#FZC (43): DHV prüft online

Wegen der corona-bedingten Kontaktbeschränkungen können Theorieprüfungen in Deutschland ab sofort aus der Ferne online absolviert werden. Auch zu Hause gilt: The Prüfer is watching you. 

So stellt sich der DHV die ideale Position der 
Anti-Schummel-Überwachungskamera für Online-
Theorieprüfungen vor. // Quelle: Public Domain, DHV
Der DHV hat ein Konzept entwickelt und sich vom Luftfahrtbundesamt absegnen lassen, wie nicht nur der Theorieunterricht zum A- und B-Schein online abgehalten werden kann, sondern nun auch die zugehörigen Prüfungen. Die entsprechende Sonderregelung ist erst einmal bis Ende des Jahres befristet, könnte aber schon früher ausgesetzt oder auch verlängert werden – je nach weiterem Verlauf der Corona-Pandemie und den zugehörigen Regelungen zu den  Kontaktbeschränkungen.

Für die Online-Theorieprüfung muss ein Flugschüler mit seiner Flugschule einen Prüftermin vereinbaren und diese wiederum einen Prüfer bestellen. Wobei der Prüfer auch nur im Home-Office sitzt und online aus der Ferne kontrolliert, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Das technische Verfahren dazu ist nicht ganz simpel. Es verlangt vom Prüfling den Einsatz von zwei Geräten im gleichen WLAN-Netz: Zum einen entweder Desktop oder Notebook, über den via DHV-Serviceportal im Internet spezielle Prüfungsseiten aufgerufen und direkt am Rechner bearbeitet werden können. Zum anderen muss der Prüfling im Raum auch noch ein Smartphone so platzieren, dass die Handykamera  den gesamten Arbeitsplatz während der Prüfung komplett erfasst. Über eine spezielle App wird die Kamera des Smartphones dabei als Webcam eingebunden; und zwar so, dass der Prüfer dieses Bild per Zoom-Videoschalte im Blick behalten kann. Anders gesagt: Im Endeffekt sitzt der Prüfling in einem Raum mit selbst installierter Anti-Schummel-Überwachungskamera. The Prüfer is watching you.

Sollte es während der Prüfung zu technischen Ausfällen kommen, kann die Prüfung dadurch auch ungültig werden – etwa wenn zum Beispiel ein Ausfall der Kamera zu lange dauert und der Prüfer vom Hergang her den Verdacht hegen muss, der Schüler hätte diese unbeobachtete Situation zu seinem Vorteil genutzt.

Das genaue Vorgehen bei den Prüfungen ist auf den Webseiten des DHV beschrieben. Die ersten Prüfungen sollen schon in diesen Tagen stattfinden. Auf Basis der dabei gemachten Erfahrungen könnten die technischen Abläufe bei Bedarf auch noch angepasst werden.


Hinweis: Der Hashtag #FZC steht für "Fliegen in Zeiten von Corona". Unter diesem Kürzel erscheinen auf Lu-Glidz Texte über die für die Gleitschirmszene relevanten Auswirkungen der Corona-Pandemie. 

3 Kommentare:

Sepp hat gesagt…

Perfekte Symbiose aus modernster Prüfungstechnik und hoffnungslos veralteten Prüfungsfragen.

Dalek Sander hat gesagt…

@ Sepp, welche Prüfungsfragen sollten „komplett veraltet“ sein? Zu welchem Schein? A? B?

Sepp hat gesagt…

Wann hast du zum letzten Mal Koordinaten mit einer Papierkarte abgeglichen, oder mit einem Geodreieck konstruiert, ob du safe über irgendeine CTR fliegen kannst? 1998? Wann warst du zum letzten Mal in der Situation, Knoten in km/h umrechnen zu müssen, ohne die Antwort in der Hosentasche zu haben?

Dass jetzt gleich Boomer kommen, die das für überlebenswichtige Skills halten, ändert nichts daran, dass man sie heute de facto nicht mehr braucht. Wichtig ist nur, sie bei Bedarf nachschlagen zu können.

Hinzu kommt noch, dass das Format der Prüfung selbst diese veralteten Skills nicht wirklich abprüft, da die Antworten auf Such- und Rechenaufgaben einfach auswendiggelernt werden, wie der Rest. Es ist ja schließlich nicht so, dass man die Werte in einer Online-Prüfung zufallsgenerieren könnte...

Die Theorieprüfungen sind für mich ein Nachweis der Fähigkeit, einen Fragenkatalog auswendig zu lernen. Könnte man in der aktuellen Form gleich bleiben lassen.