Neue Wertungsfaktoren im XContest

Ab der Saison 2019 werden in der allgemeinen Wertung des XContest weitgehend geschlossene Dreiecke mit einem höheren Faktor gewertet. 

In den vergangenen Jahren hatte sich gezeigt: Die Weltwertung des XContest wurde jeweils von Piloten dominiert, die im Oktober und November im brasilianischen Flachland lange One-Way-Streckenflüge absolvierten. Diese Einseitigkeit und quasi Vorentscheidung schon früh in der Saison ließ die Macher des XContest darüber grübeln: Sollten Flüge künftig mit anderen Faktoren gewertet werden, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen?

Als Entscheidungshilfe starteten sie eine Umfrage auf Facebook, ob denn eine Anpassung überhaupt gewünscht sei. 434 Piloten gaben ihre Stimme ab. 58 Prozent davon stimmten für eine Änderung.

In den Kommentaren gab es auch viele Vorschläge, wie so etwas bewerkstelligt werden könnte. Am häufigsten wurde der Wunsch geäußert, Dreiecksflüge sollten noch Extra-Punkte zu bekommen, wenn sie tatsächlich geschlossen werden.

Dem folgt der XContest nun. Ab der Saison 2019 gibt es fünf statt drei Wertungstypen für XC-Flüge – mit den folgenden Faktoren:
  • Freier Flug über drei Wendepunkte: 1,0
  • Flaches Dreieck, bis auf mindestens 20% geschlossen: 1,2
  • Flaches Dreieck, bis auf mindestens 5% geschlossen: 1,4 (neu)
  • FAI-Dreieck, bis auf mindestens 20% geschlossen: 1,4
  • FAI-Dreieck, bis auf mindestens 5% geschlossen: 1,6 (neu)

"Bis auf mindestens X% geschlossen" bedeutet: Die Distanz zwischen Start und Ziel des Fluges darf maximal X% der gesamten Strecke betragen.


16 Kommentare:

Hans hat gesagt…

Worin liegt der sportliche Mehrwert wenn ein Dreieck bis 5% geschlossen wird?

Mit einer 5% Regel werden die Möglichkeiten für neue innovative Dreiecke massiv verkleinert. Die lahmen Standart Dreiecke werden bevorteilt.

Unglaublich schwache Entscheidung!

Hans hat gesagt…

Bei allen Facebook Kommentatoren habe ich gerade Mal 2 Piloten mit Flügen über 250km gefunden. Beide Flachlandpiloten, welche noch nie in den Alpen ein Dreieck geflogen sind. Sonst sind es ausschliesslich Facebookhelden welche ihre Meinung kundtun.

Diese Entscheidung ist somit etwas vom Dämlichsten was ich je gesehen habe. Xcontest hat sich durch so eine leichtfertig dahingeworfene selber disqualifiziert.

Am 17 Septemper wurde nach neuen Ideen gesucht. Gerade Mal 1 Woche später werden bereits Entscheidungen gefällt? Unglaublich schwach und unglaubwürdig.

Hans hat gesagt…

Lex Robé weiss wovon er spricht:
Zur 20% Regel meint er:
But it also encourages trying new things... 😊
You are not „punished“ down to free distance just because you got stuck trying something new - and going big...

Anonym hat gesagt…

Ich finde die Entscheidung gut, gebe aber zu, dass mich der X Contest nicht betrifft. Die Aufwertung der Dreiecke ist doch sehr moderat ausgefallen, auch mit der 5%. Regelung. Und ich finde ein geschlossenes Dreieck viel wertvoller, als ein zu 20 Prozent geschlossenes.
Im Gegenteil kommt es mir nicht besonders toll vor, , dass man immer mehr Wind braucht um noch weiter zu kommen. Das ist allerdings ebenfalls Geschmackssache. Ganz übertrieben gesagt wünschen sich alle am besten 40 km Rückenwind an der Basis.

Gruss Mayer

Hans hat gesagt…

Und ich finde ein geschlossenes Dreieck viel wertvoller, als ein zu 20 Prozent geschlossenes.

Könntest du mir das bitte erklären, denn ich verstehe nicht wesshalb es Leute gibt die das denken.

ich hat gesagt…

Hans (welcher Hans?)
Was ist so toll an one-way Flügen, welche (um zu gewinnen) immer mit maxmial erfliegbarem Rückenwind stattfinden?
Die Faktoren sollen die Schwierigkeit widerspiegeln und ein geschlossenes, annöhernd gleichseiteiges Dreieck ist nunmal deshalb am schwierigsten, weil sich der Wind automatisch rausmittelt. Je offener ein Dreieck ist, desto mehr kann man den Faktor Wind zu seinen Gunsten nutzen (das ist übrigens auch die Antwort auf deine Frage).
Da man mit so einem Wettbeweb den besten Piloten sucht und nicht den, mit den dicksten Eiern, hat das eliminieren des Faktors (stark-) Wind seine absolute Berechtigung.

