Im Gleitschirmsport hat sich das, was wir als akzeptables Risiko ansehen, schleichend verschoben. Ein Gastbeitrag von Marcel Dürr
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| Fliegen bei Gewitterlage. So hat Marcel Dürr seinen Original-Post auf Facebook illustriert. // Quelle: Marcel Dürr |
Marcel ist aber auch ein professioneller Linien-Pilot, der die strikten, sicherheitsorientierten Entscheidungsregeln der "großen" Fliegerei verinnerlicht hat. Aus diesem Blickwinkel heraus reibt er sich immer häufiger verwundert die Augen, bei welchen Bedingungen Gleitschirmflieger noch weitgehend unbekümmert in die Luft gehen – und dabei offensichtlich zunehmend mehr Risiken akzeptieren.
In einem viel beachteten Post auf Facebook hat sich Marcel Gedanken darüber gemacht und Fragen aufgeworfen, was diesen Trend wohl antreibt.
Da auch ich solche Diskurse als sehr wichtig für die Gleitschirmszene erachte, habe ich Marcel um Erlaubnis gebeten, den Text als Gastbeitrag auf Lu-Glidz veröffentlichen zu dürfen. Die Diskussion mit Euren Anmerkungen dazu kann hier in den Kommentaren oder/und auch direkt unter dem Facebook-Post geführt werden. Fühlt Euch eingeladen. Jede Meinung, jede Selbstreflektion zu diesem Thema ist wertvoll!
Hier der Original-Post von Marcel Dürr:
Verschieben wir gerade unsere Sicherheitsmaßstäbe?
Die vielen schweren Gleitschirmunfälle der vergangenen Wochen haben mich nachdenklich gemacht.
Die folgenden Gedanken beziehen sich ausdrücklich nicht auf einzelne Unfälle. Jeder Unfall hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Ursachen. Mich beschäftigt vielmehr eine andere Frage: Verschieben wir als Szene gerade unbemerkt unsere Maßstäbe dafür, welches Risiko wir noch als normal empfinden?
Die folgenden Gedanken beziehen sich ausdrücklich nicht auf einzelne Unfälle. Jeder Unfall hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Ursachen. Mich beschäftigt vielmehr eine andere Frage: Verschieben wir als Szene gerade unbemerkt unsere Maßstäbe dafür, welches Risiko wir noch als normal empfinden?
Eine ehrliche Diskussion über unsere Risikokultur scheint mir dringend nötig zu sein – und eure Meinungen dazu würden mich besonders interessieren.
Ich fliege seit 27 Jahren Gleitschirm – und genauso lange Verkehrsflugzeuge. Der Vergleich dieser beiden Welten fasziniert mich immer wieder.
In der Verkehrsfliegerei haben sich die Grenzen im Umgang mit Gewittern trotz enormer technischer Fortschritte in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Verkehrsflugzeuge halten noch immer große Sicherheitsabstände. Aus gutem Grund: Das Risiko hat sich nicht verändert. Die Grenzen sind dieselben geblieben.
Im Gleitschirmsport dagegen habe ich den Eindruck, dass sich das, was wir als akzeptables Risiko ansehen, schleichend verschoben hat.
Im Streckenflug sind neue Rekorde oft nur noch möglich, wenn Wetterfenster immer konsequenter ausgereizt werden. Mehr Rückenwind, mehr Beschleuniger, weniger Sicherheitsreserven. Irgendwann bleibt als entscheidender Faktor vor allem eine höhere Risikobereitschaft.
Bei Hike-and-Fly-Wettbewerben zeigt sich ein ähnlicher Effekt. Wer bereit ist, näher an Wettergrenzen heranzugehen als andere, kann sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Natürlich sind das absolute Spitzenpiloten. Darum geht es mir ausdrücklich nicht. Mich beschäftigt vielmehr die Wirkung auf den Rest der Szene. Wer immer wieder sieht, dass solche Flüge gelingen, zieht leicht den falschen Schluss: „Man kann das offenbar machen.“
Dabei beweist ein erfolgreicher Flug nur, dass es dieses eine Mal gut gegangen ist – nicht, dass die Entscheidung sicher oder vernünftig war. Heute verstärken Livetracking, Instagram und YouTube diesen Effekt zusätzlich. Wir sehen vor allem die spektakulären Flüge, die gelingen. Die vielen Piloten, die bewusst umdrehen, früh landen oder gar nicht erst starten, sieht dagegen kaum jemand. So entsteht leicht der Eindruck, grenzwertige Bedingungen seien inzwischen normal – obwohl sie es nie waren.
