz hoher Streckung ist der Summit XC 3 für erfahrene Piloten ein Wohlfühlschirm.

Am Start mit dem UP Summit XC 3 in Norma, südlich von Rom. // Foto: Werner Luidolt
Die im folgenden beschriebenen Eindrücke zum UP Summit XC3 wurden in längeren Flügen in Norma und San Giuliano (Italien) sowie beim ausgiebigen Groundhandling in der Eifel gewonnen. Geflogen bin ich den Summit XC 3 in der Größe S (75-98 kg) mit rund 90 kg Startgewicht. Das Gurtzeug war ein Karpofly Extra Light (Liegegurtzeug). Der Schirm wurde mir für den Test freundlicherweise von UP zur Verfügung gestellt.

Als Gin den Carrera als ersten EN-B-Schirm mit einer Streckung über 6 präsentierte, schlugen die Diskussionswellen in den Foren hoch. Wie konnte es möglich sein, einen Schirm mit solch einer Streckung (6,2) als "B" zuzulassen? Schon deutlich weniger Aufsehen erregte es, als dann UP mit seinem Summit XC 3 nachzog. Der kommt sogar mit einer ausgelegten Streckung von 6,3 daher (weist allerdings eine stärker gekrümmte Kappe auf, sodass die projizierte Streckung geringer ist als beim Carrera). Wie schon Gin versprach UP hier die Leistung und den Charakter eines C- mit der Sicherheit eines B-Schirmes. So heißt es auf UP-Homepage: "Es ist darauf hinzuweisen, dass der Summit XC 3 ein für seine Klasse anspruchsvoller Schirm ist und für die Zielgruppe der erfahrenen Streckenflieger mit fundierter Flugerfahrung konzipiert wurde." Wo sich das in der Praxis bemerkbar macht, habe ich versucht in dem Test herauszuarbeiten.

Von den technischen Details her ist der Summit XC 3 zugleich beeindruckend und solide. Die hohe Streckung verteilt sich auf 56 Zellen. Die sind mit rekordverdächtig wenig Leinenmetern abgespannt (nur 207 Meter für die Größe S). Weitere Details sind eine moderate Haifischnase, 3D-Shaping und Miniribs. Relativ dicke und starre Stäbchen formen die Eintrittskante vor, zudem stützen Stäbchen auch auf etwa 40cm das Profil über der C-Ebene. Das Gewicht ist relativ gering (5,3 kg für die S-Größe). Dennoch erscheint die Kappe nicht als auf Leichtbau getrimmt. Alle Nähte sind sehr wertig ausgeführt, die Leinenaufhängungen mit Mylar verstärkt, und sogar die V-Rippen sind an den am stärksten belasteten Stellen noch mit Klebesegel gedoppelt. Das verspricht eine lange Formbeständigkeit des Segels.  

Eng gebauter Tragegurt: A1 (rot), A2 (grün), B (blau),
C2 (Durchläufer), C1 und Bremse.
Starten: Die von UP selbst gewählte Bezeichnung "anspruchsvoller Schirm" trifft beim Summit XC 3 stärker am Boden zu als in der Luft. Es ist schon etwas anderes, einen Schirm mit Streckung 6,3 als einen klassischen B-Schirm mit Streckung 5,2-5,6 zu starten. Zumal auch ein paar bauliche Eigenheiten des Summit XC 3 das Stresslevel am Startplatz steigen lassen können. Die komplett unummantelten Leinen fallen zwar verhältnismäßig gut auseinander (es sind ja auch nicht viele), aber die durchgängig rote Färbung auf allen Ebenen erschwert den Überblick.
Die Eintrittskante mit dicken Stäbchen und Mylar ist recht schwer. Sie kippt deshalb gerne nach vorne um und verschließt so die Öffnungen. Gerade bei leichtem Wind kann das nervig sein, wenn man wiederholt zur Kappe laufen muss, um sie wieder aufzuklappen.
Der eigentliche Start verläuft aber harmlos. Sowohl beim Vorwärts- wie Rückwärtsstart füllt und steigt die Kappe sehr gleichmäßig. Allerdings sollte man nur die inneren A-Gurte zum Aufziehen nutzen, sonst kommen die Ohren zuvorderst hoch. Der Summit XC 3 will zudem bis kurz vor den Scheitelpunkt sehr konsequent geführt werden, sonst fällt die Kappe wieder zurück. Eine Tendenz zum Überschießen zeigt sie dafür nicht.
Das größte Manko bzw. die Schwierigkeit des Summit XC 3 ist das Starten bei starkem Wind. Die Kappe kommt zwar auch dann sauber hoch. Aber dieser Tragegurt! B- und C-Ebene sind über ein Band miteinander verbunden, auf dem die C2-Leine auf einem Durchläufer sitzt. Wer den Schirm über A+C unter Kontrolle halten will, muss schon sehr genau hinschauen, um beim Griff in die C-Ebene jedes Mal auch alle C-Leinen zu erwischen. Ein schnelles Umgreifen, etwa wenn man den Schirm bei einer Böe lieber noch einmal runterreißen möchte, ist kaum möglich. Im normalen Flugzustand liegt die C2-Leine auf dem Durchläufer so eng am B-Karabiner an, dass man seine Finger schon dazwischen fummeln muss, um sie getrennt zu greifen. Um diese Kontrollmöglichkeit weitgehend beraubt, läuft man als Pilot Gefahr, häufiger mal der Kappe ungewollt hinterher zu hoppeln. In dieser Hinsicht verdient der Summit XC 3 tatsächlich die Note "anspruchsvoll".

