Test: Itsy Bitsy touch

Das Handschuhmodell Itsy Bitsy touch wurde von Urs Haari gemeinsam mit der Firma ESKA speziell fürs Gleitschirmfliegen entwickelt. Die Qualität hat freilich ihren Preis. 

Itsy Bitsy touch mal von außen (unten), mal von innen (oben) betrachtet.
Am Zeigefinger sitzt ein spezieller Touch-Aufsatz zur Bedienung von
Smartphone-Screens. Der Handschuh ist mit einem Windstopper-Fleece
gefüttert und besitzt zusätzlich im Pulsbereich ein bauschigeres
Flies aus Merinowolle und Bambusfasern.
// Foto: Lu-Glidz
Was darf ein Handschuh ohne eingebaute Heiztechnik kosten? 10 Euro wie bei günstigen Saisonangeboten von Discountern, rund 50 Euro wie im Durchschnitt üblicher Fliegerhandschuhe in Gleitschirmshops, oder gar 129 Euro (149 Sfr.) wie beim Itsy Bitsy touch von High Adventure? Die Antwort darf jeder Pilot mit Blick in den eigenen Geldbeutel und unter Beachtung der eigenen Vorlieben geben. Interessant ist es dennoch einmal zu schauen, was so ein hochpreisiges Modell tatsächlich zu bieten hat.

Die Itsy Bitsy touch hat der Schweizer Urs Haari für seine Marke High Adventure gemeinsam mit dem österreichischen Handschuh-Spezialisten ESKA entwickelt. Ziel war es, einen Handschuh mit bester Passform zu bieten, den man vom Frühling bis in den Herbst hinein bei Flügen tragen kann. Drei-Saison-Handschuh heißt das im Marketingdeutsch. Zudem sollte der Handschuh die Smartphone-Bedienung ermöglichen.

Ich bin mit dem Itsy Bitsy touch bei unterschiedlichsten Bedingungen zwischen 0 und 25 Grad viele Stunden lang geflogen. Dabei habe ich folgende Erfahrungen gemacht:

Material: Der Handschuh besteht aus einer Kombination aus vorgeprägtem und wasserabweisend behandeltem Leder in der Innenhand und den Fingern sowie einer Softshell-Stulpe am Handgelenk. Der Handrücken ist zur Hälfte aus Leder, der Rest wiederum aus dem dehnbaren Softshell-Material. Das Innenfutter ist ein Polyester-Fleece mit Windstopper-Membran. Die Stulpe wiederum besitzt im Pulsbereich ein bauschigeres Flies aus Wolle und Bambusfasern. All das macht einen sehr wertigen Eindruck, und vor allem das Leder weist – im Vergleich zu anderen, meist glatteren Handschuhen – eine herausragende Griffigkeit auf.

Passform: Die Handschuhe sind so vorgeformt, dass sie zu einer gebeugten Handhaltung passen. Das soll einen spannungsarmen Griff um Leinen oder den Steg der Bremse eines Gleitschirms ermöglichen. Anfangs empfand ich das Material allerdings als etwas steif. Es brauchte über zehn Stunden, bis ich das Leder durch die Nutzung so weichgewalkt und vorgedehnt hatte, dass ich das Tragen auch durchgehend als angenehm empfand. Und noch immer habe ich den Eindruck: Je länger ich die Handschuhe trage, desto besser und "gefühliger" passen sie sich meinen Händen an.
Der Schnitt ist angenehm, nur am kleinen Finger für meinen Geschmack noch etwas zu weit. Lobenswert ist, dass der Gummizug am Handgelenk nicht sehr stark oder gar eng ausgeführt ist. Viele andere Fliegerhandschuhe, die eher von klassischen Ski-Handschuhen abstammen, sind hier oft allzu einschnürend konstruiert. Wenn man verhindern will, dass Schnee in den Handschuh eindringt, mag das sinnvoll sein. Beim Fliegen allerdings sorgt eine allzu enge Ausführung an dieser Stelle dafür, dass der Pulsbereich unnötigerweise der Kälte und dem Windchill exponiert ist. Dies löst der Itsy Bitsy touch vorbildlich – vor allem in Verbindung mit dem dickeren Wollflies-Futter in der Stulpe.

Stulpe: Die Softshell-Stulpe besitzt am unteren Ende kein extra Zugband, um sie enger zu ziehen. Die Handschuhkonstruktion ist vielmehr so gedacht, dass man die Jackenärmel oder Speedarms über den Stulpen trägt, um einen winddichten Abschluss zu gewährleisten. So etwas ist freilich Geschmacksache. Ich gehöre eher zu jener Fraktion, die die Handschuhe als letztes überziehen und eine Stulpe bevorzugen, die auch gut über der Jacke getragen und eng gezogen werden kann. Hierfür hätte ich beim Itsy Bitsy lieber eine noch um ein, zwei Zentimeter längere Stulpe gesehen; oder einen Abschluss mit einem Strickbündchen, wie zum Beispiel bei den ähnlich positionierten Fliegerhandschuhen Kristall Ergo von Basisrausch.

