Der XC Tracer macht Schule

Immer mehr Hersteller setzen bei ihren Varios auf Multisensoren, um den Einflug in steigende Luftmassen schneller eindeutig erkennen zu können. 

Neue Funktion, neues Logo. // Quelle: Flymaster
Als vor rund einem halben Jahr das GPS-Vario XC Tracer auf den Markt kam, eilte ihm schon bald der Ruf voraus, alle Konkurrenzgeräte mit seiner Reaktionsschnelligkeit auszustechen. Der XC Tracer nutzt nicht nur eine Druckdose, sondern weitere Sensoren (Beschleunigung, Magnetfeld und Gyroskop), um den Einflug in steigende Luftmassen ohne Zeitverzögerung zu erkennen. Wie das technisch funktioniert, ist im Lu-Glidz-Test des XC Tracer nachzulesen. Doch wie zu erwarten war, ziehen jetzt andere Hersteller nach und bieten für ihre Geräte ähnliche Lösungen an. Bei manchen ist nicht einmal ein Neukauf nötig, sondern nur ein Update der Firmware. Hier ein paar Beispiele:

Flymaster: Die bestehenden Varios der SD-Serie des portugiesischen Herstellers haben bereits Beschleunigungssensoren integriert. Bisher wurden die Beschleunigungsdaten hauptsächlich zur Dämpfung der elektronischen Kompassanzeige genutzt. Doch jetzt hat Flymaster eine neue Firmware der Geräte zum Download bereit gestellt. Der G-Sensor dient nun auch dazu, plötzliche Messwertänderungen der Drucksonde zu bestätigen und dadurch die Latenzzeit des Varios zu verkürzen.

Syride: Auch das bestehende Topmodell der französischen Firma Syride, Sys Nav V3, besitzt einen Beschleunigungssensor. Die neuesten Firmware bezieht dessen Messwerte ebenso mit ein, um das Piepsen in der Thermik schneller einsetzen zu lassen. Wie auch Flymaster nennt Syride diese Funktion im Marketing "Instant Vario". 

Stodeus: Für März hat der französische Hersteller des kleinen Solarvarios LeBipBip eine neue, mit GPS ausgestattete Variante angekündigt. Das LeGPSBip eifert dem XC Tracer nach und wird zur Unterstützung der Drucksonde auch einen Beschleunigungssensor und ein Gyroskop nutzen, um das Variometer reaktionsschneller zu machen. 

GoFly Instruments: Der kleine Hersteller von Kombi-Instrumenten auf Basis von E-Readern mit E-Ink-Bildschirmen setzt auf eine ganz eigene Lösung. Beim neuen GoFly Project V5 sind nicht eine, sondern zwei Drucksonden integriert. Zusammen werden ihre Messdaten bis zu 200 Mal pro Sekunde abgefragt. Die Kombination soll angeblich ebenso eine schnelle Ansprache, aber zugleich eine extrem hohe Auflösung von plusminus zwei Zentimeter bei den Höhenmessungen ermöglichen.

Diese Entwicklungen lassen vermuten, dass in Zukunft die Multisensor-Variotechnik zum Standard in den meisten neuen Fluginstrumenten werden wird. Inwieweit das in der Praxis tatsächlich hilft, Thermiken besser nutzen und zentrieren zu können, könnte allerdings dem Glauben der Piloten überlassen bleiben.

Alles nur Marketing?
Flymaster-Chef Christiano Pereira gibt offen zu, dass seiner Meinung nach der Einsatz des Beschleunigungssensors für die Verbesserung der Variofunktion im Grunde nutzlos sei. Denn im Flugalltag in bewegter Luft werde das Gerät, ob mit oder ohne Steigen, ständig stark schwankenden Beschleunigungen ausgesetzt. Daraus ließen sich keine wirklich relevanten Informationen ableiten. "Sehr cool ist die Technik nur um zu demonstrieren, wie schnell das ruhende Vario reagiert, wenn man es von einem Tisch hochhebt", sagt Pereira und räumt sogar ein: Die neue Firmware mit der Instant-Vario-Funktion diene vor allem Marketingzwecken. Im Flug sei letztlich immer noch die Genauigkeit der Drucksonde und der Filteralgorithmen für die Qualität eines Varios entscheidend.

Interessant an dieser Aussage Pereiras ist, dass sie sich auf die Kombination von Drucksonde und Beschleunigungssensor bezieht. Es bleibt die Frage, inwieweit eine Technik wie beim XC Tracer, die zusätzlich noch Magnetometer und Gyroskop in die Auswertung mit einrechnet, dennoch Vorteile bieten könnte? Das werden erst vergleichende Praxiserfahrungen von Piloten mit den diversen Geräten zeigen können.
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2 Kommentare:

Michael Bell hat gesagt…

Hallo Lucian,
ich habe mich schon bei Deinem ersten Test gefragt, was das bringen soll. Als leidenschaftlicher XC Flachlandflieger kann ich mir nicht vorstellen, dass wenige Millisekunden schnellere Ansprechzeit des Varios mich auch nur einen Meter weiter bringt. Mir reicht mein Skytraxx vollkommen aus. Viel wichtiger, als die Empfindlichkeit des Varios, ist aus meiner Sicht eine vernünftige Planung und die Fähigkeit das Gelände "lesen" zu können. Vielleicht bin ich aber auch nur zu grobmotorisch, um die beschleunigte Ansprechzeit nutzen zu können :-)

Grüße
Michael

Lucian Haas hat gesagt…

Michael,
die Latenzzeiten klassischer Varios liegen nicht bei "wenigen Millisekunden", sondern eher 0.5 bis 2 Sekunden (je nach Modell, teilweise auch einstellbar).
Einfache Beispielrechnung: Wenn ein Vario mit einer Verzögerung von 1 Sekunde anfängt zu piepen, bedeutet das bei einem Trim-Speed von 37 km/h, dass Du in der Sekunde schon 10 Meter weiter geflogen bist. Bei allgemein gut entwickelten Thermiken ist das kein Problem, weil die groß genug sind, um immer noch darin zu drehen und zu zentrieren. Die schnelle Ansprache bringt etwas bei schwachen Bedingungen oder beim Soaren, wenn es darum geht, kleine Steigzonen exakt zu lokalisieren. Wenn Du beim Soaren eine Kurve eine Sekunde später einleitest, kann es schneller passieren, dass Du nicht im besten Steigen, sondern schon wieder im Sinken drehst.
Ein guter, erfahrener Pilot wird zwar auch auf sein Popometer setzen, um solche Steigzonen zu erkennen. Er wartet dann nicht unbedingt, bis das Vario piept. Ein schnelleres Einsetzen des Variotons kann dennoch gerade in sehr schwachen Bedingungen, die schwer zu "erfühlen" sind, hilfreich sein.
Ein Skytraxx ohne solche Funktion ist deswegen nicht schlecht. Es reicht auch vollkommen aus. Wo die Vorteile eines XC Tracer liegen wird man allerdings erst merken können, wenn man mal mit einem zum Vergleich geflogen ist.