Spitzenleistungen verschieben nicht nur Rekorde. Sie können auch unsere Maßstäbe verschieben.
Ich bleibe manchmal bewusst am Boden, weil ich die Bedingungen für grenzwertig halte. Gleichzeitig sehe ich im Livetracking an genau solchen Tagen unzählige Schirme in der Luft. Dann frage ich mich schon: Sind unsere Schirme tatsächlich so viel leistungsfähiger und sicherer geworden – oder haben sich vor allem unsere Sicherheitsmaßstäbe verschoben? Denn die Atmosphäre folgt noch immer denselben physikalischen Gesetzen wie vor 27 Jahren.
Die Airline-Branche begegnet einer schleichenden Verschiebung von Grenzen mit festen Standardverfahren und klaren Limits. Dieses Sicherheitsnetz gibt es im Gleitschirmsport kaum. Umso wichtiger sind Ehrlichkeit mit sich selbst, persönliche Grenzen und die Disziplin, sich auch an sie zu halten.
Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, wer nach einem Unfall einen Fehler gemacht hat, sondern kritischer auf unsere eigenen Entscheidungen schauen:
- Starte ich, weil die Bedingungen wirklich innerhalb meiner persönlichen Grenzen liegen – oder weil heute Sonntag ist und ich endlich Zeit habe?
- Haben sich meine persönlichen Maßstäbe vielleicht unbemerkt verschoben?
- Orientiere ich mich an meinem eigenen Sicherheitsmaßstab – oder an den Flügen, die ich im Livetracking oder auf Instagram sehe?
Manchmal erfordert es mehr fliegerische Größe, am Boden zu bleiben, als zu starten. Vielleicht würden wir dann alle ein paar Flüge weniger machen. Aber vielleicht wäre genau das manchmal die beste fliegerische Entscheidung des Tages.
Denn die Frage ist nicht, was heute gerade noch möglich ist.
Die Frage ist, welchen Preis wir bereit sind, dafür zu bezahlen.
Wenn Du die Diskussion zu diesem Thema weitertragen willst: Empfehle den Text Deinen Fliegerfreunden und schreibe Deine eigenen Gedanken auf. Das geht entweder im Kommentarfeed im Originalpost von Marcel auf Facebook, oder in den Kommentaren hier auf Lu-Glidz. Gib dabei unbedingt Deinen vollen Namen an. Entweder im Feld "Name/URL" oder unter Deinem Beitrag. Anonyme Kommentare werden hier nicht freigeschaltet.

18 Kommentare
zur Info:
AntwortenLöschenhttps://www.willswing.com/wieso-bekommen-wir-das-mit-der-sicherheit-nicht-in-den-griff/
Geht in die ähnliche Richtung (ersetzte nur Steuerbügel durch Pilotenrücken).
Meiner Meinung nach haben wir ein riesiges Ausbildungsproblem. Man erlernt es zu leicht und vielen ist schlichtweg nicht bewusst, auf was sie sich einlassen. "Denn sie wissen nicht, was sie tun". Das betrifft aber nicht nur exklusiv das Gleitschirmfliegen sonder zieht sich durch alle Flugsportarten durch.
Irgendwie ist die Diskussion so alt wie das Fliegen.
Gruß Profilpolare
So ist es wohl. Nicht nur im Flugsport übrigens. Nur sind hier die Konsequenzen einer persönlichen Überschätzung oft gravierender.
LöschenDoch warum wir ein Ausbildungsproblem haben sollen, wird mir nicht klar. Meiner Meinung nach ist nicht das Risikobewusstsein, sondern die -bereitschaft das Problem. Und das bleibt nach jeder Ausbildung immer eine selbstgesetzte Grenze.
Allerdings frage ich mich doch, ob wir eigentlich wirklich mehr Risiken eingehen, oder nur andere. Vor 25 Jahren hatte ich viel schwierigeres Material. Heute habe ich schwierigere Ziele.
Ist es dann am Ende vielleicht doch nur, dass heute viel mehr lizensierte Pilotinnen unterwegs sind als früher? Oder anders gefragt: Ist es gut oder schlecht, dass heute mehr Menschen Zugang zu diesem wunderbaren Sport haben?