Der Touch-Aufsatz deckt leider die Fingerkuppe
nur unzureichend ab. // Quelle: highadventure.ch
Touchfunktion: Die Handschuhe besitzen am Zeigefinger einen Spezialaufsatz, mit dem sich die Touchscreens von Smartphones bedienen lassen. Das funktioniert leidlich, aber nicht perfekt. Gelegentlich musste ich bei den diversen Geräten, an denen ich das getestet habe, mehrmals den Schirm berühren oder darüberwischen, um die gewünschte Reaktion zu erreichen. Es hilft, deutlich fester zu drücken, als man das mit seinem blanken Finger normalerweise tun würde.
Die Position der Touch-Hilfe ist allerdings ergonomisch nicht optimal gelöst. Der größte Teil davon ist entlang des letzten Gliedes des Zeigefingers platziert, reicht aber nur ansatzweise um die Fingerspitze herum. Wenn man gezielt auch mal kleinere Buttons auf dem Bildschirm treffen will, wird es schwierig. Bei den Charly-Heizhandschuhen, die ich im Januar getestet hatte, ist die Positionierung der speziellen Touch-Fläche direkt über der Fingerkuppe deutlich besser gelöst.
In der Praxis habe ich im Flug in der Regel doch noch lieber auf einen Touch-Pen an meinem Cockpit zurückgegriffen, um mein Smartphone zu bedienen. Für große Buttons und einfache Wisch-Gesten, die z.B. nicht ein gezieltes Ansetzen am oberen Bildschirmrand verlangen, ist der Itsy Bitsy touch aber tauglich.

Isolierung: Der Itsy Bitsy touch hat meiner Erfahrung nach ein sehr breites Temperaturfenster, in dem er eingesetzt werden kann. Bei längeren Flügen unter 5°C würde ich allerdings noch zu echten Winterhandschuhen oder passenden Überzugs-Fäustlingen raten. Im Gegenzug habe ich selbst bei 25°C Außentemperatur das Klima in den Handschuhen noch als angenehm und nicht schweißtreibend empfunden, zumindest solange man keine anstrengenderen Tätigkeiten wie sportliches Groundhandling damit ausführt. Für derlei Ambitionen gibt es von High Adventure übrigens auch eine dünnere Version namens Itsy touch.

Sonstiges: Lobenswert sind die in der Stulpe angenähten Gummibänder mit Schlaufe, die man sich über die Arme streifen kann. Damit kann man die Handschuhe auch mal schnell am Startplatz oder im Flug abstreifen, ohne befürchten zu müssen, sie zu verlieren. Urs Haari hebt auch gerne hervor, dass die Handschuhe bei ESKA komplett in Österreich gefertig und nicht unter möglicherweise prekären Bedingungen in Pakistan genäht werden.

Fazit: Die Itsy Bitsy touch Fliegerhandschuhe bieten durchaus einen Mehrwert für ihren Preis. Gut vorgeformt, mit geschmeidiger und angenehm griffiger Innenhand sowie einem durchdachtem Wärmefutter gerade im empfindlichen Pulsbereich, wird man sie gerne die meiste Zeit des Fliegerjahres nutzen. Das Leder muss allerdings eine Weile eingetragen werden, bis die beste Passform erreicht ist. Von der Touch-Funktion sollte man sich nicht zuviel versprechen. Sie ist nur für die gröbere Bedienung eines Smartphones geeignet.


Hinweis: Die Handschuhe wurden mir für den Test freundlicherweise von Urs Haari von High Adventure zur Verfügung gestellt.


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1 Kommentare:

Carsten hat gesagt…

Ich habe die leichtere Version, den Itsy Touch, in Verwendung. Voralpenfluggebiet, Sommer, da braucht man keinen superdicken Handschuh. Trotzdem kann es durchaus auch mal in entsprechender Höhe etwas frisch werden. Gesucht ist ein Handschuh den man im besten Fall gar nicht spürt, der aber dennoch eine gewisse Dämmwirkung erzielt und das bei langer Lebensdauer. Eine ordentliche Dämmwirkung die über Windstopper Funktion hinausgeht so herzubringen, dass der Handschuh nie lästig wird und man ihn im Besten Fall gar nicht mehr richtig wahrnimmt ist die Herausforderung und das ist hier sehr gut gelöst. Dies rechtfertigt meiner Meinung nach auch den Preis. Langlebigkeit....wird sich noch erweisen müssen.