Dennis hat gesagt…

Sorry, der "ich" Nutzer ist meine Wenigkeit: Dennis Zimmermann

Anonym hat gesagt…

Was ist so toll an one-way Flügen, welche (um zu gewinnen) immer mit maxmial erfliegbarem Rückenwind stattfinden?

Ich bin auch kein Fan von solchen Flügen.

Je offener ein Dreieck ist, desto mehr kann man den Faktor Wind zu seinen Gunsten nutzen

Im Flachland mag das zutreffend sein. In den Bergen sind oft regionale Ausgleichswinde viel entscheidender als die generelle Windrichtung. Bayrischer Wind, alpines Pumpen in den schweizer Voralpen. W-Wind über den Walliser Alpen gegen den Abend, unzählige Augleichswinde über die Pässe. Starke Talwinde in den grossen Tälern, Gletscherwinde. Diese Winde werden so gut es geht, immer in eine Flugplanung eingebaut, anders geht es gar nicht. Ein gutes Beispiel ist das Engading wo man am Abend vom Inntal alles mit Rückenwind bis nach Scuol fliegen kann. Am Abend in die andere Richtung kannst du schlicht vergessen.

Überregionaler Wind bringt nur in den seltensten Fällen einen Vorteil bei FAI Dreiecken. Sehr grosse FAI Dreiecke sind sowieso nur bei weniger als 10km/h Wind überhaupt möglich. Bei so wenig Wind sind die regionalen Winde viel dominanter.



Grosse annähernd gleichseitige Dreiecke sind schwierig, weil über Gebietsgrenzen hinaus geflogen werden muss. Praktisch alle grossen FAI sind durch natürliche Grenzen eingeschränkt. Beim grossen Antholz FAI ist das im Norden der Alpenhauptkamm und im Süden die feuchte und warme Luft aud dem italienschen Flachland. Beim Fiescher FAI sind es im Osten die Pässe Grimsel, Furka und Oberalp. Im Westen das Flachland und im Süden der Alpenhauptkamm.

Es sind die gut bekannten und 1000 fach abgeflogenen Routen.

Praktisch alle innovativen neuen FAI Dreiecke gehen über die natürlichen Grenzen hinaus. Es werden Schlupflöcher in den Grenzen gesucht, zur richten Tageszeit und wenn das Wetter passt können die Grenzen überwunden werden.

Solche Flüge sind viel schwieriger!

Mit der neuen XContest Regel wird ein 230km Fiesch FAI einem 260km FAI aufgewertet. Das ist schlicht ein Hohn, weil ein echtes offenes 260km FAI in Fiesch viel schwieriger ist, das natürliche Grenzen überwunden werden müssen.

Als Konsequenz werden lieber einfache Standart FAI geflogen welche man fast gratis schliessen kann.

Innovative Flüge über natürliche Grenzen hinweg werden massiv abgewertet.

Es kommt noch ein weiterer extrem wichtiger Faktor hinzu. Die 20% Regel ermöglicht eine flexiblere Planung. So können auch Gefahren umgangen werden. Am Abend sind die Ausgleichswinde besonders stark. Wenn ein Pilot durch Punkte motiviert wird ein Lee zu durchfliegen, oder gegen eine Talwind anzukämpfen habe ich da grosse Sicherheitsbedenken.

Ich würde dir empfehlen an einem Top XC Tag ein Mal um 2000 in Fiesch am Landeplatz zu stehen.

Dennis hat gesagt…

Meine Rede war vom überregionalen Wind.
Das man regionale Gegebenheiten nutzen kann und soll, ist ja legitim. Aber eben die gefährliche Großwetterlage mit Starkwind soll nicht noch animieren - ist doch eigentlich nicht so schwer zu verstehen.
Das Piloten neue Strecken versuchen wollen ist doch nicht ausgeschlossen, siehe Lex!

Das manche Dreiecke Grenzen haben, in Form von Pässen, Hauptkamm oder dunstiger Po-Luft (hört sich irgenwie ekelig an, wenn man es so sieht^^), ist Ansichtssache. Man kann auch sagen, das manche Dreiecke auf gewissen Teilstrecken extrem einfach zu fliegen sind, da sich Talverläufe perfekt aneinander reihen. Ist das selbe Dreieck, nur mal positiv betrachtet.

