Neue Marke: Vril-Wings

Ein Singleskin als Speedflyer oder alles nur Science-Fiction? Johannes Tschofen setzt mit seiner Marke Vril-Wings auf neue Schirmkonzepte als interessante Crossover-Varianten. 

The Thing Between – der Vrilone soll das Fliegen nach dem Hiken pfeffern oder
das Speedflying familientauglich machen. // Quelle: Vril-Wings

Der Österreicher Johannes Tschofen ist seit Jahren Testpilot für Skyman und Independence. Dass er nun parallel dazu mit Vril-Wings auch noch eine eigene Marke lanciert, war nicht unbedingt geplant. Aber manchmal wachsen Projekte aus Launen heraus. Und die Laune von Johannes machte Sprünge, als er 2019 den ersten Protoypen eines etwas anderen Single-Skin-Konzeptes von Skyman-Konstrukteur Anupe testete. Er erzählt:

"Ich arbeite mittlerweile schon seit 13 Jahren mit Anupe und der Firma Skysport in Sri Lanka zusammen. Ende Winter 2019 kam bei mir ein neuer Prototyp an, voll pink und nur zwölf Quadratmeter groß. Ich wusste, dass es sich um eine totale Neuentwicklung handelte. Breitere Zellen, kein Ballooning im Eintrittskantenbereich und Kappenspannungen eines RC-Schirmes (Anmerkung: ferngesteuerter Modellbau-Gleitschirm). Also gleich mehrere Neuheiten auf einmal. Ich war dementsprechend etwas nervös beim Erstflug. Doch diese Nervosität wandelte sich nach den ersten Kurven in pure Euphorie. Die Gleitleistung und der Flugspaß waren für mich neu für einen 12 m² Singleskin. Diese Euphorie wurde auch von Markus Gründhammer und meinen fliegenden Ski Freeride Kollegen geteilt, die sofort ein paar neue Abfahrten befuhren. Und als es mit den Skiern nicht mehr weiter ging, flogen sie große Distanzen zurück zur Talstation, um die nächste Runde zu starten. Keiner wollte mir den Schirm zurückgeben. Alle wollten ihn behalten. Da wusste ich umso mehr: Das Teil fliegt geil!" 

Die Firma Flymarket, zu der Skyman und Independence als Marken gehören, sah zu jenem Zeitpunkt keinen Markt für derart kleine Singleskins. Johannes aber war überzeugt. Er nahm die Sache selbst in die Hand, finanzierte die Entwicklung weiterer Prototypen und tüftelte mit seinen Freunden und Anupe an den Details.

Das Vril-Logo wurde auch
von Anupe entwickelt.
"Anupe – dieser Mann ist Gold wert. Von einer Idee zur Umsetzung und zum fertigen Prototyp vergeht oft nur eine Woche. Neben seinem Talent am Computer ist er auch direkt in der Produktion und hat extremen Überblick über Materialen und Fertigung. Er ist auch selbst Pilot und kommt jedes Jahr ein paar Wochen zu mir ins Montafon zum Fliegen."

2021 soll nun der Vrilone als erster Schirm von Vril-Wings auf den Markt kommen. In 12 und 14 m² Größe aus Dokdo D10-Tuch gefertigt, mit einem Gewicht von 1,1 bzw. 1,2 kg, einer für Singleskins ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit von 45-49 km/h (ohne Trimmer oder Beschleuniger) und einigen besonderen Flugeigenschaften. Vielleicht erwächst daraus eine neue Schirmkategorie. 

"Wir sind ja alle schon Familienväter und verheiratet. Ein großer Vorteil gegenüber vielen Doubleskin- Speedflyern ist neben dem kleinen Packmaß und dem easy Start- und Landeverhalten auch die große passive Sicherheit bei Spiralen, Hookturns usw. Der Vrilone ist deutlich überschaubarer als ein herkömmlicher 12er Speedflyer. Durch sein kleines Packmaß und das geringe Gewicht von nur knapp über einem Kilo bietet er sich auch als Hike-and-Fly Schirm an. Für Piloten, die wenig tragen, aber etwas mehr Pfeffer beim Abgleiten wollen. Oder für Speedrider und wilde Socken, die einen Gang runter schalten wollen. Ich ordne den Schirm zwischen Paragleiten und Speedflyen ein. 'The Thing Between' – das trifft es gut, glaube ich." 


