Top im Detail (8): Variable Retterzugrichtung

Wenn man schräg an einem Rettergriff zieht, kann sich der Innencontainer mit der Rettung im Gurtzeug verkanten. Eine variable Zugkrafteinleitung reduziert das Risiko. 

Der Innencontainer des Itus von Nova hat einen beweglich
montierten Rettergriff. // Quelle: Nova
Im neuen Wendegurtzeug Itus, das Nova jüngst bei der Thermikmesse vorgestellt hat, stecken einige interessante Details, die auf den ersten Blick kaum auffallen. Beispielhaft und kopierenswert (für andere Hersteller) ist vor allem die besondere Anbringung des Rettergriffes am integrierten Innencontainer für die Rettung.

Der Griff ist nicht über ein einzelnes gerades Band oder eine dreieckige Stofflasche mit dem Innencontainer verbunden, wie es sonst bei vielen Modellen üblich ist. Vielmehr sitzt der Griff beweglich (bzw. verschiebbar) auf einem Stoffband. So können die Zugkräfte variabel auf die Breite des Containers verteilt werden. Das ist hilfreich wenn es darum geht, eine sichere Auslösung des Retters zu ermöglichen.

Die Kraft verteilt sich unterschiedlich stark, je nachdem
in welche Richtung gezogen wird. // Grafik: Lu-Glidz
Durch die bewegliche Anbringung des Griffes werden die Zugkräfte bzw. deren Vektoren jeweils unterschiedlich stark auf die Breite des Innencontainers verteilt, je nachdem in welche Richtung der Pilot zieht (s. Grafik).

Das hat den Vorteil: Selbst wenn der Pilot den Rettergriff nicht in optimaler Weise gerade nach außen zieht, sondern eher seitlich nach vorne oder hinten, werden die Zugkräfte noch so übertragen und eingeleitet, dass der Innencontainer im Gurtzeug nur schwerlich verkanten kann. Das Risiko, dass ein Pilot selbst mit größtem Krafteinsatz den Retter kaum gezogen bekommt, weil er im Stress nicht die optimale Zugrichtung einhält, wird dadurch stark reduziert.

Bei schrägem Zug verschiebt sich der Rettergriff
zu einer Seite. // Foto: Lu-Glidz
Nova hat beim Itus auch den Außencontainer so designt, dass er besonders weit öffnet, was zusätzlich dazu beiträgt, ein Verkeilen zu verhindern. Die variable Krafteinleitung des Rettergriffes ist allerdings eine Lösung, die selbst bei Gurtzeugmodellen mit engeren Tube-Containern schon Vorteile bringen dürfte.

Heute haben selbst manche renommierten Hersteller noch immer wieder damit zu kämpfen, bei ihren Gurtzeugen eine gute Retter-Auslösung garantieren zu können, ohne eine bestimmte Zugrichtung vorschreiben zu müssen. Darum wäre es nur zu wünschen, dass eine so simple und effektive Lösung wie der verschiebbare Rettergriff bald auch von anderen aufgegriffen wird.

In der losen Serie "Top im Detail" stellt Lu-Glidz kleine Besonderheiten an Produkten rund ums Gleitschirmfliegen vor, die besonders clever gelöst sind und einem den Spaß am Fliegen oder auch die Sicherheit erhöhen.



4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Grundsätzlich keine schlechte Idee. Ich habe aber Zweifel, ob sich der Griff am Laufband an der Zugrichtung ausrichtet wie im Bild erläutert. Dafür müsste ja die Reibung zwischen Grifflasche und Laufband Null sein...
Oliver

Lucian Haas hat gesagt…

Die Reibung ist sicher nicht Null, aber wenn der Widerstand des Pakets im Gurtzeug größer ist als die Reibung von Grifflasche und Band, lässt sich der Griff einfach verschieben. Diese Technik löst auch sicher nicht alle Probleme verklemmter Retter, ist aber ein durchaus hilfreiches Detail, um manches Verkeilungs-Dilemma zu entschärfen.

Christoph hat gesagt…

Mich wüde ausserdem interessieren ob sich aufgrund des - zu erwartenden - explosiven, schnellen Ziehens des Retters durch die Reibung ein Hitze- und damit Materialproblem an der Lauffläche der beiden übereinander laufenden synthetischen Bänder ergeben kann und ob das ausreichend getestet wurde.

Lucian Haas hat gesagt…

@Christoph: Ich denke, dass Reibungshitze hier kaum zum Problem werden dürfte. Zum einen sind die Wege nicht lang und die Geschwindigkeit, mit der der Griff verrutscht nicht hoch. Zudem erfolgt das Verrutschen am Anfang (Zugrichtung), wenn der Pilot den Griff packt. Da ist noch nicht viel Last drauf. Das "explosive" Ziehen (wobei auch das von der Ergonomie her kaum wirklich explosiv sein kann) erfolgt dann typischerweise mit einer vorgegebenen Richtung.