Leistungsdrang (29): Anti-Flatter-Querband

Im beschleunigten Flug fangen viele Segel an der Eintrittskante an zu flattern, vor allem solche mit großen Zellen. Ozone verhindert das mechanisch mit einem quer eingenähten Band.

Ein senkrecht aufgesetztes Stoffband in der Eintrittskante
soll das Flattern des Untersegels verhindern.
// Quelle: Paragliding Academy, bearbeitet
Ein aktueller Trend des Gleitschirmbaus heißt: Auch im Sektor der A-Schirme sind Modelle mit verbesserter Leistung gefragt. Allerdings gibt es in dieser Schirmklasse ein Problem. A-Schirme werden typischerweise mit einer niedrigen Zellenzahl und somit relativ großen Zellen gebaut. Zudem ist die Querspannung der Schirme im Vergleich zu höherklassigen Modellen reduziert, um ein softeres Klappverhalten zu erreichen. Wenn dann allerdings noch in den Beschleuniger getreten und die Front nach unten gezogen wird, kann sich die Segelspannung an der Eintrittskante weiter verringern, während die Geschwindigkeit ansteigt. Daraus resultiert ein störender Effekt: Der lose gespannte Stoff des Segels beginnt an der Eintrittskante zu flattern. Und das ist ein echter Leistungskiller für den beschleunigten Flug.

Um das zu verhindern, könnte man die Zellenzahl erhöhen und auch die Segelspannung steigern, wobei man damit schnell an die Grenzen der A-Klasse stoßen kann. Ozone ist bei seinem neuen EN-A-Schirm Mojo 6 einen anderen Weg gegangen. Die Zellenzahl wurde wie beim Vorgänger bei 40 belassen. Doch an der Eintrittskante zeigt sich nun ein feines Detail: Dort ist unten jeweils ein schmales Querband aus normalem Gleitschirmstoff eingenäht, das in einem rechten Winkel zum Untersegel sitzt. Mit dieser Ausrichtung soll es laut Angaben von Ozone das Auf- und Abschlagen (Flattern) des Untersegels mechanisch sehr effektiv verhindern. Zugleich wird der Querschnitt der Eintrittsöffnungen dadurch so gut wie nicht verkleinert und auch das Füllverhalten des Schirmes nicht nennenswert beeinflusst.

Ähnliche Lösungen zur Reduktion der Flatterneigung eines Untersegels gibt es schon länger. Typischerweise wird dafür das Untersegel an der Eintrittskante einmal umgeschlagen vernäht, so dass es dort doppelt liegt. Es bildet dann eine Art Tasche, die von hinten belüftet wird und so die Eintrittskante stabilisiert. BGD zum Beispiel bewirbt eine solches Feature beim neuen EN-C Cure 2 als "Double Skin Leading Edge".

Die neue Variante von Ozone mit dem senkrecht stehenden Anti-Flatter-Querband dürfte vor allem bei großen Zellquerschnitten mechanisch gesehen die effektivere Flatterbremse darstellen.



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4 Kommentare:

Clemens hat gesagt…

Das Phänomen kenne ich nicht nur von A-Schirmen: Mein Nova Oryx M (Mentor 1 Light) brummt ab Halbgas auch an zwei Stellen gemütlich vor sich hin.

Roman hat gesagt…

'Um das zu verhindern, könnte man die Zellenzahl erhöhen und auch die Segelspannung steigern, wobei man damit schnell an die Grenzen der A-Klasse stoßen kann.'

Ich verstehe diesen Satz nicht so ganz. Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Zellenanzahl die Leistung positiv und den Preis (wegen dem erhöhen Aufwand beim vernähen) negativ beeinflusst. Dass es bei gleicher Streckung, Lastverteilung etc. einen negativen Einfluss auf die LTF-zulassung hat, war mir bisher nicht bewusst.
Wieso soll das so sein? Immerhin gibt es ja z.B. recht prominent den 99zelligen Phantom mit gemäßigtem B oder die neuen A Schirme mit unüblich vielen Zellen von Phi.

Gruß
Roman

Lucian Haas hat gesagt…

@Roman: der Nebensatz mit der Grenze der A-Klasse bezieht sich auf die Segelspannung, nicht die Zahl der Zellen. Eine höhere Spannung an der Eintrittskante kann zu impulsiveren Klappern bzw. zu einem impulsiveren Öffnungsverhalten führen, wodurch der Schirm dann u.U. nicht mehr in die A-Klasse passt.
Eine höhere Zellenzahl kann helfen, einen Flügel zu versteifen, ohne die Spannung erhöhen zu müssen.

Roman hat gesagt…

Jetzt hab ich's kapiert - danke schön :-)