Aerodynamische Armlinge

Im Schnellflug werden die Arme eines Piloten zum aerodynamischen Strömungsdesaster. Der vietnamesische PWC-Pilot Bach Le Hoang geht mit profilierten Armstulpen dagegen vor. 

Die Xuctu-Armlinge werden im Schnellflug automatisch
in ein sauberes Profil gezogen. // Quelle: Bach Le Hoang
Wettbewerbspiloten haben durchaus auch Schwarzen Humor. Wenn manche von ihnen bei Fullspeed im Endanflug noch das letzte Quäntchen Leistung herausholen wollen, dann lassen sie die Bremsen bzw. B-Handles (bei Zweileinern) los und legen die Arme vor der Brust gekreuzt dicht an den Körper, um den Luftwiderstand zu verringern. Coffin-Style, die Sarg-Haltung, nennen sie diese Technik. Und das ist durchaus doppeldeutig. 

Denn zum einen sieht es tatsächlich so aus, als lägen die Piloten in ihren Liegegurtzeugen wie in einem Sarg. Zum anderen beinhaltet dieses Manöver natürlich auch ein gesteigertes Risiko, dass ein möglicher Fullspeed-Klapper außer Kontrolle gerät und die Piloten dann im hölzernen Liegezeug ohne Gurte enden könnten.

Wie auch immer. Der Coffin-Style ist nicht jedermanns Sache, und so ist es nur verständlich, dass sich Piloten ihre Gedanken machen, wie sie auch mit ausgefahrenen, steuerfähigen Armen eine bessere Aerodynamik erreichen könnten.

Die jüngste Idee in diese Richtung stammt aus Vietnam und kommt vom PWC-Piloten Bach Le Hoang. Dieser hatte schon vor geraumer Zeit damit begonnen, die Aerodynamik von Liegegurtzeugen zu pimpen und dafür auch aufwendige Strömungs-Berechnungen durchzuführen (s. auf Lu-Glidz: Pimp den Spoiler). Anfangs ließ er, der Einfachheit halber, die Pilotenarme in seinen Rechenmodellen außen vor. Doch dann fand er Wege, sie mit zu simulieren, und sah mit Erschrecken, wie stark die Arme die geordnete Umströmung des Piloten stören.


Armlinge namens Xuctu

Bach Le machte sich deshalb daran, eine Lösung zu finden. Er entwickelte spezielle Armstulpen, denen er den Namen Xuctu gab und sich sogar mit Copyright schützen ließ. 

Die Xuctu bestehen aus einem winddichten, elastischen Stoff und sind so geschnitten, dass sie von den Händen (dort werden sie von einer Daumenschlaufe gehalten) bis über die Ellenbogen reichen. Im Normalflug hängen sie relativ locker und stören die Steuerbewegungen nicht. Doch sobald der Pilot in den Beschleuniger tritt, werden die Xuctu nach hinten über eine ebenfalls mit dem Beschleuniger verbundenen Zugleine abgespannt. Sie formen dann am Arm ein tropfenartiges aerodynamisches Profil, um das die Luft viel wirbelärmer fließt.

Ob diese Technik in der Praxis tatsächlich so viel bringt, dass Piloten bereit sein werden, den Mehraufwand in Kauf zu nehmen, wird sich zeigen müssen. Immerhin muss das Gurtzeug etwas verändert werden, um die Führung der Xuctu-Leinen zu integrieren. Zudem muss der Pilot beim Anlegen des Gurtzeuges zusätzlich in die Xuctu-Stulpen schlüpfen. Allerdings sind viele Wettbewerbspiloten auch echte Leistungsfetischisten. Und wer kiloweise Ballast auf Berge schleppt, um vielleicht 1 km/h Geschwindigkeitsvorteil zu erzielen, wird sich unter Umständen auch für angeleinte Aero-Armstulpen begeistern können. 

