PWC Superfinale: Schwarmintelligenz siegt

Bei den meisten Wettbewerben gilt: Flieg' mit dem Pulk, dann kommst Du am besten voran. Das PWC Superfinale bestätigt diese Regel - trotz pulkfeindlicher Tasks. 
Schwarmfliegen über dem brasilianischen Hügelland. Wer den Schwarm verlässt, hat mehr zu kämpfen.
// Quelle: Facebook, Yassen Savov

In diesem Post geht es nicht um Einzelergebnisse und aktuelle Ranglisten beim PWC Superfinale im brasilianischen Governador Valadares. Die kann man zum Abschluss des Wettbewerbs am Samstag bzw. Sonntag nochmals genauer anschauen. Zuvor schon ist es aber interessant, sich die erfolgversprechenden Flugtaktiken der Piloten anzuschauen. Und hier bestätigt das Superfinale einmal mehr, was für die meisten Race-to-Goal Wettbewerben gilt: Der Pulk hat (fast) immer Recht. Wer den Schwarm verlässt, verliert.

Task #7 der Superfinales. Die rote Linie zeigt nur eine
von vielen möglichen Routen zwischen den Radien
eines zentralen Wendepunktes. // Quelle: Livetrack24
Die Task-Setter in Governador Valadares haben sich bisher viel Mühe gegeben und Fantasie bewiesen, um den Piloten Anreize zu liefern, aus dem Pulk auszubrechen. Das beste Beispiel ist der Task #7 vom Mittwoch. Dieser Lauf hatte nur einen zentralen Wendepunkt, um den aber mehrere große Radien definiert waren, in die es nacheinander ein- bzw. auszufliegen galt, um am Ende ein Ziel im Süden anzusteuern (s. Bild). Die beste Routenwahl dazwischen war vollkommen offen und bot den Piloten theoretisch unendlich viele Möglichkeiten. Sie mussten nicht zusammen fliegen. Die Mehrzahl tat es aber doch. Am Ende gab es eine Massenankunft, bei der die ersten 44 Piloten alle innerhalb einer Minute ins Ziel schwebten, viele davon zeit- und am Ende auch punktgleich. Jene Piloten aber, die zwischenzeitlich ihrer ganz eigenen Routenwahl folgten, blieben abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

Es ist ein schönes Beispiel für die sogenannte Schwarmintelligenz: Wer sich nach anderen richtet, hat in bestimmten Umweltbedingungen bessere Überlebenschancen. In diesem Fall besteht die "Überlebensaufgabe" darin, die etwas erratischen thermischen Bedingungen bestmöglich auszunutzen, um nicht im Niemandsland abzusitzen und um insgesamt schneller voran zu kommen. Ein Gleitschirmschwarm findet viel eher "zufällig" die starken und hoch reichenden Bärte auf seiner Route, weil er per se ein größeres Luftvolumen abdeckt. Es muss ja nur einer der Piloten auf den Aufwind stoßen, schon können alle im Schwarm davon profitieren. Die schneller gewonnene Höhe kann in  schneller geflogene Gleit- und Suchstrecken umgemünzt werden. Ein Pilot auf Solo-Pfaden hingegen mag zwar eine direktere Route fliegen können, doch wenn er dabei nicht mehrmals das große Los des starken Bartes zieht, kann der Eigensinn schnell zum Nachteil werden.

Das Problem hierbei ist: Bei einem PWC geht es eigentlich darum, den "overall" besten Piloten zu finden. Beim aktuellen Format des Wettbewerbs bedeutet das allerdings, dass die besten Schwarmflieger im Vorteil sind, und unter diesen wiederum jene Piloten, die dann noch für einen schnellen Endanflug den passenden Schirm besitzen.

Zwar gibt es Leading-Points und Streichresultate, um risiko-freudigere Piloten zu belohnen, wenn sie größere Strecken allein oder zumindest dem Pulk voraus fliegen. Doch unterm Strich - gerade wenn sehr viele Tasks geflogen werden - ist es noch immer ratsam, lieber regelmäßig als Teil der Masse zu glänzen, als den großen Solo-Auftritt zu wagen. Individualisten werden allzu schnell bestraft.

Selten wurde das so offensichtlich wie gerade bei diesem Superfinale, wo die Task-Setter des öfteren Aufgaben wählten, die gezielt darauf angelegt waren, die Pulks durch vielfältige Routenoptionen zu sprengen. Doch auch da erwies sich der Schwarm in der Regel als Erfolgsgarant.

Es bleibt abzuwarten, welche Lehren die Veranstalter daraus ziehen. Die Diskussionen laufen bereits. Eine Möglichkeit wäre es, Führungsarbeit und Solo-Ausritte während der Tasks künftig noch stärker mit Leading-Points zu belohnen. Der Nachteil: Für die Teilnehmer wie für Beobachter des Livetrackings würde es weitaus schwieriger, im Verlauf des aktuellen Rennens den tatsächlichen Rang eines Piloten in der Tageswertung abzuschätzen.
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