Cheluis Weg

Fünf Tage lang harrte der Spanier Jose Luis Bernal nach einer Notlandung im Himalaya auf Rettung. Dem spanischen Online-Magazin Ojovolador erzählte er seine Geschichte.

Große Steine, kleiner Mann: So sah die Besatzung des Hubschraubers
den verschollenen Chelui vor seiner Rettung. Er wurde mangels
Landeoptionen mit einem Seil geborgen. // Foto: Juanjo García
Die Rettung von Jose Luis Bernal, alias Chelui, hat weltweit die Gleitschirmszene bewegt. Auch Lu-Glidz berichtete über das Drama  mit einem glücklichen Ausgang (s. Das Rettungsdrama von Bir und Eine Rettung und drei Lehren). Was allerdings genau zu der Notlandung führte und wie Chelui seine Tage in der Wildnis des Himalaya verbrachte, darüber gab es bislang nur wenige Informationen. Die liefert jetzt das spanische Online-Magazin Ojovolador, das mit dem glücklich Geretteten sprach, um die ganze Geschichte zu erfahren. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse:


Wie kam es zu der Notlandung im "Niemandsland"? 
Chelui geriet beim Flug vor der "Big Wall" im Hinterland von Bir-Billing in eine Wolke. Seiner Darstellung nach wurde er nicht eingesaugt, sondern die Kondensation setzte mit einem Mal neben und unter ihm ein, sodass er binnen Sekunden von der Wolke eingeschlossen war. In der Wolke herrschte starkes Steigen, und Chelui war bald orientierungslos. Er versuchte mit Ohren-Anlegen und Steilspiralen Höhe zu vernichten. Als er schließlich wieder Bodensicht hatte, befand er sich über unbekanntem und unbesiedeltem Gelände hinter einem Gebirgsrücken. Das Tal war eng, lang und bewaldet, sodass ihm ein Ausgleiten aussichtslos erschien. Darum entschloss er sich zu einer Notlandung am Hang. Wo genau er sich befand, konnte er mangels Kartendarstellung seines einfachen GPS-Gerätes nicht feststellen. Ihm war schnell klar: "Entweder komme ich aus eigener Kraft hier raus oder es wird mich niemand holen."

Hatte Chelui keinen Satelliten-Tracker?
Chelui war mit einem SPOT Messenger unterwegs, allerdings war dieser im Flug nicht eingeschaltet. Und als der Pilot das Gerät nach seiner Notlandung aktivieren wollte, musste er feststellen, dass es nicht funktionierte (trotz angeblich ordentlicher Batterien).

Wie verbrachte Chelui Tage und Nächte?
Chelui erkannte schnell, dass es unmöglich sein würde, sich durch einen Abstieg in das schmale Tal zu retten. Darum setzte er darauf, wieder auf die Berggrate aufzusteigen, um dort möglicherweise wieder starten und aufdrehen zu können. Diese Hoffnung ging aber nie auf. Er startete zwar mehrmals, doch die kalte Nordflanke, auf der er sich befand, lieferte keine nutzbare Thermik. Also blieb ihm nur der Fußweg. Der Aufstieg in unwegsamem Gelände war beschwerlich und immer wieder mit Rückschlägen verbunden. Unter großen Felsblöcken und Überhängen schlug er seine Nachtlager auf – eingewickelt in eine dünne Rettungsdecke, die er im Gurtzeug mitführte, und seinen Gleitschirm. Die Kälte überstand er nur, weil er schon zu seinem Flug mit entsprechend warmer Kleidung aufgebrochen war (Daunenjacke, Thermounterwäsche, Handschuhe und Fäustlinge etc.)

Fünf Tage ohne Nahrung?
Chelui hatte nach eigenen Angaben eine Pflaume, sechs Mandeln und einen kleinen Riegel dabei, als er notlandete. Die waren bald verzehrt. Von da an blieb ihm nur noch Schnee zu essen und Schmelzwasser zu trinken. Zudem nahm er täglich morgens und abends eine Ibuprofen-Tablette, die er in einem kleinen Notfall-Kit mitführte.

Wie wurde er schließlich gefunden?
Chelui hatte ein Funkgerät, das er während seiner Odyssee immer nur zeitweilig einschaltete, und zwar immer dann, wenn er damit rechnete, dass andere Gleitschirmflieger in der Region unterwegs sein könnten. Am dritten Tag hatte er eine Bergflanke erreicht, die südlich Richtung Bir-Billing orientiert war. Von dort sah er Piloten in der Ferne auf der klassischen Route Richtung Dharamsala fliegen. Ein argentinischer Pilot antwortete auf seine verrauschten Funksprüche und gab dieses Lebenszeichen an Cheluis spanische Kameraden weiter, die sich seit Tagen um seine Rettung kümmerten. Am nächsten Tag flog der Hubschrauber in die entsprechende Region. Chelui sah die Maschine und konnte dann wiederum per Funk auf sich und seinen Standort aufmerksam machen. Wegen schlechten Wetters konnte er allerdings erst am darauf folgenden Tag tatsächlich gerettet werden. Seine letzte Nacht am Berg sollte die kälteste und schlimmste sein. Beim steilen Abstieg vom Berg hatte er schon seinen großen Rucksack mit dem Gleitschirm verloren, der ihm zuvor als Decke diente. Und die Extra-Fäustlinge, die seine Helfer ihm aus dem Hubschrauber zugeworfen hatten, waren durch die Luftwirbel der Rotoren in ein Wasserloch geweht und somit nutzlos geworden.


Hinweis: Alle Angaben beruhen auf der Darstellung im Original-Beitrag auf Ojovolador.com. Dort sind auch noch weitere Details nachzulesen (zumindest für jene, die Spanisch verstehen). Zudem hat Ojovolador auf Youtube ein Video eingestellt, das die Rettung nachzeichnet und teilweise auf Material von Chelui selbst beruht.



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1 Kommentare:

JN hat gesagt…

Spot nicht eingeschaltet, nur ein GPS und das ohne Karte, allein unterewegs. Echt krass, wie sorglos manche in so einem Gelände unterwegs sind. Bei so viel Blauäugigkeit hält sich mein Mitleid echt in Grenzen.