Die extreme Trockenheit erhöht den Turbulenzgrad der Luft. Vor allem in Bodennähe steigt das Risiko gefährlicher Klapper.

Windy-Karte der Dürre-Intensität in 0-100 cm Bodentiefe.
Orange, Rot, Dunkelrot steht für stark, außergewöhnlich,
extrem. Große Teile Deutschlands und des Alpenraums
sind stark von Dürre betroffen. // Quelle: Windy.com

Trockenheißes Wetter prägt diesen Sommer in Mitteleuropa. Man könnte meinen, es sei ideales Flugwetter. Doch wer abhebt, erlebt oft das Gegenteil: Rundes Thermikkreisen in stabilen Aufwinden ist selten möglich. Besonders in den ersten paar hundert Metern über dem Boden geht es sehr turbulent zu. Zudem verstärken sich im Tagesverlauf die Böen noch – bis in den späten Nachmittag hinein. Ruhige Abendflüge? Häufig Fehlanzeige!

Die starke thermische Aktivität hat eine einfache Ursache: Die extreme Trockenheit gepaart mit starker und lang anhaltendender Sonneneinstrahlung. Nach Monaten ohne ausreichenden Regen fehlt es den Oberböden an Wasser (siehe oben: Karte der Dürreintensität). 

Normalerweise moderiert Bodenwasser die Temperatur. Ist der Boden aber ausgetrocknet, wandelt sich mehr Sonnenenergie in Hitze für die Oberfläche und die aufliegende Luft. Die Erde wirkt dann wie eine Herdplatte auf voller Leistung. Die Luft fängt heftig an zu kochen, und die Böen nehmen im Tagesverlauf immer weiter zu. 


Wenn die Luft kocht

Je stärker die Luft "kocht", desto häufiger lösen sich Thermikblasen explosionsartig vom Boden. Beim Aufstieg hinterlassen sie kein Vakuum. Die Luft strömt von den Seiten nach, was kräftige Ausgleichsströmungen aus ständig wechselnden Richtungen erzeugt – je nachdem wo gerade die nächste Thermik aufschießt. 

Trockene Böden heizen zudem auch bei tiefer stehender Sonne weiter, was die Böendynamik verstärkt. Deshalb treten die höchsten Temperaturen der bodennahen Luftschichten nicht mittags, sondern erst am späten Nachmittag auf, meist zwischen 15 und 18 Uhr. Erst danach regelt die langsam tieferstehende Sonne die Herdplatte Boden wieder runter. Zudem fallen dann mehr und mehr Geländebereiche in den Schatten.

Die Erdoberfläche kühlt in den Schattenzonen durch Ausstrahlung ab, und damit auch die direkt aufliegende Luftschicht. Die darüber liegenden heißen Luftmassen verlieren damit den Bodenkontakt. Sie lösen sich nun großflächiger ab und steigen als voluminösere Thermikblase auf.


Starker Aufwind, starker Abwind

Größere Blasen entwickeln durch ihr Volumen viel Auftrieb. Das kann selbst abends noch für hohe Steigwerte und starke Ausgleichsströmungen sorgen. Die großen, überhitzten Blasen verdrängen beim Aufstieg dann aber auch mehr der "kühleren" Höhenluft. Diese sinkt zum Ausgleich in ebenfalls größeren Volumina rund um die Thermikschläuche ab.

Und gerade mit diesen Abwinden ist nicht zu Spaßen. Beim konvektiven Aufstieg kühlt sich die Luft ja trockenadiabatisch um 1°C/100m ab. Für die Abwinde gilt umgekehrt, dass sie sich sich beim Abstieg um 1°C/100m erwärmen. Und dieses Sinken hält an, solange die Abwinde kälter als die Umgebungsluft sind.

In Dürrezeiten, wenn die Heizplattenwirkung des Bodens verstärkt wird, sind die bodennahen Luftschichten besonders stark überhitzt. Ihr Temperaturgradient übersteigt 1°C/100m. Diesen Zustand nennt man überadiabatisch.


Die Kehrseite der Überadiabate

An trocken-heißen Sommertagen ist diese überadiabatische Grenzschicht am Boden also besonders stark ausgeprägt. Dieses Heißluftpolster wird im Tagesverlauf immer mächtiger. Wenn Abwinde in die überadiabatische Zone eindringen, wird ihre Sinkbewegung sogar noch beschleunigt. Denn der Abwind erwärmt sich auf dem Weg nach unten noch immer trockenadiabatisch (+1°C/100m), die umliegende Luft aber überadiabatisch (>1°C/100m). Der negative Temperaturvorsprung des Abwinds wird deshalb größer.

Das wirkt dann wie ein Kaltluftausfluss. Prallt so ein Abwind auf den Boden, wird die Luft in alle Richtungen verteilt. Dabei entstehen Schwerwinde und starke Turbulenzen, die kaum vorhersehbar sind. Deshalb erleben wir derzeit:
  • besonders starke und turbulente Sinkzonen neben den Thermiken
  • häufig am späten Nachmittag und bis zum Abend die stärksten Böen in Bodennähe.

Unter solchen Bedingungen sollte man nachmittags und abends vorsichtig fliegen oder ganz darauf verzichten, um nicht durch Böen gefährlich ins Taumeln zu geraten und sich bodennahe Klapper einzufangen. Das gilt besonders, wenn Wetterprognosen bis nach 19 Uhr starke Böen vorhersagen.

Anfängern wird häufig empfohlen, starke Thermikzeiten zu meiden und deshalb nur morgens oder abends zu fliegen. Bei den aktuellen Bedingungen kann es allerdings ratsam sein, auch abends besser am Boden zu bleiben und für ruhigere Flüge nur die Morgenstunden nutzen.


Hinweis: Die hier beschriebenen Verhältnisse und Tipps gelten vor allem fürs Flachland und die Mittelgebirge mit besonders starker Trockenheit. In den trockenen Alpenbereichen ist die Thermikentwicklung zwar auch heftiger, aber teils noch weniger chaotisch, weil die langen Berghänge mit entsprechenden Hangaufwinden und typischen Ablösepunkten noch immer nach ihrem üblichen Muster funktionieren. Inneralpin sollte man aber vor allem das Auftreten besonders hoch reichender und lang anhaltend starker Talwinde mit entsprechenden Turbulenz- und Leezonen berücksichtigen


Lesetipp: Über besondere Effekte starker Trockenheit auf die Thermikentwicklung habe ich auf Lu-Glidz schon in früheren Trockenjahren geschrieben. Folgende Posts sind gerade im Sommer 2026 wieder aktuell:
Die Tücken der Überadiabate
Meteowissen: Dust Devil


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