Ganz neu ist die Idee mit den Armprofilen übrigens nicht. Beim PWC Superfinale 2018 war Maxime Pinot testweise mit dauerhaft profilierten Unterarmmanschetten unterwegs (s. auf Lu-Glidz: Die neue Schlüpfrigkeit beim PWC). Allerdings hat sich zumindest diese Variante im Feld der Wettbewerbspiloten nicht durchgesetzt. 

Die Xuctu bieten da zumindest den Vorteil, nur im Schnellflug aufgespannt zu werden und beim Thermikflug kein größeres Sichthindernis darzustellen. Zudem sieht ihr Profil, zumindest vom Augenschein her, viel sauberer aus.

Bach Le Hoang hat auf Youtube ein Video veröffentlicht, in dem er die Xuctu im Flug demonstriert. Dabei ist zu sehen, wie die Stulpen beim Beschleunigen aufgespannt werden und im Trimmflug locker am Arm hängen. 


5 Kommentare:

Martin hat gesagt…

"Wenn manche von ihnen bei Fullspeed im Endanflug noch das letzte Quäntchen Leistung herausholen wollen, dann lassen sie die Bremsen bzw. B-Handles (bei Zweileinern) los und legen die Arme vor der Brust gekreuzt dicht an den Körper, um den Luftwiderstand zu verringern. "
Und die Augen machen sie dabei auch noch zu, damit die Wimpern keine Wirbel erzeugen...
Ganz schön viel Fantasie...

dbrgn hat gesagt…

Inwiefern kann man eine Idee mit Copyright schützen? Ideen sind nicht vom Urheberrecht abgedeckt, nur Werke. Namen kann man ebenfalls nicht mit Copyright schützen.

Vielleicht ist damit ein Patent oder eine Wortmarke gemeint?

Danilo, Rapperswil CH

Lucian Haas hat gesagt…

@Danilo: Die Bezeichnung "Copyright" hat Bach Le selbst in einem Post verwendet. Ob er damit ein Patent-, einen Gebrauchsmusterschutz oder den Schutz von Xuctu als Wortmarke nach vietnamesischem Recht meint, ist mir nicht bekannt.

Anonym hat gesagt…

im video steht "patent pending" mit einen Antragsnummer. Da ist wohl einfach etwas falsch übersetzt worden.

Dalek Sander hat gesagt…

„Copyright“ sorgt bei uns in .de immer wieder für Missverständnisse. Als deutsche Übersetzung von Copyright trifft ja am ehesten der Begriff „Urheberrechte“ zu. In Deutschland, und allgemein in Mitteleuropa, sind die Urheberrechte an die Person des Verfassers (also einer bzw.. mehrerer natürlichen Person/en) gebunden, somit auch aus Definition und Tradition unveräußerlich. Der Urheber bleibt Urheber mit alle. Rechten – sein Leben lang. Klingt logisch und gut, ist auch beides, andererseits bringt so eine hohe passive Sicherheit mit ausgeprägter Nick- und Rolldämpfung bekanntlich andere Komplikationen mit sich. ;)

Fast überall sonst auf der Welt sieht es anders aus. Gerade in liberalen Gesellschaftsformen kann man als Autor sein Urheberrecht sehr wohl veräußern, logischerweise kann und sollte man es auch schützen – da sind Planung und „aktives Fliegen“ Pflicht. Wie auch immer das der jeweilige Staat handelt, ist ein weltweit einheitliches „Copyright“ rechtlich gesehen ein Mythos. Leider.

Die weiteren Stufen sind auch national unterschiedlich, so etwa das berühmte „patent pending“, das dem deutschen Eintrag ins Geschmacksmusterregister entsprechen oder tatsächlich einen Antrag in dem jeweiligen Patentbüro bedeuten kann.

Im Übrigen lassen sich sehr wohl in D Markennamen schützen – selbst wenn ihnen Trivialbegriffe zugrunde gehen. Versuch mal, eine Gleitschirm-Designfirma zu gründen und sie auf „Montblanc“ zu taufen. ;-)