Leistungsdrang (21): Front-Miniribs

Miniribs an der Hinterkante sind heute schon Standard. Neuerdings weisen aber immer mehr Schirmmodelle auch an der Eintrittskante zusätzliche, kurze Zwischenrippen auf.

Die Eintrittskante des Phi Tenor: Jede Zelle ist in der Profilnase
mit einer Minirippe unterteilt, die auch am Untersegel vernäht ist.
Das wirkt so, als hätte der Schirm die doppelte Zellenzahl.
// Fotos: Lu-Glidz
Die Idee, die Zellen eines Gleitschirms an der Front jeweils mittig mit zusätzlichen Profilen zu stützen, ist nicht neu. Schon um das Jahr 2000 setzte der israelische Hersteller Apco mit seinem Modell Bagheera auf so ein Konzept. Gin nutzte eine Weile in seinen Boomerang-Wettbewerbsschirmen das Rigifoil-System: kurze, in Zellenmitte am Obersegel eingenähte Stäbchen. Doch solche Ansätze verschwanden später wieder. Mittlerweile ist die Idee bei einigen neueren Schirmen in abgewandelter Form wieder aufgetaucht.

Der Sinn hinter den Front-Minirippen ist vor allem einer: Wenn beschleunigt wird, steigt mit der Geschwindigkeit der Druck auf die Profilnase des Gleitschirms stark an. Wird der Druck zu hoch, verliert die Nase ihre perfekte Form. Der Stoff kann sich dann vorne in Zellenmitte ein wenig eindellen. Dadurch wird die Anströmung gestört, der Schirm verliert an Gleitleistung. Die zusätzliche Stütze durch Minirippen in der Profilnase wirkt dem entgegen.

Die Front-Minirippen des Gravis
sitzen nur am Obersegel.
Wirkungsvoll ist das System vor allem für Schirme mit eher breiten Zellen. Nicht von ungefähr kommen Front-Minirippen beim BGD Base oder dem Icaro Gravis zum Einsatz, die im Klassenvergleich jeweils eine recht geringe Zellenzahl besitzen (46 bzw. 40). Mittlerweile sieht man sie aber auch bei Schirmen mit 50 Zellen und mehr, wie z.B. dem Phi Tenor, dem MacPara Eden 6 oder dem Icaro Buteo.

Von der Bauweise her muss man zwei Arten unterscheiden: zum einen Front-Miniribs, die nur im Obersegel sitzen; zum anderen solche, die bis zum Untersegel reichen und auch dort vernäht sind. Gin nannte diese zweite, durchgängige Variante einst Rigifoil-Max. Durch die mechanische Kopplung von Ober- und Untersegel über ein Stäbchen oder eine kurze Stoffrippe in Zellenmitte wird die Profilnase zusätzlich versteift. Damit wirkt die Front fast so, als wäre die Zellenzahl verdoppelt.

Keine echte Minirippe, aber
ein Stoffband mit ähnlicher
Wirkung beim Rush 5.
Eine weitere, vergleichsweise simple Variante ist beim Rush 5 von Ozone zu sehen. Dieser hat keine echten Front-Minirippen. Ober- und Untersegel sind aber in der Mitte der Eintrittsöffnungen durch ein dünnes Stoffband miteinander verbunden. Diese Kopplung überträgt Zugkräfte, die ebenso einen versteifenden Effekt für die Profilnase erzielen.

Es ist zu erwarten, dass in Zukunft noch weitere Hersteller mit eigenen Varianten der Front-Minirippen dem Leistungsdrang folgen werden. Sogar bei Wettbewerbsschirmen könnten sie wieder Einzug halten.

Der australische Hersteller Flow testete jüngst bei einem PWC einen CCC-Proto mit einer imposant aussehenden Eintrittskante. Durch die Front-Minirippen wirkte der 90-Zeller von vorne wie ein Schirm mit 180 Zellen.

Tipp: Erfahre in weiteren Folgen der Serie Leistungsdrang noch mehr darüber, mit welchen Ideen die Konstrukteure versuchen, die Leistung von Gleitschirmen weiter zu verbessern.


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