Eine faire Punktevergabe wird es nie geben - je nach eigener geografischer Gegebenheit, will der eine den Faktor, der andere einen ganz anderen.
Das einzige, das gemacht werden kann ist die Faktoren so zu legen, dass ein Maximum an Sicherheit gegeben ist. Das ist imho das uninteressant machen von Starkwind-Flügen. Genau das wird (wie oben erklärt) mit der neuen Regel gemacht.
NAtürlich kann man nun sagen, dass mit der 5% Regel nun gefährliche Endanflüge gefördert werden, aber da sind wir wieder in rein regionalen Gegebenheiten, für die es NIE eine faire Regel geben kann.

btw: ich war schon ein zwei mal in Fiesch und kenne das Theater da und auch das Landerodeo, wenn der Gletscherwind einsetzt (davor is es au ned grad eaay, aber hey!)

Den besten diskutierten Vorschlag finde ich bisher immer noch den Kreativ-Faktor:
Die Route wird in Teilstrecken unterteilt (nicht Schenkel, wegen mir 1km Blöcke) und über die letzten X Jahre analysiert, wieviel Flugwege durch dieses 1qkm Gebiet verliefen. Jeder Flug in diesem Quadratkilometer senkt den Kreativitätsfaktor für dieses Teilstück, So wird jedes Teilstück analysiert und mit einem Faktor belegt.
Für ein Flugabschnitt entlang der Nordseite der Nordkette (jaja, is Naturschuzgebiet) würde z.B. der Faktor 1.5 verwendet, da dort so gut wie kaum geflogen wird. Ein km wird als mot 1.5 Punkten bewertet. Wird im Pinzgau (Südhänge) geflogen, ist der Faktor logischerweise 1.
Der Faktor für ein Abschnitt wird über ein Zeitraum von X Jahren ermittelt. Wurde also jahrelang kaum geflogen im Pinzgau (zugegebenermaßen eher unwahrscheinlich), "erholt sich das Gebiet und der Faktor steigt. Wenn jetzt alle nordseitig der Nordkette fliegen, sinkt der Faktor entsprechend.
So hat man eine dynamische Wertung, welche unübliche Routenwahl bevorzugt und Rennstrecken ein wenig entwertet. Die Faktoren müssen natürlich bekannt sein. Ob sie von Saison zu saison, oder hochdynamisch alle paar Tage / Wochen ermittelt werden, ist Definitionssache.

Diese VAriante ist natürlich aufwändig und Piloten, die das Maximum rausholen wollen, müsen sich nicht nur nach WEtter richten, sondern nun auch nach Gebietsfaktoren. Mir gefällt die Idee, aber ich glaube es wäre schlicht zu kompliziert. So ein Wettbewerb lebt ja auch von der Einfachheit.

Anonym hat gesagt…

Die Schweizer haben den ''Kreativ-Faktor'' schon vor Jahren umgesetzt, es nennt sich Innovations Ranking und hat sich nicht wirklich durchgesetzt.

https://www.xcontest.org/switzerland/de/innovations/open/#flights_scored=all

Anonym hat gesagt…

Das einzige, das gemacht werden kann ist die Faktoren so zu legen, dass ein Maximum an Sicherheit gegeben ist. Das ist imho das uninteressant machen von Starkwind-Flügen. Genau das wird (wie oben erklärt) mit der neuen Regel gemacht.
NAtürlich kann man nun sagen, dass mit der 5% Regel nun gefährliche Endanflüge gefördert werden, aber da sind wir wieder in rein regionalen Gegebenheiten, für die es NIE eine faire Regel geben kann.


In diesem Punkt liegst du komplett falsch. Die 5% Regel ist eine durch die Regeln künstlich erzeugte massive Gefahr. Faktor 1.4 oder 1.6 macht einen enormen Unterschied in der Bewertung. (230km oder 260km FAI) Hier werden die schon ermüdeten Piloten am Schluss nochmals motiviert Risiken einzugehen.
Gerade wegen dem Sicherheitsaspekt sollte diese Regel nicht eingeführt werden.

Martl hat gesagt…

Sobald einem die Argumente fehlen, bemüht man einfach die Sicherheit.
Erklär mir doch mal warum die letzten 5% gefährlicher sind als die letzten 20%.

