Starten wie die Insekten

Welcher Käfer-Starttyp bist Du? Der Biologe Dr. Adrian Smith filmt den Start von Insekten mit einer High-Speed-Kamera. Es sind beeindruckende Videos faszinierender Flugkünstler. 

Ein Rüsselkäfer beim Start.
// Quelle: Adrian Smith, Ant Lab
Manchmal lohnt es sich als Flieger über den Tellerrand der eigenen Szene hinaus zu blicken, um von anderen zu lernen oder sich einfach nur beeindrucken zu lassen. Zum Beispiel von Insekten. Diese kleinen Kreaturen waren vermutlich die ersten im Zuge der Evolution, die es schafften, in die Luft zu gehen. Und so haben sie auch die unterschiedlichsten Flugkünste entwickelt.

Allein in puncto Starttechnik findet man im Insektenreich diverseste Varianten. Manche pumpen ihren nahezu starrem Körper einfach per mächtigem Flügelschlag senkrecht nach oben. Andere springen mit kräftigen Hinterbeinen in die Luft, um erst in einigem Abstand zum Boden überhaupt die Flügel auszubreiten. Es gibt Fliegen, die zum Starten in deutliche Vorlage gehen. Andere katapultieren sich gewissermaßen rückwärts in die Luft und fliegen dann sogar eine Weile in Rückenlage. 

Wer sich mal ein bisschen die Zeit vertreiben und ein paar Wunder der Natur bestaunen will, der sollte sich die Videos von Dr. Adrian Smith anschauen. Der ist Biologe am Naturkundemuseum von North Carolina und hat eine ganz besondere Leidenschaft: Er filmt die unterschiedlichsten Insekten beim Start – und zwar mit einer High-Speed-Kamera, die 3500 Bilder pro Sekunde liefert. In diesen faszinierenden Slow-Motion-Videos wird jeder Bein- und Flügelschlag erkennbar. Und er rückt mit seiner Linse so nah an die kleinen Kreaturen heran, dass man sie zwangsläufig als echte Flieger-Charaktere wahrnimmt und sich gleich vergleichend fragt: Welcher Insekten-Starttyp wäre ich wohl?

Smith hat einen eigenen Youtube-Kanal, der nicht nur diese Startvideos von Insekten enthält. Zum hier genannten Thema gehören dort die Videos Insect Flight und Insects in Flight. Empfehlenswert ist auch Smiths Instragram-Präsenz, auf der eine noch größere Auswahl von kurzen Startsequenzen der unterschiedlichsten Insekten zu finden ist.


Eine Besonderheit des Schmetterlingsflugs

Der Flügelschlag der
Schmetterlinge presst
die Luft nach hinten
heraus. // Quelle:
L.C.Johansson
Und wenn wir schon mal beim Thema Insektenflug sind, hier noch eine andere interessante Erkenntnis. Schwedische Forscher haben kürzlich die Aerodynamik des Schmetterlingsflugs genauer untersucht. Vor allem ging es ihnen um die Frage, warum viele Schmetterlinge während der ersten Flügelschläge nach dem Start ihre großen Flügel bei der nach oben gerichteten Schlagbewegung bis in nahezu senkrechte Position bringen und dort schwungvoll aneinander schlagen lassen. Aerodynamisch macht das auf den ersten Blick keinen Sinn.

In der Natur hat aber irgendwie doch alles seine Berechtigung. Die Forscher fanden heraus, dass dieses Aneinanderklatschen der Flügel durchaus eine wichtige Funktion erfüllt. Denn die Flügel treffen erst an der Vorderkante aufeinander, während die flexiblere Flügelfläche verzögert nachkommt. Dabei wird die Luft zwischen den Flügeln komprimiert und mit Schwung nach hinten heraus gepresst. Dieser Teil des Flügelschlags erzeugt zwar keinen Auftrieb, liefert aber nach dem Rückstoßprinzip einiges an Vortrieb.


Hier noch die oben genannten Videos von Adrian Smith zum Insektenflug:




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