Servus in die Runde, seit 1973 im Segler, seit 1986 am Schirm und seit 1996 mit PPL – ich kann mich dem Tenor deiner Erkenntnis vollinhaltlich anschließen.Als ich letztens im Segler in der Dachsteinwelle bei Nordföhn aufgestiegen bin (weit über die umgebenden Cumuli hinaus), bin ich zu meiner absoluten Verwunderung Gleitschirmen begegnet. Kein verirrter Einzelfall, nein, es waren mehrere! Die hatten dort oben auf inzwischen 4.000m+ offensichtlich richtig Spaß.„Ok“, dachte ich mir, „die Fetzen fliegen inzwischen 60+ bei vollem Speed.“ Aber irgendwo müssen die ja gestartet und vor allem durch den Rotor gekommen sein. Und das stelle ich mir alles andere als lustig vor – wenn es selbst im Segler schon ordentlich gerappelt hat. Von den Landebedingungen im Lee mal ganz zu schweigen... Wo gehen die bei dem Wind eigentlich wieder runter? Ich sehe es genau wie du: Die Risikobereitschaft hat sich, zusammen mit dem immer besseren Material, massiv nach oben verschoben. Im Gegensatz zur allgemeinen Luftfahrt, wo es glasklare Parameter für ein „Go“ oder „No-Go“ gibt, setzt sich diese Grenze im GS-Sport heute anscheinend jeder so, wie er es gerade für sich passend hält. Ich persönlich mache mein Hike & Fly inzwischen lieber mit der Option, den Schirm im Zweifel auch wieder zu Fuß runterzutragen.
LöschenWährend ich also aus der Welle fliege – ansonsten müsste ich mir für weiteres Steigen eh eine Freigabe von Wien Info holen –, hoffe ich einfach nur, dass alle diese Jungs und Mädels da oben wieder heil runterkommen.
Always happy landings
Der Mann hat absolut Recht. Für die meisten von uns ist die Fliegerei doch die schönste Nebensache der Welt. In diesem Sinne und nicht zuletzt aus Respekt vor der Natur sollten wir im Zweifel vielleicht wieder mehr unserem Bauchgefühl als dem Herdentrieb folgen.
AntwortenLöschenIch fliege seit 35 Jahren Gleitschirm.
AntwortenLöschenNoch immer mit den selben Grundsätzen.
Föhn( auch seichter), Gewitter lagen und Wind über 20 kmh in den Bergen sind für mich tabu.
Bin aber auch Genußpilot ohne Hang zur Selbstdarstellung.
Und nach tausenden Flügen habe ich gelernt auf mein Bauchgefühl zu hören.
LG Gerhard
Als relativ neuer Pilot (DHV) der nach der Ausbildung verhältnismäßig viel fliegt, würde ich mir mittlerweile mehr eine Ausbildung nach Vorbild des SHV wünschen, insbesondere auch das Fliegen in bewegter Luft und weitere Abstiegstechniken beyond den gr. Ohren, ebenso wie ein früher offener Umgang mit den potenziellen Risiken - klar, dass geht kurzfristig gegen Flugschulen und eine schnelle Ausbildung, aber langfristig ist es für alle wichtig.
AntwortenLöschenAnselm
Geschätzte Fliegerkamerad:innen
AntwortenLöschenDieses komplexe Thema ist "onmipräsent" in allen Flugsportarten. Diskussionen werden stets geführt. Zum einen in der "Abteilung" der vielfältigen Hobbyfliegerei (z.B. Segel- & Motorflug VFR/ IFR) und zum anderen in der "Abteilung" der kommerziellen Luftfahrtbranche (General Aviation/ Linienfliegerei).
Zum Gleitschirm:
Dieses Fluggerät ist per se einzigartig. Genial einfach. Eigentlich wie ein Wunder dank des Pendels. (auch die Fallschirmkappen)
Für den "Ottonormalverbraucher" relativ einfach zu handeln, wenn folgende Grundsätze vorhanden sind und diese von Neuem trainiert werden:
- Ehrlichkeit
- Demut
- Respekt
- Meteo
- Aufmerksamkeit und Liebe zum eigenen Equipment
- Freude
Es gibt unzählige, geniale, ja ausgezeichnete Möglichkeiten wie sich jeder einzelne Gleitschirmpilot weiterentwickeln kann. Wenn er weiss; "WAS WILL ICH"
Die Spitze des Eisbergs, höchster Respekt bilden die professionellen Gleitschirm-Athleten in den versch. Disziplinen. Professionelle Tandempiloten, dito. Nachahmung an diese top Athleten für einen "Ottonormalflieger" ist nicht vorteilhaft.