Dennis hat gesagt…

Mister Anonym: Du hast das schon gelesen dass Du zitiert hast? Ein Endanflug auf den letzten 5% ist nur dann gefährlich, wenn es regional eben so gegeben ist.
Man kann keine allgemeine Wertung für regionale Gebiete treffen.
Genau soetwas liegt in der Verantwortung eines jeden Piloten.
Diese Situation gibt es aber immer. Ob bei 5%,bei 20%, oder ob man sich auf freier Strecke noch schnell über das nächste Dorf 7nd die dahinter liegende Autobahn Blasen lässt... Am Ende ist es der Pilot, der genau dieses Risiko eingeht.
Das ist ein völlig anderer Schuh, als zu sagen "man kann nur noch gewinnen, indem man One Was Flüge macht bei Wingeschwindigleiten jenseits des Trimmspeeds"

Mir letztlich egal, wie sich die one-way Fanatiker und / oder Dreiecks-Hasser weiter rechtfertigen. In meinen Augen ist dir 5% Regel ein Schritt in Richtung mehr Sicherheit und auch Breitentauglichkeit, da nicht mehr irgendwo in der Wüste geflogen werden muss, wo jeder kleine Unfall
a) wahrscheinlicher
und
B) fataler ist

Lucian Haas hat gesagt…

Jungs, macht mal halblang. Egal wie die XContest-Leute die Wertungsfaktoren reformiert hätten, es gäbe immer Diskussionen darüber. Denn es gibt keine Regel, die den Verhältnissen weltweit gerecht werden könnte und die Leistung von Oneway-Flachland-Flügen in Brasilien mit FAI-Dreiecken in den Alpen wirklich vergleichbar machte. Dennoch wird alles in eine Wertung gepackt.

Die neue Regelung ist mal ein Versuch, der Wertungsdominanz der Highspeed-Oneways etwas entgegen zu setzen. Jetzt sollte man erst mal schauen, ob das etwas bringt, wie die Piloten das in ihre strategische Flugplanung aufnehmen etc. Wird künftig wirklich riskanter geflogen? Werden nur noch langweilige Standard-FAI eingestellt? Versuchen jetzt alle auf Teufel komm raus ihre Dreiecke zu schließen? Abwarten...

Und wem der XContest als Flugansporn vielleicht zu langweilig wird, kann ja künftig auf andere XC-Wettbewerbsformate wie z.B. XCR setzen (xc-paragliding.com), die auch Routenführungen abseits klassischer Dreiecke honorieren.

Anonym hat gesagt…

Martl:
5% lassen dir weniger Optionen bei der Planung. Es zwingt dich wieder in die Nähe vom Startplatz zu fliegen. Bei 20% kannst du einfach 1 Wendepunkt etwas erweitern und dann die eventuell gefährliche Situation beim Startplatz umgehen.
Es ist nicht immer gefährlich ein Dreieck zu schliessen. Ich habe aber auch schon viele Situationen erlebt oder gesehen wo es gefährlich war.

Mein Argument Nr. 1 ist die Kreativität. Die 20% Regel erlaubt mehr Kreativität bei der Flugplanung.

Dennis:
Die 20% lassen dem Piloten mehr Optionen.
Es ist immer der Pilot, welcher über das Risiko entscheidet. Es gibt aber auch externe Faktoren welche den Piloten motivieren. Faktor 1.6 statt 1.4 macht einen riesigen Bewertungsunterschied und motiviert dazu mehr Risiko einzugehen.

Ich bin mit dir einig was deine Meinung zu Starkwind OneWay Flügen angeht. Ich bin ein Fan von kreativen FAI Dreiecken. Die 5% Regel verhindert Kreativität.

Zur Annonymität: Das Internet ist nicht vergleichbar mit einen Gespräch zwischen normalen Personen. Die Informationen welche wir hinterlassen bleiben während Jahren für Jedermann verfügbar. Sie können personenspezifisch gefiltert werden. Dadurch werden Personenprofile erstellt welche von Firmen gekauft werden. Wenn eine Firma dich einschätzen kann, wird sie daraus Profit schlagen auf deine Kosten.

Anonym hat gesagt…

Generell befürworte ich als Alpenflieger, dass das Zumachen eines FAIs höher zu bewerten. Auf der anderen Seite gibt es in den Alpen halt wenig Gebiete wo dies möglich ist. Die Grente wird dadurch weiter aufgewertet.

Ich finde dagegen die Aufwertung eines geschlossenen flachen Dreiecks auf 1,4 zu stark. Ein „geschlossenes“ Ritsch Ratsch in Kenia oder Slowenien ist nicht identisch zu einem Dreieck.
VG
Tobi