Untwist it, baby

Es kommt selten vor, doch manchmal kann der Pilot im Verhältnis zum Schirm eingedreht werden. Für das Lösen des Twists ist eine Technik der Fallschirmspringer interessant.

Technik-Demo, wie man einen Twist weiter nach unten bringen kann,
um darüber zu greifen. // Quelle: Vimeo, Skydive Mag
Bei Fallschirmspringern kommt es häufiger vor, dass sie sich nach dem Öffnen der Kappe erst noch austwisten müssen, weil sich ihr Schirmpaket bei der Auslösung in der Luft verdreht hat. Die Grundtechnik dafür lautet: Man greife oberhalb des Twists in die Leinen und drehe sich damit aus.

Doch was tun, wenn der vertwistete Teil der Leinen so hoch sitzt, dass man gar nicht mehr darüber langen kann?

Fallschirmspringer haben dafür eine besondere Lösung: Sie packen erst einmal das gesamte Leinenbündel unterhalb des Twists und drehen es in die gleiche Richtung wie der Twist. Das heißt: Wandern die Leinen beim Blick nach oben nach rechts, dreht man das Leinenbündel darunter auch nach rechts – und umgekehrt.

Dieses Manöver hat folgenden Effekt: Der Twist wandert automatisch weiter nach unten, und so kann man in vielen Fällen doch noch darüber in die Leinen greifen und sich ausdrehen.

Allerdings sollte man so etwas nur bei ausreichender Höhe und Kontrollfähigkeit des Piloten machen. Bei einem heftigen, unkontrollierten Spiralsturz im Twist dürfte der Retterwurf häufig die beste Wahl sein, mit so einer Situation umzugehen!

Das animierte GIF oben zeigt einen Ausschnitt aus einem kurzen Video des Skydive Mag auf Vimeo, das diese Technik demonstriert. Darauf aufmerksam wurde ich übrigens durch einen Hinweis im Newsletter des Thermik-Magazins. Danke!


4 Kommentare:

Shoulders hat gesagt…

Bei einem vertwisteten Spiralsturz braucht man das gar nicht erst versuchen. Da hängt der Pilot nämlich nicht senkrecht unter einem schmalen, sondern stark ausgelenkt gegen einen breiten Schirm. Luftwiderstand und Schwerkraft machen ein Ausdrehen in dieser Lage so schwer, dass man die erforderliche Kraft nicht mal ansatzweise aufs Leinenbündel bringt (selber über ein paar hundert Höhenmeter ausprobiert und dann den Retter geworfen - sonst gäbe es diesen Beitrag wohl nicht).

Der Retterwurf ist hier nicht "vielleicht die beste", sondern definitv die einzige Wahl!

Uli hat gesagt…

Aus eigener Erfahrung: So ein vertwisteter Spiralsturz hat leider auch die fatale Tendenz zum weiterbeschleunigen. Auch bei ausreichender Höhe sollte man also m.E. nicht lange rumbasteln, sondern schnell mit dem Retter raus, bevor man dazu nicht mehr in der Lage ist. Da wirken dann doch auf einmal ganz ordentliche Kräfte, ich hätte mich definitiv nicht mehr ausdrehen können

Valentin hat gesagt…

Hier noch ein interessantes Video, wenn man ausreichend Höhe hat! Spiraldrehung wurde mit der Steuerleine trotz mehrfachen Twist gestoppt. Der Pilot enttwistet
sich mit eingeleitetem Trudeln.
https://vimeo.com/14177437

Sam hat gesagt…

Genau wegen dem Video (Valentin's Kommentar) konnte sich ein Freund schonmal aus einer Twist-Situation befreien. Er hat sich an Simon Winkler und das Video erinnert. Und nur so konnte er erst die Rotation stoppen und sich anschließend austwisten. Aus diesem Grund finde ich es gut hier mögliche Lösungen aufzuzeigen. Es muss uns aber auch allen bewusst sein, dass nahezu jede Notsituation einzigartig ist. Es gibt nicht viele, die solche Situationen so beherrschen und z.B., wie im Video zu sehen, ständig ihre Höhe kontrollieren. Deshalb ist ebenfalls wichtig, was Stefan und Uli geschrieben haben. Für viele Piloten gibt es in solchen ähnlichen Situationen nur die Lösung - RETTER RAUS! Denn je früher das passiert, umso wahrscheinlicher ist ein guter Ausgang.