Dann kommt da natürlich dieses Thema mit der Werbung und den Herstellern. Die Verbände tun m.E. ihr Gutes und sensibilisieren mit interessanten Fachbeiträgen.
Zusammenfassung:
"Vor jedem Start/ Abheben mit meinem am Berg im Einsatz stehenden Equipment, und erscheinen die Meteo Gegebenheiten auch nur so trivial, sind es lediglich meine feinfühligsten Federn, Sensoren die mich führen, getreu lenken in meinem Sein, meinen wachen Sinnen und meinem differenzierten Gespür" im Einklang von überschwänglicher Freude und der Erfahrung als der eigenen körperlichen Verfassung".
Wenn ein Gleitschirmpilot, und um den geht es hier in diesem Kontext, egal auf welcher Stufe er sich befindet nicht nein sagen kann, dann spätestens sollte er dies trainieren um in seiner Reife so weit zukommen, bis er auch nein sagen gelernt hat. Alles tönt da sehr einfach, ist es leider nicht. Das ist die Krux. Denn unser Tun ganz allgemein birgt nun einmal Gefahren.
Allzeit, Freude, Respekt, Ehrlichkeit zu sich selbst und das nötige Quäntchen an Demut, dann kommts gut.
Fliegergruss.
Vorgestern vom Badesee heimgefahren, als die ersten Blitze in ca. 5 km Entfernung zuckten, Hagelstreifen zu sehen waren und die Bäume sich unter den Frontböen einer längst auf allen Kanälen vorhergesagten Gewitterzelle über dem Allgäu bogen.
AntwortenLöschenDa sehe ich ungefähr 200 m Gnd im Rückspiegel einen Gleitschirm. Meine Beifahrerin hat mir bestätigt, dass ich keine Halluzination hatte und ihn weiter beobachtet: Keine Anstalten eines Schnellabstiegs, eher Steigen. 2 min. später hatten wir die ersten Hagelkörner auf der Scheibe. Keine Ahnung, wie er es geschafft hat, heil runterzukommen.
Und vielleicht ist auch das ein Problem, dass es nämlich viel zu oft wieder mal gut geht, mit dem Kölschen Lerneffekt: "Es hot noch imme jut jejonge ..."
Günther Widmann
Markus Berger
AntwortenLöschenVon der psychologischen Ansicht muss ich sagen, dass das Flugverhalten und die Flugentscheidungen einiger Piloten bei mir Angst auslösen würden.
Ich nehme die Risiken wahr, ich mag ja übervorsichtig bis ängstlich sein, denke mir dann, wenn ich es bleiben lasse, kann ich das nächste Mal fliegen. Wenn nicht war’s vielleicht der letzte Flug. Welchen Stellenwert hat meine Leistung?
Die Überwindung eigener Limits wird ja offen propagiert. Genuss und Erleben innerhalb eigener Grenzen spielt keine Rolle mehr …. Leistung und Darstellung nach aussen wird zum Ziel.
Nun sind wir ganz tief In der Psyche. Mich erinnert Gleitschirmfliegen oft an Menschen mit Suchtverhalten. Das Erreichen eigener Endorphinausschüttungen,, die maximale Erregung des Belohnungszentrums und die Verwirklichung hedonistischer Ziele führt zu einer völlig eingeschränkten Risikowahrnehmung.
Die Sucht lässt eine Risikowahrnehmung nicht mehr zu. Wie oft müsste die Frage nach „fit to fly“ negativ beantwortet werden? Aber andere Sportarten sind davon genauso betroffen, die Big Wave Surfer oder die Tour de France.
Jetzt die Frage: Ist die Ausnahme das neue Normal? Sind wir noch ganz normal?
Markus Berger
AntwortenLöschenVon der psychologischen Ansicht muss ich sagen, dass das Flugverhalten und die Flugentscheidungen einiger Piloten bei mir Angst auslösen würden.
Ich nehme die Risiken wahr, ich mag ja übervorsichtig bis ängstlich sein, denke mir dann, wenn ich es bleiben lasse, kann ich das nächste Mal fliegen. Wenn nicht war’s vielleicht der letzte Flug. Welchen Stellenwert hat meine Leistung?
Die Überwindung eigener Limits wird ja offen propagiert. Genuss und Erleben innerhalb eigener Grenzen spielt keine Rolle mehr …. Leistung und Darstellung nach aussen wird zum Ziel.
