Neue Marke: Drift Paragliders

Aus Tschechien kommt bald eine neue Gleitschirmmarke. Ein Interview mit Stanislav Klikar, einem der Gründer von Drift Paragliders. 

Ein Prototyp des geplanten High-B-Schirms von Drift.
// Quelle: Drift
Vor einigen Jahren noch glaubten viele Experten, dass der Szene der Gleitschirm-Hersteller eine Konsolidierung bevorstehe. Es würden bald nur noch wenige Top-Marken überleben. In der Praxis hat sich das bisher aber nicht bewahrheitet. Im Gegenteil.  Es drängen immer wieder mal noch neue Marken auf den Markt. Häufig sind es ehemalige Mitarbeiter etablierter Hersteller, die darauf setzen, mit einer eigenen Firma ihren Traum von Freiheit zu leben und Schirme so zu bauen, wie sie es sich vorstellen.

Ein solcher Fall ist Drift Paragliders. Stanislav Klikar and Kryštof Klimpar, die viele Jahre beim tschechischen Hersteller Axis Paragliders arbeiteten, sind dabei, ihre eigene Marke aufzubauen. Anfang 2021 sollen die ersten zwei Modelle von Drift in der EN-B-Klasse erscheinen. Im Interview erzählt Stanislav Klikar, selbst Konstrukteur und Testpilot,  ein wenig über die Hintergründe.


Stanislav, wie bist Du auf die Idee gekommen, Drift Paragliders zu gründen?
Stanislav Klikar: Das war ziemlich spontan, aber irgendwie auch logisch. Ich habe im Alter von 15 Jahren mit dem Gleitschirmfliegen begonnen, also vor 18 Jahren. Nach dem Studium habe ich mich mehr für den Bau von Schirmen interessiert und als Testpilot und Assistent des Konstrukteurs bei einer tschechischen Gleitschirmmarke gearbeitet. Ende 2019 habe ich nach zehn Jahren eine Entwicklungspause eingelegt, aber dabei festgestellt, dass ich die Aufregung und den Spaß an der Konstruktion von Prototypen vermisse. Zufälligerweise verließen in dieser Zeit mehrere Schlüsselpersonen den Betrieb. Sie wollten aber weiterhin Gleitschirme entwickeln. Also beschlossen wir, uns den Traum einer eigenen Firma zu erfüllen. Wir nannten sie Drift.

Stanislav Klikar und Kryštof Klimpar sind die
Köpfe hinter Drift Paragliders. // Quelle: Drift
Braucht die Welt wirklich noch eine weitere Gleitschirm-Marke?
Stanislav Klikar: Alte Firmen geben auf und neue gehen mit frischem Enthusiasmus an den Start. Ich glaube, dass sich unsere Freude an der Entwicklung auch auf die Piloten überträgt, die unsere Produkte testen werden. Wir können sie glücklich machen.

Was wird das Besondere an Drift Paragliders sein? Habt Ihr herausragende Ideen, die eure Gleitschirme von anderen unterscheiden werden?
Stanislav Klikar: Unsere Schirme werden modernste Konstruktionsweisen aufweisen. Zum Beispiel ein dreifaches 3D-Shaping, eine optimierte Profilnase, die wir "Beak" (deutsch: Schnabel) nennen, dazu Miniribs und ein gewichtsoptimiertes Innenleben. Aber das ist mehr oder weniger Standard. Unsere EN-B-Prototypen zeichnen sich durch überdurchschnittliche Kompaktheit und sehr gute Regeneration nach Klappern aus. Die Tragegurte haben ein B-C-Steuersystem zur Anstellwinkelkontrolle im Speed. Aber ein zentraler Unterschied zu anderen Marken wird sein, dass wir komplett in Europa und mit europäischen Lieferanten produzieren lassen, so dass wir jedes Stück von der Bestellung bis zum Versand unter unserer Kontrolle haben. Wir setzen jetzt auch nicht auf die schnelle Massenproduktion. Vielmehr wollen wir die lokale Fertigung schrittweise modernisieren und rationalisieren, um Mitarbeiter und Kunden mit einem qualitätsvollen Service zufrieden zu stellen.

Wo siehst Du die Stärken von Drift?
Stanislav Klikar: Es ist ein großer Vorteil, wenn Konstruieren und Testen in einer Hand liegen. Ich kann dann ganzheitlicher über den Schirm nachdenken. Außerdem ist es so nicht gleich notwendig, mehr Leute einzustellen. Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass wir bald in der Lage sein werden, unsere Schirme selbst herzustellen. Damit sind wir nicht mehr von Asien abhängig. 

Wird Drift auch den Markt in Deutschland, Österreich und der Schweiz ins Visier nehmen?
Stanislav Klikar: Wir werden unsere Schirme auf alle Fälle gemäß EN- und LTF-Normen zertifizieren lassen. So besteht die Hoffnung, auf den Markt der deutschsprachigen Länder zu kommen. Ich vermute aber, dass es einen längeren Atem braucht, um die Aufmerksamkeit von Piloten zu bekommen, die sonst gewohnt sind, etablierte Marken zu kaufen. Ich hoffe, dass wir viele Piloten überzeugen können, wenn wir die Drift-Schirme bei Testivals wie in Kössen oder Stubai präsentieren.

Das Logo von Drift Paragliders
Wo werdet ihr die Drift-Schirme produzieren?
Stanislav Klikar: Die Produktion wird in der Stadt Brno (Brünn) sein. Wir sind gerade dabei, dort eine Näherei einzurichten und auszustatten, damit wir nach der Zertifizierung in Serie produzieren können. Die ersten Prototypen haben wir noch im typischen Garagenstil genäht. Aber in ein paar Monaten werden wir alles Notwendige für die professionelle Produktion parat haben.

Was werden Eure ersten Schirme sein, wann kommen sie auf den Markt?
Stanislav Klikar: Das erste Modell wird ein Low-B mit einer Streckung von 5,3 sein. Die Zertifizierung ist bei Para-Test schon vorgemerkt für Januar oder Februar. Er wird Carancho heißen, wie der südamerikanische Raubvogel. Das Design der Drift-Schirme wird auch die Silhouette eines Raubvogels auf dem Obersegel zeigen. Als zweites Schirmmodell folgt dann noch ein High-B mit Streckung 5,8. Mit den Prototypen sind wir auch schon sehr zufrieden. Wir planen derzeit die Fertigstellung im April oder Mai 2021.

Was sollte man noch über Drift wissen?
Stanislav Klikar: Nunja, Du solltest keinen raketenartigen Start unserer Firma erwarten. Unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht unbegrenzt. Vielmehr wird es ähnlich sein wie beim Start eines Gleitschirmes: Man kann sich nie sicher sein, ob man Thermik findet. Aber das ist wohl bei allen Unternehmen so, wenn man bei Null anfängt. Richtig überzeugt, auf diesen Weg zu setzen, haben uns die wirklich ansprechenden Prototypen. Es wäre schade, sie nicht mit der Welt zu teilen.


Links zu Drift Paragliders: Website (noch im Aufbau) | Facebook 

1 Kommentare:

Patrick Schmidt (Köln) hat gesagt…

Toll, dass es noch neue Firma gibt, die auf Europäische Produktion setzt. Ich wünsche viel Erfolg.