Sicherheitsmitteilungen von AlfaCross und Woody Valley werfen Fragen auf. Wie ernst nehmen es die Hersteller mit der Verantwortung?
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| Die Sicherheitsmitteilung schreibt eine bestimmte Ausrichtung der Verschluss-Leinenschlaufe vor. Das Grundproblem ist damit jedoch nicht gebannt. // Quelle: Sicherheitsmitteilung AlfaCross und WV Quadro |
Nun könnte man meinen, dass Hersteller solcher sicherheitsrelevanter Geräte im Sinne des Kundenvertrauens eine Lösung anstreben sollten, die die Möglichkeit des Versagens und der Fehlbedienung fortan so weit wie möglich ausschließt. Soll heißen: Einen Innencontainer so zu konstruieren oder so abzuändern, dass es gar nicht mehr zu einem solchen Verhängen kommen kann.
Im oben genannten Fall wäre das zum Beispiel möglich gewesen, indem die Ecken der Verschlusslaschen so abgerundet werden, dass die Leinen kein überstehendes Material mehr finden, mit dem sie sich verschlaufen können. Das würde freilich eine große Rückrufaktion erfordern. Hunderte neuer Innencontainer müssten hergestellt oder die bestehenden überarbeitet werden. Ein kostspieliges Unterfangen.
Die billigste, nicht die beste Lösung
In diesem Fall wurde deshalb wohl die einfachste und billigste Lösung gewählt: Man schreibt dem Nutzer per Sicherheitsmitteilung und neuer Bedienungsanleitung einfach nur vor, dass er beim Verschließen des Innencontainers darauf zu achten habe, dass die Verschlussschlaufe von der Ecke weg zeigt (s. Foto, grüner Haken). In dieser Ausrichtung sollten sich die Leinen nicht mehr verfangen können.
Leider ist das grundsätzliche Risiko damit keinesfalls gebannt, sondern nur in den Verantwortungsbereich des Nutzers geschoben. Die Möglichkeit, dass dieser im Eifer des Retter-Packens vielleicht mal nicht auf die korrekte Ausrichtung der Schlaufe achtet, bleibt bestehen. Genauso ist nicht auszuschließen, dass die einmal korrekt gelegte Schlaufe sich später, vielleicht auch erst beim wirbelnden Retterwurf, doch noch in die falsche, "verhängnisvolle" Richtung dreht.
Gerade in der Luftfahrt und bei Geräten, an denen das Leben hängt, sollten Lösungen möglichst fail-safe sein, also "sicher trotz Fehler". Denn es gilt noch immer Murphys Gesetz: Wenn etwas schief gehen kann, geht es auch mal schief. Einfach nur eine Schlaufenausrichtung vorzuschreiben und dann zu hoffen, dass alle Beteiligten – vom Packer bis zur eigentlichen Leinenschlaufe – sich in der Praxis auch daran halten werden, zeugt nicht gerade von ernst genommener Herstellerverantwortung.
Vor zwei Jahren hatte Skywalk eine Sicherheitsmitteilung zu seinem Leichtretter Tapa X-Alps veröffentlicht. Bei diesem gab es eine ganz ähnliche Problematik mit dem Innencontainer und den überstehenden Ecken der Verschlusslaschen. Skywalk hatte das damals gelöst, indem die überstehenden Ecken einfach abgeschnitten werden mussten.
Bei den Innencontainern von AlfaCross und WV Quadro wäre das im Grunde auch möglich, wenn auch im Ergebnis optisch unschön. Denn anders als beim Tapa-Innencontainer sind bei ihnen die Ränder der Verschlussblätter mit einem Einfassband umnäht. Schneidet man dieses durch, müsste man es an den nun offenen Enden mit ein paar Nahtstichen sichern. So etwas den Handarbeitsfähigkeiten der Nutzer zu überlassen, wäre wohl fahrlässig. Aber gilt das für die simple Vorgabe der Schlaufenausrichtung zur Risikominderung nicht auch?

8 Kommentare
Im Wesentlichen sagt die Sicherheitsmitteilung, dass die Reihenfolge der Containerblätter beim Schließen so zu ändern ist, dass die vormals aussen liegende breite Lasche nun nach ganz innen zu liegen kommt.
AntwortenLöschenAnscheinend war hauptsächlich diese breite Lasche anfällig dafür, von einer Leinenschlaufe durch den Verschlussgummi gezogen zu werden.
Dass sich der Hersteller Woody Valley auf eine unverständliche Sicherheitsmitteilung zurückzieht und auch mit der aufkommenden öffentlichen Diskussion keine Anstalten macht das Problem ausführlicher zu erklären, wirft kein gutes Licht auf den Umgang der Firma mit Sicherheitsprobemen.
Leider sind da die zwei genannten Vertriebe , respektiver der eine Hersteller nicht der einzige mit dem Problem! Grosse Hersteller werden seit Jahren darauf hingewiesen das es gefährliche Abläufe bei ihren Innencontainer gibt, Reaktionen = Null
AntwortenLöschenHallo Sam, kannst du die gefährichen Abläufe hier benennen? Möchte gerne prüfen, ob ich (und andere) auch betroffen wäre. Danke.
LöschenSchon spannend, im Maschinen und Anlagenbau sind Produkte so zu Konstruieren, dass selbst bei Verwendung durch den DAU (Dümmst-anzunehmender User) kein Schaden an Mensch und Umgebung entsteht. Hier hängen wir unser Leben dran und den Hersteller kümmert’s scheinbar nicht wirklich…
AntwortenLöschenIch hatte so einen ähnlichen Fall mit der Targetcross. Der kam original Verpackt und die Tuchecke war in den Gummi gezogen. Habe es zum Glück gesehen und eine Testöffnung gemacht, Retter ging nicht auf...
AntwortenLöschenDanke Lucian für deine Berichte. Kurios am letzten Bild mirt der Richtungist, dass sich das Einschlaufen zwar so machen lässt aber die Schlaufe beim Einbau /Nutzung dann aber leicht verdrehen kann ... Finde es eigentlich fahrlässig ....
AntwortenLöschenIch verstehe nicht warum die innere Lasche zuerst verschlossen werden muss .
LöschenWenn man zuerst die beiden Ecken durchschlauft und dann die innere Klappe darüber verschließt kommen die Ecken an denen jetzt der Leinenloop hängen blieb überhaupt nicht mehr ins Spiel und stellen so kein Problem mehr dar
@Richy: Die Sicherheitsmitteilung ist in diesem Punkt missverständlich. Die Bilder lassen vermuten, dass das Problem in der Laschenecke steckt. Tatsächlich war beim Verhängen, das zur Sicherheitsmitteilung geführt hat, die Innenlasche betroffen. Deshalb wurde die Verschlussreihenfolge geändert. Ob nun mit der Laschenecke nicht ein neues Problem oben liegt, bleibt dahingestellt. Der Hinweis auf die Ausrichtung der Leinenlasche zeigt ja, dass da zumindest ein potenzielles Problem liegt.
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