Landing Booster

Der Vrilone ist im Trimm fast 50 km/h schnell.
// Quelle: Vril-Wings
Interessant sind einige bauliche Details: Der Vrilone weist besonders breite "Zellen" auf und ist stärker gespannt als andere Singleskins. Das reduziert zum einen das Ballooning und macht das Profil dünner und schneller. Zum anderen braucht es bei weniger Rippen auch weniger Leinen, um den Schirm abzuspannen. Am Tragegurt gibt es nur eine A- und eine B-Ebene, auch wenn die Galerien an der Kappe noch eine C-, D- und E-Ebene tragen. 

Bisher einzigartig ist eine Entwicklung, die Johannes Tschofen "Landing-Booster" nennt. Singleskins lassen sich normalerweise nicht so gut ausflaren wie klassische Gleitschirme. Die Landungen können zuweilen recht hart ausfallen. Der Vrilone nutzt ein spezielles System, um kurz vor dem Aufsetzen den Auftrieb nochmals deutlich erhöhen zu können. Dafür gibt es eine zusätzliche Verbindung zwischen der Bremse und den davor liegenden Leinen-Ebenen, die allerdings erst ab einer tieferen Bremsstellung progressiv aktiviert wird. 

"Wenn die Verbindungsleine unter Zug kommt, wird jeweils in der Mitte des Schirmes, wo der Hauptauftrieb ist, erst die E-Ebene, dann nach weiteren circa acht Zentimeter Bremsweg die D-Ebene und dann wieder nach acht Zentimetern die C-Ebene mit angestellt. Dies wird durch eine spezielle Aufhängung in diesem Bereich erzielt, bei der man sich auch zwei Stammleinen spart. Mit dieser Lösung sind die Leinen sogar überschaubarer zu sortieren. Beim normalen Fliegen, Wingovern, Spiralen etc. wird der Landing-Booster aber nicht aktiviert."

Der Vertrieb des Vrilone, der nur einen Lasttest aber keine klassische Zertifizierung mit Manövern gemäß der EN-Norm besitzt, soll über Flugschulen laufen.

"Uns ist wichtig, dass der Schirm an die richtigen Piloten weitergegeben wird. Trotz seiner tollen und sicheren Flugeigenschaften ist der Vrilone kein Anfängerschirm. Für Piloten mit Miniwing-Erfahrung oder Acro-Piloten sollte es ein leichtes sein, ein Vrilone zu fliegen. Für Aufsteiger aus dem herkömmlichen Gleitschirmbereich ist je nach Erfahrung eine Einschätzung eines Fluglehrers und eine Einschulung zu empfehlen."

Bleibt zuguterletzt noch die Frage, wie Johannes Tschofen auf den Markennamen "Vril" kam.

"Vril steht für die Urkraft, die Lebensenergie die alles durchströmt. In Indien heißt sie Prana, in China ist es das Chi, auf Hawaii spricht man von Oro und in Star Wars geht es um 'Die Macht'. Der Begriff Vril wurde vom Roman-Autor Edward Bulwer-Lytton geprägt. Sein 1871 erschienenes Werk 'The Coming Race' gilt als der erste Science-Fiction-Roman. In dieser Geschichte haben die friedlichen, hoch entwickelten Einwohner Flügel, die sie sich umschnallen. Und dann können sie mit Hilfe der Vril-Energie fliegen. Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, und deshalb der Name Vril-Wings."



4 Kommentare:

bilder 2011 hat gesagt…

Wenn nicht jetzt wann dann. Alles richtig gemacht jo. Die Zeichen der Zeit zu erkennen und danach zu handeln ist eine Gabe die nicht jeder hat. Ich wünsch dir den verdienten Erfolg.

Marcel Burkard hat gesagt…

interessant! meine erste Assoziation zum Namen ist bei mir "Vrille" ;-D

Gerhard Hüller hat gesagt…

Schon wieder "Made in Asia" :(

Jochen hat gesagt…

@Gerhard: Schon wieder Chickenwings bei Aldi! Aber da meckert keiner.

Keiner will die kosten für die Fertigung in Europa übernehmen, geschweige denn in Deutschland