Das Landen: Man sollte auf eine lange Ausgleitstrecke gefasst sein. Wer ausgeflogene Landungen beherrscht, wird als EN-B-Pilot mit dem Summit XC 3 aber keine Probleme haben.

Bremsen: Der Summit XC 3 besitzt einen hohen Bremsdruck. Im Normalflug wird das aber nicht zur Last. Im Vergleich zu den meisten anderen B-Schirmen lässt sich der Summit schon mit sehr kurzem Bremsweg pilotieren. Die Bremse greift früh, das normale Thermikfliegen findet auf den ersten 20 cm statt! Diese "kurze" Einstellung bedeutet allerdings auch, dass man die Hände sehr hoch halten muss, wenn man das Profil bei Gleitstrecken im Trimm ober beschleunigt tatsächlich völlig frei geben will. Schon der kleinste Zug kostet sonst 3-4 km/h an Geschwindigkeit. Wer auf den Summit umsteigt, muss sich hier wohl umgewöhnen (oder die Bremse verlängern), um keine Leistungseinbußen zu haben.

High-Arc-Bauweise und Querzugbänder sorgen für eine sehr
homogene Spannungsverteilung in der Kappe des Summit XC3.
Kappenfeedback: Der Summit liefert, wie viele Schirme mit Haifischnasenprofilen, nur wenig Feedback über die Bremse. Das "Lesen der Luft" muss weitgehend über die Tragegurte erfolgen. Hier gehört der Summit auch nicht zu den Plappermäulern. Trotz seiner großen Streckung hält er sich mit ständig aufgeregtem Zuppeln bei jeder kleinsten Luftbewegung zurück. Zudem ist das Profil erstaunlich pitchstabil. Diese ruhige Art kann sich aber durchaus leistungsfördernd auf den Piloten übertragen. Lässig zieht man auch in etwas zerrissener Thermik seine Kreise und entwickelt schnell ein großes Vertrauen in den Schirm. Man lässt ihn fliegen. Er zeigt einem schon, wenn es nötig wird zu intervenieren. Diese Abstimmung der Kappe des Summit XC 3 muss man als überaus gelungen bezeichnen.

Gewichtssteuerung: Der Summit XC 3 reagiert trotz der High-Arc-Bauweise etwas verzögert auf Gewichtsverlagerung. Wenn er sich aber hat überreden lassen, geht er dann doch willig in die Kurve.

Kurvenflug: Hier fällt der Summit XC 3 in die Kategorie Flachdreher. Der Flügel mag es, wenn man ihn eher mit Gewichtsverlagerung und wenig Bremse fliegt. Eine einmal eingestellte Kurvenlage hält er dann geradezu stoisch und sehr spurstabil bei. Auf Änderungen im Bremsleinenzug reagiert die Kappe, wie auch bei der Gewichtssteuerung, etwas verzögert, dann aber entschieden. Agilität mit halber Gedenksekunde. Es lohnt sich nicht, anfangs zu große Impulse zu geben, das bringt nur Unruhe ins System. Insgesamt strahlt der Summit auch in den Kurven eine große Laufruhe aus.