Nun sind wir ganz tief In der Psyche. Mich erinnert Gleitschirmfliegen oft an Menschen mit Suchtverhalten. Das Erreichen eigener Endorphinausschüttungen,, die maximale Erregung des Belohnungszentrums und die Verwirklichung hedonistischer Ziele führt zu einer völlig eingeschränkten Risikowahrnehmung.
Die Sucht lässt eine Risikowahrnehmung nicht mehr zu. Wie oft müsste die Frage nach „fit to fly“ negativ beantwortet werden? Aber andere Sportarten sind davon genauso betroffen, die Big Wave Surfer oder die Tour de France.
Jetzt die Frage: Ist die Ausnahme das neue Normal? Sind wir noch ganz normal?
Ich fliege seit über 10 Jahren und würde mich als ambitioniert- aber nicht als Wettbewerbspilot bezeichnen. Dennoch fliege ich EN-C und D 2-Leiner. Zwar hatte ich auch schon Unfälle (Start-, / Landung) aber bisher noch nie einen echten "Vorfall" in der Luft, der mich zweifeln ließe das die Fliegerei überaus gefährlich ist.
AntwortenLöschenDie Aussage "vielen schweren Gleitschirmunfälle in der letzten Zeit" ist mir viel zu schwammig und unkonkret um daraus abzuleiten, dass "wir" unseren Sport nicht ernst genug nehmen.
Grundsätzlich ist mir Sicherheit und Meteo sehr wichtig und ich finde es eher bedenklich wie "hemdsärmelig" mit dem Thema Protektor im Wettkampfsport umgegangen wird. Ero Zsolt hat schon vor Monaten eine Methode entwickelt um der "Ruck-Problematik" mehr Augenmerk zu verschaffen und nachzuweisen, dass selbst ein idealer Protektor niemals dünner als 13cm sein darf. Dennoch fliegen viele Comp-Piloten aufgrund des Wettbewerbsdrucks (und ggf. eigener Unkenntnis) mit dünneren Protektoren herum. Spricht man sie darauf an, dass eine Vorschrift, welche dies untersagen würde allen dienen würde, zucken sie nur mit der Schulter und reden was von "ein größerer Protektor ist schlecht für die Aerodynamik".
Also "müssen" alle mit zu dünnen Protektoren herum fliegen, anstatt dass alle eine besseren nutzen können. Das verstehe ich wirklich nicht und hoffe, dass dieser "Trend" nicht auch in die allgemeinen Gurtzeuge herüber schwappt.
Fliegt nicht weit, fliegt sicher.
Gunther Klaus
PS: Marcel flog letztens direkt auf eine Zelle zu und alle wunderten sich im Nachhinein, warum er das gemacht hat. OK, sein Flug war der weiteste.
Der Klassiker im Gleitschirmsport: Ich mach alles richtig und fliege sicher. Aber die anderen, machen xy, fliegen eine Klasse höher als ich, und überhaupt haben ja immer nur die anderen Unfälle.
LöschenEs fällt anscheinend unglaublich schwer, die eigenen Defizite und Schwächen zu erkennen und gegenzusteuern. Bei anderen sind die schon leichter zu sehen. Dabei nehme ich mich selber nicht aus.
Martin
Lieber Gunther, es tut mir leid, aber Deine Aussage dass du mehrere Unfälle beim Starten und Landen hattest aber noch keine Vorfälle in der Luft, und offensichtlich davon überzeugt bist, dass dies somit nicht so schlimm ist, lässt mich einfach nur den Kopf schütteln. Vielleicht solltest Du dir einmal zugunsten Deiner nahen Mitmenschen überlegen warum du die Unfälle in diesen Phasen hast. (Kleiner Tipp: liegt ein paar Meter oberhalb des Piloten). Happy Landing Adrian
LöschenWas hat der Protektor bitte mit der Entscheidung zu tun bei nicht fliegbarem Wetter in die Luft zu gehen?? Abgesehen davon möchte ich mal stark bezweifeln dass dünne Protektoren das Verletzungsprofil verändern werden. Schau dir mal an auf was für einen Aufprall ein Protektor zertifiziert ist, das hast vl wenn du am Startplatz ausgehebelt wirst und am Hintern/Rücken landest. Wenn du deinen Schirm in 5-10m abstellst ists ziemlich irrelevant ob dein Protektor 13cm oder mehr hat :)
AntwortenLöschenGenau mit diesem Kommentar bestätigst du meine Aussage weiter oben. Du "bezweifelst dass dünnere Protektoren das Verletzungsrisiko verändern".
