EM ohne Frankreich +++ Burnair Live-Höhenwind +++ Profly Kinetic +++ XContest beschränkt Filter  +++ 300 km im Jura

// Quelle: FFVL

+++ Die Gleitschirm-EM in Mazedonien im August wird ohne Frankreich stattfinden. Der französische Verband FFVL hat entschieden, kein nationales Team zur Europameisterschaft und Junioren-Europameisterschaft im August in Mazedonien zu entsenden. "Wir haben ernsthafte Zweifel an der Wirksamkeit der Rettungskette im Falle eines schweren Unfalls sowie an der tatsächlichen Durchführbarkeit eines Such- und Rettungseinsatzes mit Hubschraubern", heißt in einem Statement auf der Website der FFVL. Und weiter: "Wir hoffen, dass diese Entscheidung zur Verbesserung der internationalen Struktur des Paragliding und Drachenfliegens auf Elite-Niveau beitragen wird – ein Ziel, das wir kontinuierlich verfolgen und das auf der Einhaltung klarer, transparenter und gemeinsam erarbeiteter Vorgaben beruht, die sowohl sportliche als auch sicherheitstechnische Standards abdecken." Offenbar waren die örtlichen Veranstalter nicht bereit oder fähig, die Einhaltung gewisser Sicherheitsanforderungen wie vom FFVL gefordert schriftlich zuzusichern.
Der Boykott hat eine doppelte Brisanz: Zum einen dominieren die Franzosen seit Jahren solche Wettbewerbe. Ihr Rückzug stellt auf sportlicher Ebene eine Entwertung der EM dar. Zum anderen wirft der Vorgang auch die Frage auf, wie andere Länder reagieren bzw. welche geringeren Sicherheitsanforderungen sie bereit sind für ihre Piloten zu akzeptieren.
Zum Hintergrund: In Frankreich gibt es seit dem tödlichen Unfall von Timo Leonetti vor zwei Jahren eine anhaltende Diskussion darüber, wie sich die Sicherheit von Gleitschirmwettbewerben erhöhen lässt. Dahinter steht auch Druck des Sportministeriums, das die Spitzenpilotinnen und -piloten des Landes als Elitesportler finanziell fördert. +++

Live-Höhenwind // Burnair

+++ Burnair hat einen interessanten neuen Datenlayer auf der Burnair-Map eingeführt: Live-Höhenwind. Bisher gab es dort schon Live-Windwerte, die von Bodenstationen stammen. Den Live-Höhenwind leitet Burnair aus Flugspuren im Livetracking ab. Sobald Piloten in einer Thermik kreisen, errechnet Burnair aus dem Versatz den Wind in der entsprechenden Höhe und stellt ihn dann bezogen auf Höhenstufen dar, die auch in den Windprognosen wählbar sind: also 1000, 1500, 2000, 2500, 3000m, etc. Die angezeigten Windpfeile sind im Burnair-Schema farbcodiert, wobei das Innere den mittleren Wind, der Rand die Höchstwerte zeigt. Die Daten werden alle zwei Minuten geupdatet. Klickt man auf einen Windpfeil, bekommt man auch angezeigt, wie gut der Live-Höhenwind mit dem für diese Zeit prognostizierten Höhenwind für diesen Ort übereinstimmt. Je größer die Flugaktivität an einem thermischen Tag, desto flächiger kann man aus den Live-Werten auch die tatsächliche Höhenwindsituation erkennen. Um den Live-Höhenwind  Layer zu nutzen, benötigt man kein Burnair-Abo. +++ 

Kinetic // Profly

+++ Michael Nesler hat für seine Marke Profly erstmals ein Liegegurtzeug entwickelt. Das Kinetic setzt viele der Anforderungen um, die Nesler seit Jahren für Gurtzeuge predigt (s. Buchtipp: The Missing Link): Darunter Pilotenposition genau im Schwerpunkt, Sitzbrett statt Hängematte, Beingurte statt Getup-System, keine Kreuzverspannung, einstellbares ABS, im Notfall leicht zu öffnende Cobra-Schnallen, aufrechte Sitzposition, etc. Das Kinetic hat einen Beinsack mit Magnetverschluss, einen stützenden Nitinol-Rahmen im Rücken und ein aerodynamisches Bürzel im Heck. Es gibt zwei Protektorvarianten (aufblasbar oder Schaumstoff). Das Gewicht liegt, je nach Größe, um die 3 kg. Interessant für besonders leichte PilotInnen: In ein paar Monaten soll es das Kinetic auch in einer besonders kleinen Ausführung für Körpergrößen zwischen 150 und 165 cm geben. +++ 

+++ Die beliebte Flugdatenbank XContest bietet eine ihrer wertvollsten Funktionen, den lokalen Flugfilter (Worldwide Flights Search), neuerdings nur noch stark eingeschränkt an: Wählt man auf der Karte eine Flugregion aus, bekommt man standardmäßig nur noch jeweils die 150 punktbesten Flüge in einer Liste angezeigt – oder die 150 schlechtesten, wenn man die Reihenfolge umkehrt. Alles andere bleibt ausgeblendet. Man kann also nicht mehr so einfach nach allen möglichen Flügen schauen, um beispielhaft zu sehen, wie ein Gelände auch von Piloten mit durchschnittlichen XC-Ansprüchen beflogen wird. XContest verliert damit viel an Wert als Quelle, um regionale Start- bzw. Flugmöglichkeiten zu analysieren. Auch der Vergleich eines eigenen Fluges mit ähnlichen Flügen anderer Piloten an anderen Tagen wird erschwert. XContest begründet die Umstellung zum einen mit Server-Kosten, zum anderen damit, dass immer öfter automatisiert und massenhaft Flugdaten von der Plattform von XContest abgegriffen wurden. +++

300 km im Jura // XContest

+++ Sebastian Benz ist am 27. Juni ein außergewöhnlicher Flug im Schweizer Jura gelungen. Nach Start an der Obere Wengi ritt er große Teile des Jura-Bogens nach Süden ab und wieder zurück. Am Ende kam er auf 303 km, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35 km/h. Solche Distanzen im Jura mit dem Gleitschirm zu fliegen galt bisher als kaum realisierbar – zumal nicht an heißen Hochdrucktagen mit entsprechend stabilen Verhältnissen und später Auslöse. In seiner Flugbeschreibung im XContest lüftet Sebastian das Geheimnis, warum es gerade bei solchen Bedingungen doch gehen kann: Offenbar bildet sich dann über dem Jura eine gut nutzbare Konvergenz, die mit Basishöhen bis über 3000 Meter entsprechend hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten ermöglicht. +++  


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