WM 2019 endet italo-französisch

Joachim Oberhauser und Méryl Delferriere gewinnen die Gleischirm-Weltmeisterschaft in Krusevo. Bei den Nationen teilen sich Italien und Frankreich am Ende punktgleich Platz 1.

Weltmeister und Weltmeisterin 2019: Joachim Oberhauser und
Méryl Delferriere. // Quelle: FAI CIVL, Markus King
Bei den letzten Tasks der WM im mazedonischen Krusevo wurde es noch einmal spannend. Vor allem Task 9 von 10 mischte noch einmal vieles durcheinander. Der Italiener Marco Busetta hatte sich nahezu unbemerkt vom Pulk abgesetzt und war mit 13 Minuten Vorsprung ins Ziel geflogen. Am Ende des Tages holte er so die maximalen 1000 Tagespunkte, ließ aber viele andere ratlos zurück. Denn auch im Pulk erreichten viele Pilotinnen und Piloten das Goal, doch mit einer deutlich niedrigeren Punktezahl war klar: Für viele wird dieser Tag als Streichresultat gewertet. Und mit einem mal war die Rangliste noch einmal bunt durcheinander gewürfelt.

Am besten bekam dieser "Schock" dem Italiener Joachim Oberhauser. Er war am konstantesten geflogen, was durch das Streichresultat nur umso stärker hervorgehoben wurde. Vor Beginn des letzten Tasks stand er dann zwar noch nicht als Weltmeister fest, aber Simulationsrechnungen aller möglichen Punkteausgänge zeigten: Nur vier Piloten würden am Ende noch um den Titel fliegen. Joachim schaffte es, seine ärgsten Konkurrenten auch am letzten Tag noch hinter sich zu lassen. Sein Titel als Weltmeister ist damit absolut verdient!

Dahinter ging es von Platz 2 bis Platz 10 sehr knapp zu – mit nur 16 Punkten Abstand. Interessant auch: Alle ersten zehn Plätze wurden von Piloten aus zehn unterschiedlichen Nationen belegt.

In der Wertung der Frauen hatte sich die Französin Méryl Delferriere schon früher im Wettbewerb einen kleinen Vorsprung erflogen. Auch am Ende gab sie sich keine Blöße und flog den Task gemeinsam mit der Zweitplatzierten Yael Margelisch aus der Schweiz ins Ziel.

Spannend wurde es noch bei der Nationenwertung. Der Solo-Husarenritt Busettas hatte Italien an die Spitze befördert. Am letzten Tag warfen die Franzosen aber noch einmal alles nach vorne, und vor allem Honorin Hamard zeigte eine tolle Leistung. Damit sprang er nicht nur in der Einzelwertung noch von Platz 12 auf Platz 3, sondern hievte auch Frankreich ganz nach oben aufs Podest – allerdings mit Italien zusammen. Denn am Ende hatten beide die gleiche Punktzahl. Nach zehn gewerteten Tasks mit mehr als 1000 geflogenen Kilometern zeigt das einmal mehr, mit welcher Leistungsdichte heute bei solchen Wettbewerben geflogen wird.

Die nächste Weltmeisterschaft findet 2021 im französischen Annecy statt.

Die Ergebnisse der Wertungen (Overall, Frauen, Nationen):

Overall:
1. Joachim Oberhauser (ITA), 7308 P.
2. Gleb Sukhotskiy (RUS), 7218 P.
3. Honorin Hamard (FRA), 7216 P.

Frauen:
1. Méryl Delferriere (FRA), 7159 P.
2. Yael Margelisch (SUI), 7056 P.
3. Kari Ellis (AUS), 6685 P.

Nationen:
1. Italien / Frankreich (18821)
2. Japan (18703)
(...)
4. Schweiz
11. Österreich
12. Deutschland

9 Kommentare:

Markus Sch hat gesagt…

Was mögen die Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands im Rahmen der Nationenwertung sein? Einer davon dürfte meiner Meinung nach die schwer nachvollziehbaren bzw nicht erkennbaren Kriterien für eine Teilnahme sein. Ich selbst fliege seit 5 Jahren mit großer Ambition und teils auch schon ansehnlichen Flügen und habe mich schon des öfteren gefragt, wie man eigentlich bei diesem Wettbewerb mitmachen kann. Nicht, dass ich unbedingt WM-Niveau hätte, aber mir gestaltet sich die ganze Thematik recht intransparent.
Wo kann man sich anmelden? Was muss man nachweisen? Danke für Aufklärung. Markus

Martin hat gesagt…

Hallo Markus
deine große Ambition scheint sich ja nur auf manche Gebiete zu beschränken. Lass mich dir helfen: https://lmgtfy.com/?q=DHV+Wettbewerbe+wegweiser

Viel Erfolg
Martin

Lucian Haas hat gesagt…

Hat Deutschland schlecht abgeschnitten? Immerhin ist Ulrich Prinz auf Rang 4, nur vier Punkte hinter Platz 2...

Bei der Nationenwertung gibt es keine Streichresultate. Und wenn bei einem Task die deutsche Elite zwar mit den ersten die ESS erreicht, aber danach gesammelt vor dem Ziel absteht, gibt es halt sofort die Quittung mit Punkten, die am Ende fehlen. Klassisch verzockt. Wäre da nur einer durch gekommen, wäre ein ganz anderes Resultat möglich gewesen. So ist das beim Racing. Mal hat du kein Glück, und dann kommt auch noch Pech hinzu. An der Auswahl liegt das nicht. Da hatte D sogar 3 Piloten am Start, denen alle auch den WM Titel zutrauen würden.