Die Eintrittskante des Summit zeigt eine moderate Shark-Nose,
allerdings nicht mit zwei gekreuzten Stäbchen, sondern mit
Mylar am unteren Profil als stützendes Element.
Thermikeigenschaften: Die ruhige Kurvenlage des Summit XC 3 lässt sich in der Thermik voll ausnutzen. Es gibt im Vergleich nur wenige Highend-B-Schirme, mit denen sich so entspannt und mit wenig Korrekturbedarf in den Bärten kurbeln lässt. Auch das Einfliegen in Thermiken ist mit dem pitchstabilen Profil eine Wonne: Ohne sich störrisch aufzustellen zieht der Schirm in die Aufwinde. Enge, hakelige Thermiken, in denen man schnell Nachzentrieren will, gehören allerdings nicht zur Stärke des Flügels. Die halbe Gedenksekunde bei den Kurvenkorrekturen bedeuten etwas eingeschränkte Reaktionsfähigkeit. Beim Steigen in der Thermik stellt der Summit XC 3 nur gutes Mittelmaß dar und bleibt, trotz der höheren Streckung, ein wenig hinter Konkurrenten wie Chili, Mentor oder Iota zurück. Die ruhige Kurvenlage der High-Arc-Bauweise hilft allerdings vor allem bei schwachen Bedingungen, diesen kleinen Nachteil wieder wettzumachen. Der Schirm lässt sich z.B. hervorragend durch Gewichtsverlagerung nach außen in den Aufwinden "flach" ziehen.

Beschleuniger: Der Beschleuniger des Summit XC 3 verlangt einen mittleren Kraftaufwand. Er besitzt ein Kickdown-System, d.h. ab halbem Beschleunigerweg blockiert eine Kugel eine Rolle des Flaschenzugs. Dann wird er schon härter zu treten. In der Praxis wird das aber gar nicht so häufig nötig sein. Denn schon im Halbgas (bis zur Kugel) legt die Kappe, die schon im Trimm je nach Beladung um die 40 km/h erreicht, gleich 7 km/h drauf. Voll beschleunigt kommen noch einmal 7 km/h dazu. Dabei bleibt das Segel auch voll beschleunigt sehr stabil, zeigt kein Flattern am Untersegel. Das Sinken bleibt durchaus moderat und ist meinem Bauchgefühl nach anderen Highend-B's ebenbürtig. Hier punktet der Summit aber wieder einmal mit Flugruhe und hoher Richtungsstabilität.
Weniger ansprechend ist, dass die Pitchkontrolle über die C-Ebene durch die Teilung der Gurte kaum effektiv möglich ist. UP-Konstrukteur Frantisek Pavlousek sagte auf Anfrage, dass das auch durchaus so gewollt sei. In der B-Klasse würden die wenigsten Piloten diese Technik richtig beherrschen. Die Richtungskontrolle hingegen gelingt dennoch sehr fein: Es genügt, einen Finger an die C2-Leinen auf dem Durchläufer zu legen und einseitig nur 1-2 cm daran zu ziehen (kaum Kraftaufwand), schon dreht die Kappe über den leicht deformierten Außenflügel ohne größere Leistungseinbußen. Dieses Manöver strahlt geradezu Eleganz aus.

Ohrenanlegen: Das Ohrenanlegen ist keine Paradedisziplin des Flügels. Die Sinkwerte sind durchschnittlich. Dabei neigen die Ohren häufig zum Schlagen. Zudem ist immer Druck auf den äußeren A-Leinen. Die Ohren bleiben nicht drin, sie öffnen sofort, manchmal sogar recht vehement.

Steilspirale: Der Summit XC 3 geht etwas verzögert, aber dann doch entschieden in die Steilspirale. Einmal drin, lässt sich das Manöver für einen B-Schirm sehr gut dosieren. Bei der Ausleitung dreht der Schirm etwas nach, was allerdings ein angenehm sanftes Aufrichten ermöglicht.

Frontklapper: nicht geflogen.

Seitenklapper: Ich habe nur unbeschleunigte Klapper um 50-60% gezogen. Der Summit XC 3 zeigte sich hier erstaunlich brav. Wo andere High-B's wie Mentor 3 oder Chili 3 mit geringerer Streckung deutlich auf die Nase gehen und kurz Karussel fahren, gibt sich der Summit genügsam. Er dreht kaum mal mehr als 90° ab und öffnet die eingeklappte Seite sanft Zelle für Zelle. Der  Schreckmoment bleibt aus.

Nicken: Der Summit XC 3 ist im Normalflug sehr pitchstabil. Dieses Verhalten zeigt sich auch beim induzierten Nicken. Die Kappe entwickelt nur langsam eine etwas höhere Dynamik. Dann ist allerdings durchaus mal etwas mehr Bremsweg nötig, um die Kappe wieder sauber einzufangen.

