Der 600-km-Fabelweltrekord

Sebastien Kayrouz hat Gleitschirmgeschichte geschrieben: Er ist in Texas erstmals mehr als 600 Kilometer weit geflogen – mit einem Schnitt von über 56 km/h. 

Die Flugdaten von Sebastien Kayrouz laut Livetracking und das zugehörige Satellitenbild des Tages
mit eingezeichneter Route. // Quelle: Loctome, Skysight

Noch bevor der Track des Fluges als igc-File in irgendwelchen Online-Datenbanken abrufbar ist, hat sich die Kunde dank Livetracking und Social Media in der Szene schon wie ein Lauffeuer verbreitet: Die 600 Kilometer sind gefallen! Und das in besonders eindrücklicher Weise.

(Nachtrag vom 22.6.: Mittlerweile gibt es auch den Track auf XContest)

Der US-Amerikaner Sebastien Kayrouz ist am 19. Juni irgendwo im Ödland bei Bracketville in Texas an der Winde gestartet und dann mit südlichem Rückenwind fast schnurstracks mit seinem Enzo 3 nach Norden geflogen, um schließlich erst nach fast elf Stunden in der Nähe von Amarillo wieder zu landen. Laut seinem Tracker sollen das 613 Kilometer Luftlinie gewesen sein, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 57 km/h (auf die Luftlinie bezogen).

Sebastien Kayrouz.
// Quelle: FAI, S. Kayrouz
Es wird wie üblich Monate dauern, bis die FAI den Flug als neuen Weltrekord anerkennen dürfte. Doch selbst wenn Sebastien aus irgendwelchen formellen Gründen dieser Titel nicht zugesprochen werden sollte, so ist ihm dennoch ein ruhmreicher Platz in der Gleitschirmgeschichte sicher: als erster Mensch, der mit einem Gleitschirm ohne Motor mehr als 600 km am Stück geflogen ist.

Möglicherweise wird sogar ein multipler Weltrekord daraus. Denn zum einen setzt der Flug sowohl als Luftlinie wie über drei Wendepunkte gerechnet neue Maßstäbe. Zum anderen berichtet Cross Country, dass Sebastien im Vorfeld sogar einen Zielflug über 557 km angemeldet hatte und den gesetzten Punkt auch überflog. Wenn anerkannt, würde auch der Zielflug eine neue offizielle Bestmarke darstellen.

Sebastien hatte für seinen Rekordflug nicht einmal bombastische, sondern einfach nur gute Bedingungen abgepasst: Immerhin gab es frühe Thermik mit schönen Wolkenstraßen, erflogene Basishöhen zwischen 1500 und 2000m und ein konstanter, aber keineswegs "brasilianisch" anmutender Rückenwind. Umso mehr muss man die Pilotenleistung für diesen Flug anerkennen.

Schon im vergangenen Jahr hatte Sebastien Kayrouz zumindest in der US-Fliegerszene für Aufsehen gesorgt. Damals durchbrach er, auch in Texas, erstmals die 500-km-Marke und stellte mit 503 km Luftlinie einen neuen Landesrekord auf (s. auf Lu-Glidz: Neue Flachlandrekorde). Bei jenem Flug war er sogar nicht an der Winde, sondern zu Fuß von einem kleineren Hügel aus gestartet.