Markus Sch hat gesagt…

Hallo Martin, anscheinend hast du dir die Ergebnisse deiner Suche nicht mal selbst angeschaut. Nimmt man die DHV-Seite als ersten Treffer ist dort gleich mal zu lesen: "Das System ist kompliziert und selbst für Experten nur schwer zu durchschauen"..

Entsprechend beliebig lesen sich dann auch einige Ausführungen bzw. Kriterien.

Weiter unten heißt es dann z. B. speziell jetzt zum PWC:
"Nur die allerbesten Piloten der einzelnen Länder werden nach einem strengen Selektionsverfahren ausgewählt. Nicht mehr als fünfzehn Deutsche - die nicht zwangsläufig Mitglied des Nationalteams sein müssen - schaffen es, sich zu qualifizieren."
Wie das Selektionsverfahren genau aussieht, ist aber nirgendwo zu lesen.

Wenn jemand konkrete Fakten hat, gerne her damit

Markus

Simon hat gesagt…

https://www.dhv.de/piloteninfos/wettbewerb-sport/gleitschirm-szene/nationalmannschaft/

Sebastian hat gesagt…

Wer gut genug ist wird ausgewählt, es reicht wenn der DHV das System blickt.

Markus Sch hat gesagt…

@Sebastian
Stimmt, Fakten verstehen ist total überbewertet heutzutage. Sollten wir beim Fußball oder Tennis vielleicht auch mal einführen. Die sollen einfach mal spielen und dann soll der Schiri am Schluss einfach sagen, wen er besser fand....
Vorausgesetzt, der Schiri weiß überhaupt, dass gespielt wird...

Markus

OttoS hat gesagt…

@Markus Sch
Du musst aber schon zugeben, dass die Fragen schon von etwas Naivität zeugen.
Oder fragst Du Dich auch beim Fußball wie die Nationalmannschaft für eine Weltmeisterschaft zusammengestellt wird? Und "wie man eigentlich bei diesem Wettbewerb mitmachen kann"?


Die angegebenen DHV-Seiten sind ja schon sehr hilfreich. Wenn Du dich wirklich für Wettbewerbe interessierst, ist die Kenntnis der Wettwerbsordnung eigentlich Pflicht:
https://www.dhv.de/fileadmin/user_upload/aktuell_zu_halten/service/downloads/sport/wettbewerbsordnung.pdf

Da steht auch nochmal drin wie das Nationalteam ausgewählt wird. Dann erkennst Du auch, dass die drei besten lt. WPRS ausgewählt wurden. P. Haag ist wohl der Joker, steht aber auch in WPRS weit oben. Es macht wohl Sinn auch auf die Jugend zu setzen und nicht immer die "alten Säcke" (sorry ;-)) zu nominieren.

Im Prinzip ist es ganz einfach. Flieg etliche Wettbewerbe, schneide dabei gut ab und Du landest in den Ranglisten weit oben und hast Chancen für einen Nominierung/Selektion.

Auch sollte der Unterschied zwischen Nationalmannschaft und PWC klar sein (da Du den PWC hier erwähnt hast, bin ich mir da nicht so sicher bei Dir).

Für den PWC musst Du erst einmal registriert sein. Dann müssen Deine Wettbewerbsergebnisse so gut sein, dass Deine "qualification letters" gut genug sind, um überhaupt eine Chance bei der Selektion zu haben. Hier sind alleine Deine Leistungen ausschlaggebend, ohne einen Teamchef. Und bei den beliebteren PWC's musst Du schon sehr gut sein.

Auch hier ist das Regelbuch zu lesen Pflichtprogramm und erzählt Dir auch etwas über den Selektionsprozess:
http://pwca.org/rules/PWCA%20Competition%20Rules%202019.pdf

Markus Sch hat gesagt…

@OttoS

Danke für deine Erklärungsansätze und Links, die zumindest ein bisschen Licht, in das von mir nach wie vor als instransparent empfundenen Thema bringen. Mag sein, dass die Fragen naiv klingen, aber viele im meinen Flieger-Umfeld stellen sich ähnliche Fragen, und da sind einige dabei, die mit High-B oder Cs regelmäßig Dreiecke über 200 km fliegen.
Wenn man als Verband wie der DHV, daran Interesse hat, die Begeisterung für den Gleitschirm-Sport zu steigern und die Wettbewerbe (sowohl für Zuschauer als auch für potentielle Teilnehmer) zu begeistern, sollte man meiner Meinung nach schon versuchen, das Ganze nachvollziehbar und transparent zu gestalten.
Beschweren sich doch immer alle, dass die Wettbewerbe keine Sau interessieren und das Format im Fernsehen keine Chance hat. Wäre dann doch mal ein Ansatzpunkt, hier einfachere und zumindest für andere Gleitschirm-Piloten relativ einfach nachzuvollziehende Regeln einzuführen.
Sieht man ja an X-Alps und Bordairrace (sowohl was Qualifikation als auch Reglement betrifft) wie man es anders machen kann und dass der Reiz gerade in einem Konzept liegt, das jeder schnell versteht.

Nur meine Meinung...

Markus