Das Risiko in Grenzen halten

Will Gadd ist ein Abenteurer, Eiskletterer und Gleitschirmflieger (u.a. X-Alps 2003). Trotz vieler extremer Projekte hat er sich nach eigenen Angaben in 35 Jahren noch nie ernsthaft verletzt. In einem sehr lesenswerten Beitrag im Explore-Magazin (auf Englisch) schreibt er darüber, warum aus seiner Sicht manche Menschen dazu tendieren, sich körperlich zu verletzen, während andere selbst schwierigste Situationen regelmäßig heil überstehen. Für Gleitschirmflieger sollte dieser Text oder zumindest seine zentralen Aussagen zum Grundkanon der Aus- oder Weiterbildung gehören. Vielleicht hilft er ein bisschen zur Selbsterkenntnis. Will Gadd führt drei zentrale Punkte an (hier nur inhaltlich in eigenen Worten zusammengefasst):

1. Kenne Deine Grenzen und reize sie nicht voll aus
Um Verletzungen zu vermeiden sollte man sich immer bewusst sein, wo in einer gegebenen Situation (Wetter etc.) jeweils die eigenen Grenzen dessen liegen, was man noch beherrschen kann. Und von dieser Grenze sollte man immer eine gewissen Abstand halten, um auch noch für Unvorhergesehenes Platz zu lassen. Will Gadd schreibt: "Jene Menschen, die sich eher schwer verletzen oder gar sterben haben in der Regel zuvor schon eine Reihe von weniger schweren Vorfällen erlebt. Kleine Zwischenfälle oder ernsthafte Das-war-knapp-Momente. Das sind Situationen mit einem kleinen Spielraum für Fehler."

2. Sei im Jetzt
Wenn es darum geht, schwierige Passagen zu meistern, sollte man sich voll darauf fokussieren; sich bewusst machen, dass es jetzt anspruchsvoll wird, um mit doppelter Aufmerksamkeit bei der Sache zu sein. Wer in solchen Situationen mit den Gedanken woanders ist, wird eher einen Unfall haben.

3. Nimm Veränderungen wahr
Viele Unfälle basieren darauf, dass man kleine Veränderungen in seiner Umwelt nicht beachtet. Wenn der Wind etwas zunimmt und das Wasser auf dem See kräuselt. Wenn der ferne Schirm eines großen Gewitters ein wenig über den Berggrat lugt. Wer solche Veränderungen nicht wahrnimmt, kennt seine aktuellen Grenzen nicht und geht womöglich darüber hinweg. Will Gadd schreibt: "Wenn ich in eine für mich neue Umgebung komme, bin ich sehr konservativ, weil ich meine Grenzen dort noch nicht kenne."

Es lohnt sich, eigene (negative) Erlebnisse einmal aus diesen drei Blickwinkeln zu rekapitulieren: War ich mir meiner aktuellen Grenzen bewusst? War ich im Jetzt? Gab es zuvor Veränderungen, die ich nicht wahrgenommen oder berücksichtigt habe?

Share on Google Plus

2 Kommentare:

Armin Harich hat gesagt…

100% Zustimmung. Bis jetzt habe ich mich auch noch nie außer Bänderdehnung beim Landkiten als ich etwas zu schnell neues versuchte habe verletzt.

Werner Luidolt hat gesagt…

Ich sehe das genau so - sehr gute Zusammenfassung um was es meiner Ansicht nach auch geht!