LöschenGenau durch diese Haltung wird verhindert, dass (verharmlosend gesagt) eher suboptimale Protektoren im Wettbewerb eingesetzt werden. Eine Pilotenhaltung, welche ich nur als Risiko ignorierend bezeichnen kann.
Dein "Argument" dass die Protektorendicke bei Einschlag von höherer Fallgeschwindigkeit als der im Test geprüften 1,65m Fallhöhe irrelevant ist, mag richtig sein. Hat aber dennoch nichts damit zu tun, dass dickere Protektoren weitaus besser sind als (zu) dünne. Die Ruckproblematik kommt AUCH bei harmlosen Stürzen zum Tragen - und das sind die mit Abstand meisten Unfälle! Hier könnten bessere Prüfmethoden und transparentere Angaben (Berechnung des Rucks aus vorhandenen Daten und verpflichtende Angaben in den technischen Daten) viele körperliche Schäden verhindern.
Gunther Klaus
Geschätzte Fliegerkameraden
AntwortenLöschenIch danke Marcel Dürr für sein Aufgreifen dieser komplexen Thematik. Vielen Dank!
In der Zwischenzeit sind interessante Gedanken verfasst worden und vom Betreiber-(Tool) lu-glidz in dieser Website auch freigeschaltet worden. Meinerseits, an der Stelle eine persönliche, 2te Anmerkung:
- Gleitschirmfliegen im hier und jetzt im Jahr 2026 mit den Möglichkeiten an genialen Equipments dem Markt, einfach nur Grossartig.
WAS WILL ICH & WAS WILL ICH NICHT, lautet m. E. die Formel für das eigene ich. Dies allein bildet die Grundlage für das eigene, verantwortungsvolle Tun im Gleitschirmsport.
- ein jeder hat mit seinem Verstand, seiner Urteilsfähigkeit, seiner erlangten Lizenz und der eigens getroffenen Entscheidung für diese Art von Fliegen einmal "JA" gesagt. Also ja gesagt zum Abheben mit einem Stück Stoff. Ein jeder kennt die Vor-& Nachteile dieses Fluggerätes. Es ist eine der unendlich schönsten Art von Freiheit, als Pilot mit minimalistischen Equipment und all seinen, Vor- & Nachteilen, Abzuheben und die eigene Leichtigkeit des Seins zu erfühlen und daran weiterreifen zu dürfen. Wenn man bereit dazu ist. Und wenn man sich die Zeit nimmt und sich ernsthaft fragt, was will ich nicht erleben und was kann ich noch nicht.
- Frei und leicht sind diejenigen unter den Piloten der Paragliders die wissen "WAS WILL ICH". Zweitens, all diejenigen, die bereits gelernt und trainiert haben, auch "NEIN" zu sagen.
Mehr an eigenen Ausführungen will ich zu diesem Thema nicht mehr beisteuern. Allerdings wünsche ich mir von "Lu-Glidz", diese Plattform allenfalls zu beenden, sollte sich infolge unsensiblen Gespür dies ins "Unendliche" verlaufen. Die Gefahr ist diesbezüglich gross.
Fliegergruss.
Jede Diskussion um Unfälle im Gleitschirmfliegen ist gut und richtig. Jeder , auch der tollste und beste Pilot macht Fehler, sei es beim Starten und Landen oder beim Wetter oder weil er einfach noch nicht lange dabei ist. Es gibt sehr vielfältige Gründe.
AntwortenLöschenAm 30.7 ist die Druckwelle angesagt gewesen. Zu der Zeit war ich bei bestem Wetter am Tegelberg und habe die top Bedingungen genossen. Die Druckwelle war für den Abend angesagt so etwa um 19.00.
Ich habe für mich die Entscheidung getroffen spätestens gegen 15.00 am Boden zu stehen. Auch zwei Stunden später sind hunderte Piloten teils auf deutlich über 4000m im Alpenraum geflogen, was mich wirklich gewundert hat.
Jetzt weiss ich, dass ich nach 36 Jahren ziemlich unfallfrei Fliegen doch viel schlechter bin, als alles anderen.
Gruss Mayer
Interessant in diesem Zusammenhang ist auch ein Vortrag von Bruno Gantenbrink ("Living Legends of Aviation"), der - ähnlich wie Marcel uns - der Segelflieger-Community in punkto "Risikomanagement" ordentlich die Leviten gelesen hat.
AntwortenLöschenhttps://www.edqe.de/wp-content/uploads/2019/07/Gantenbrink.pdf
Happy Landings
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