Weltmeister gewinnt auch PWC-Superfinale

Pierre Remy hat das PWC Superfinale im brasilianischen Baixo Guandú als Abschluss der PWC-Saison 2018 gewonnen. Mérylle Delferriere beherrschte die Frauenwertung.

Die Sieger: Pierre Remy und Méryl Delferriere // Quelle: PWCA
Der Ausgang des PWC Superfinales 2018 (ausgetragen in 2019) war denkbar knapp. Nach neun geflogenen Tasks lag der Franzose Pierre Remy (6351) mit nur zwei Punkten vor seinem Landsmann Julien Wirtz (6349). Dritter wurde der Brite Russel Ogden (6311).

Bei den Frauen war die Sache eindeutiger: Die Französin Mérylle Delferriere (6206) distanzierte die Schweizerin Yael Margelisch (5967) um mehr als 200 Punkte. Dritte wurde Kari Ellis (5543) aus Australien.

In der Nationenwertung heißt die Reihenfolge der ersten fünf: Frankreich, Italien, Schweiz, Großbritannien, Deutschland.

Die Bedingungen in Brasilien hatten viel zu bieten: von langsamen Basteltasks unter dichten Wolken bis hin zu Vollgas-Rennen, bei denen 100 Kilometer mit kräftiger Wolkenthermik mit mehr als 40 km/h Durschnittsgeschwindigkeit in deutlich unter zwei Stunden abgespult wurden. Pierre Remy bewies vor allem in der wettertechnisch besseren zweiten Hälfte des Wettbewerbs seine Klasse und flog dort konstant in die Top 10 der einzelnen Tasks. Überraschend ist das nicht. Remy gewann in 2017 die Weltmeisterschaft in Feltre.

Nicht zu unterschätzen ist die Leistung von Méryl Delferriere. Schon beim Superfinale 2017 vor einem Jahr in Roldanillo war sie auf Platz 10 der Overall-Wertung geflogen. In diesem Jahr kam sie Overall auf Platz 7.

Im Thermikpulk überm Fluss. // Foto: Yassen Savov
Nicht erfüllt haben sich die (heimlichen) Hoffnungen mancher Piloten, dass die neu im CCC-Zirkus vertretenen Schirme von UP, Flow und Niviuk namens Guru, Spectra und Icepeak Evox die Szene aufmischen und die Vorherrschaft der Ozone Enzos erkennbar brechen könnten. Tatsächlich waren die Podien komplett mit Piloten bestückt, die einen Enzo 3 flogen. In der Top 20 waren 16 Enzos vertreten, drei Boomerang 11 und nur ein Icepeak Evox auf Platz 16. Nun bedeutet so etwas nicht, dass die neuen Schirme nicht konkurrenzfähig wären. Vieles hängt ja auch immer noch vom Piloten ab, und da ist die Weltelite bisher noch nicht so schirmwechselwillig. Allerdings konnte auch keiner der neuen Marken-Mitstreiter seinen Schirm als must-have positionieren. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Bild im Zuge der Saison noch verschiebt.

Wer übrigens noch ein bisschen vom Renngeist eines PWC-Superfinales schnuppern möchte, dem sei die Lektüre des Tagesberichtes vom Donnerstag, 28.3., von Stefan Bernhard auf der DHV-Wettbewerbsseite emfohlen. Er beschreibt darin sehr anschaulich, was die PWC-Fliegerei ausmacht.

Eine kleine Leseprobe: "Das sind die Momente in denen ich das Wettkampffliegen so richtig genieße. Mit den besten Piloten der Welt kniffelige Probleme lösen. Jeder Teilnehmer im Superfinale muss sich auf einem Weltcup der letzten Saison qualifizieren. Und um in einem Weltcup mitzufliegen, muss man sich über nationale Meisterschaften oder Weltcups des Vorjahres qualifizieren. Wer hier mit dabei ist, musste seine Klasse also vorher reichlich unter Beweis stellen. Alle schauen, scannen Gelände und Piloten ab, suchen rastlos, und sobald jemand Thermik findet, bewegt sich der ganze Schwarm wie ein lebendiger Organismus fast gleichzeitig auf deren Kern zu. Es dauert selten länger als einen Kreis, bis diese zentriert ist. Alle sind hochkonzentriert, Abstände manchmal kleiner als einen Meter, aber jeder fühlt sich wohl, weil wir um die Klasse der Piloten wissen, die unter den Schirmen hängen."

Und für alle, die lieber bewegte Bilder anschauen, hier noch ein Video mit den Highlights der letzten Tasks des Superfinales:




1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe ja im Dhv Forum auch schon mal auf diesen Bericht von Stefan Bernhard hingewiesen. Wirklich lesenswert wie ich finde. Ein Freund hat mich dann aber für genau den gleichen Tag, den 28.3, auf den Bericht auf Pepe's Blog aufmerksam gemacht. Ebenfalls sehr interessant und ein wenig konträr. Schon interessant, wie unterschiedlich die Empfindungen sind und sehr warscheinlich ist auch ein Thema, wie man in dem Durchgang abschneidet. Auch wenn ich gern gegen den Wind fliege scheint mir im Nachhinein Pepe's Sichtweise, 25 km bei Vollgas und fettes Sinken gegen den Wind schon plausibel.

Gruss Mayer