Rollen: Beim Rollen zeigt sich wieder die etwas verzögerte Reaktion auf Gewichtsverlagerung. Ist allerdings einmal Energie im System, zeigt der Summit XC 3 auch einen spaßigen Charakter. Piloten sollten sich mit Respekt an die plötzlich aufscheinende Dynamik herantasten.

Der Summit XC 3 packt im mitgelieferten Zellenpacksack, der mit
fix vernähten Schnallen auch die Faltung vorgibt, sehr lang.
Zum Vergleich links ein "geviertelter" Swing Mistral 7 S.
Packen: Wer einen klein und einfach zu packenden Schirm sucht, für den ist der Summit XC 3 eindeutig die falsche Wahl. Ausgeliefert wird der Schirm mit einem Schlauchpacksack, der einen mit angenähten Gurten dazu zwingt, die Kappe gedrittelt zu packen - allein schon, um die Stäbchen auf der C-Ebene nicht unnötig zu knicken. Diese Länge verlangt entsprechend große Rucksäcke. Wer beim Zusammenlegen und Packen etwas Sorgfalt walten lässt, kann den  Schirm zwar auch auf kleinere Packmaße bringen. Dennoch: Für Hike&Fly mit kleinen Wendegurtzeuge ist dieser Schirm eindeutig nicht gedacht.

Qualität: Tadellos. Der Summit XC 3 ist sehr solide und wertig gebaut. Die Nähte sind sehr sauber ausgeführt. An belasteten Stellen sind Einfassbänder, Mylar oder Klebeverstärkungen eingesetzt. Der Beschleuniger weist hochwertige, kugelgelagerte Ronstan-Rollen auf. Nur kleinere Details wären noch verbesserungswürdig: Der Bremsgriff ist etwas zu klein geraten, zumindest wenn man mit einer halben Wicklung fliegen will. Und dass die Stabilo-Leinen farblich nicht von den anderen Leinen abgesetzt sind, ist ein (leider auch bei anderen Herstellern verbreitetes) Sicherheitsmanko. (Nachtrag: Nach Angaben von UP ist bei neueren Summits die Stabilo-Leine anders gefärbt).

Fazit: Der UP Summit XC 3 ist in der Luft ein sehr angenehmer Schirm mit ansprechender Leistung für XC. Trotz der hohen Streckung dürften sich erfahrene B-Schirm-Piloten und erst Recht die C-Rücksteiger sofort darunter wohlfühlen. Streckenjäger werden vor allem die hohe Flugruhe und Stabilität auch im beschleunigten Flug zu schätzen wissen. Anspruchsvoller als andere Highend-B's ist der Schirm im Alltag nur beim Bodenhandling und Starkwindstarts. Der leider etwas verbaute Tragegurt erhöht dann das Risiko des Kontrollverlustes (eine aus meiner Sicht nicht zu unterschätzende Gefahr, passieren doch allgemein viele Unfälle aus missglückten Startsituationen heraus). Ausgiebiges Groundhandlingtraining mit dem Schirm ist Aufsteigern zu empfehlen. Letzendlich ist der Summit XC 3 ein Schirm, der eindeutig fürs XC-Fliegen konzipiert ist. Wer eher einen Allrounder sucht, sollte sich bei anderen Modellen umschauen. UP selbst hat hier z.B. den Kantega XC 2 im Programm.

Hinweis für Piloten aus Deutschland: Mittlerweile hat der Summit XC 3 nach Angaben von UP auch offiziell LTF, darf damit also auch in Deutschland geflogen werden.


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2 Kommentare:

herc hat gesagt…

Hallo Lucian, immer wieder lese ich deinen Blog sehr gerne.
Ich würde mich in Zukunft auch über Tests von Low-B und vielleichr auch A-Schirmen freuen - z.b. dem kommenden Advance Alpha6 oder dem UP Makalu4.

Weiter so !

Lucian Haas hat gesagt…

Herc, gelegentlich teste ich ja auch low- bzw. mid-B wie Atlas, Ion 3, Tequila 4 etc.

Tests von A-Schirmen fände ich auch interessant, allerdings ist mein Flugzeitbudget nicht unbegrenzt, und dann spielt auch nicht immer das Wetter mit. Da ich die Test-Schirme möglichst ausgiebig und in unterschiedlichen Bedingungen damit fliege, kann ich die Testerei nicht nach Belieben ausbauen.

Deshalb werde ich mich auch in Zukunft testend hauptsächlich im B-Sektor aufhalten. Selbst da schaffe ich es nicht, die ganze Klasse abzubilden. Aber die wichtigsten B-Schirme sind schon dabei...