Raffinierte Thermikkarte

Wo stehen die nächsten, mit einer definierten Abflughöhe erreichbaren Thermiken? Die dynamische Thermal Map liefert eine spielerische Hilfe für die eigene Flugplanung. 

Bild 1: Vom Wallberg aus (blauer Ortsmarker) kann man
Mitte Mai zur Mittagszeit mit einer Abflughöhe von 2000m
die Gipfelthermik der östlich gelegenen Wasserspitz 
gut erreichen. // Bilder: thermik.pumpt.net
In den XC-Datenbanken schlummert ein wahrer Datenschatz: Zehntausende von Flügen, deren igc-Files Infos über Millionen von real erflogenen Thermiken bergen. Der Münchener Gleitschirmpilot und Programmierer Ulrich Scheller hat mit Unterstützung des Informatikers Maximilian Koch begonnen, diesen Schatz auf ganz besondere Weise zu heben. 

Sie nutzen automatisierte Routinen, um Flüge herunterzuladen und die Thermikdaten herauszufiltern. Das Ergebnis ist eine Datenbank, in der bereits Hundertausende Thermikpunkte hinterlegt sind – und zwar nicht nur  geographisch verortet, sondern auch mit der zugehörigen Tages- und Jahreszeit, der Ein- und Ausstiegshöhe, mittlere Stärke, dem Versatz etc.

All diese Daten wären wenig wert, wenn man nicht eine passende Software hätte, um sie genauer analysieren und vor allem visualisieren zu können. Ulrich Scheller hat dafür eine spezielle Website programmiert. Unter thermik.pumpt.net findet sich die sogenannte Thermal Map. Sie zeigt eine klassische, zoombare Topokarte, auf der die Thermikpunkte eingezeichnet werden.

Die Besonderheit der Thermal Map ist, dass sie einen speziellen Filter-Algorithmus verwendet. Damit werden nicht alle Thermiken angezeigt, sondern nur jene, die von einem verschiebbaren Positionspunkt aus im Gleitflug erreicht werden können. Dafür muss man zusätzlich noch die jeweilige Flughöhe, das Datum und die ungefähre Tageszeit angeben. 

Bild 2: Die gleiche Zeit wie bei Bild 1, aber mit nur 1800m
Abflughöhe. Alle erreichbaren Thermikeinstiege bei der
Wasserspitz liegen unterhalb des Gipfels am Hang. 
Verändert bzw. verschiebt man diese Rahmenbedingungen, liefert der Algorithmus jeweils etwas andere Ergebnisse. 

Denn vormittags beispielsweise stehen in der Regeln noch keine Thermiken in Westhängen, wo sie am Nachmittag aber durchaus anzutreffen sind. Manche Thermiken wird man erst mit einer gewissen Mindestabflughöhe erreichen können (der Algorithmus von Thermal Map rechnet mit einer Fluggeschwindigkeit von 36 km/h und 1,2 m/s Sinken, was einer Gleitzahl von rund 8,3 entspricht). Setzt man die eigene Flughöhe tiefer an, werden weiter entfernt liegende, dann nicht mehr erreichbare Thermik-Einstiegspunkte erst gar nicht angezeigt. In ähnlicher Weise filtert der Algorithmus allerdings auch jene Thermiken der näheren Umgebung aus, für die man im Grunde schon so hoch ist, dass man sie getrost überfliegen bzw. auslassen kann – weil der in den Daten verzeichnete Thermikausstiegspunkt von der aktuellen Position noch im Gleitwinkel erreichbar wäre. 


Hilfe für die Flugplanung

Mit Hilfe der Thermal Map kann man interessante Details für die eigene Flugplanung abklären – wobei man auf die in den gesammelten XC-Flugdaten enthaltenen Erfahrungen vieler anderer Piloten zurückgreift. 

Nehmen wir als Beispiel den Wallberg am Tegernsee (s. Bilder 1-3): Wenn man dort Mitte Mai zur Mittagszeit (13 Uhr) den Gipfel überhöht, wie weit müsste man wohl aufdrehen, um nach einem Talsprung die Gipfelthermik der östlich gelegenen Wasserspitz sicher zu erreichen? 

Dafür setzt man seinen Orts-Pin auf den Wallberg und verschiebt dann den Höhenregler in kleinen Stufen langsam nach rechts. Dabei kann man beobachten, wie mit zunehmender Höhe auch mehr erreichbare Thermiken jenseits des Rottach-Tales immer höher am Hang auftauchen. Ab rund 2000 Meter Abflughöhe liegen viele dieser Thermikpunkte genau über der Wasserspitz. Daraus lässt sich folgern: Mitte Mai sollte man mittags am Wallberg am besten bis mindestens 2000 Meter aufdrehen, um über der Wasserspitz einen sicheren thermischen Anschluss zu finden (s. Bild 1). Fliegt man am Wallberg mit nur 1800 Meter Höhe ab, sind nur Thermiken unterhalb des Gipfels erreichbar (s. Bild 2).

Bild 3: Abflughöhe 2000m am Wallberg, aber als Tageszeit
ist 11.30 Uhr gewählt. An der Wasserspitz werden noch kaum 
Thermiken angezeigt. Wer dort sicheren Anschluss will, sollte
den Talsprung besser erst etwas später probieren.
In ähnlicher Weise lässt sich checken, ab welcher Tageszeit man diesen Talsprung angehen sollte. Dafür behält man nun die ermittelten 2000 Meter als Abflughöhe konstant bei, stellt dann aber die gewählte Zeit in Halbstunden-Schritten zurück. Im gewählten Beispiel zeigt sich (s. Bild 3), dass um 11.30 Uhr noch kaum eine Thermik in Gipfelnähe der Wasserspitz angezeigt wird. Wer also sicher in diese Richtung weiterfliegen wollte, sollte das nicht zu früh versuchen.

Eins muss man sich beim Spiel mit der Thermal Map bewusst sein: Die Datengrundlage ist nicht überall gleich gut. Je stärker eine Flugregion beflogen wird, desto mehr auswertbare Flüge finden sich auch in den XC-Datenbanken, d.h. die darauf basierenden Analysen werden genauer und aussagekräftiger.

Bisher beinhaltet die Datenbank der Thermal Map Flugdaten aus dem DHV-XC und dem französischen XC-Server des FFVL. Flüge aus manchen Gebieten der Schweiz beispielsweise sind darin noch  unterrepräsentiert. Gleiches gilt für die meisten deutschen Flachland- und Mittelgebirgsregionen.

Link: https://thermik.pumpt.net/ 


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