Weltweite MOS-Meteogramme

Die neue Wetterseite Profiwetter.ch bietet Meteogramme besonderer Qualität: Dank statistischer Korrekturen sind die Ergebnisse oft zutreffender als reine Modelldaten.

Profiwetter.ch: Rund 4000 MOS-Meteogramme aus aller Welt.
// Quelle: Profiwetter.ch
Model Output Statistics (MOS) steht für ein Vorhersageverfahren der Meteorologie, bei dem die Ergebnisse von Wettermodellen mit den real gemessenen "Erfahrungswerten" von Wetterstationen aus der Vergangenheit verrechnet werden. Auf Basis statistischer Methoden findet so eine Anpassung der Modellergebnisse an die lokalen Verhältnisse statt, wodurch sich die Qualität der Lokalprognosen verbessern lässt.

Ein Beispiel: Ein Wettermodell gibt für einen Ort Westwind aus und eine 100 prozentige Regenwahrscheinlichkeit. Dieser Ort liegt allerdings im Wind- und Regenschatten eines Berges, der im Modellraster gar nicht erfasst ist. Die realen Messungen einer lokalen Wetterstation zeigen in der Vergangenheit bei solchen Wetterlagen typischerweise Südwind und nur 30 prozentige Regenwahrscheinlichkeit. In einem MOS-Meteogramm werden diese wiederkehrende Abweichung berücksichtigt und die Modellwerte entsprechend korrigiert.

Viele große Wetterdienste setzen heute bei Lokalprognosen auf MOS-korrigierte Daten. Im Internet sind diese allerdings nur selten frei verfügbar. In der Regel basieren die Meteogramme, die man zum Beispiel auf Seiten wie Windy oder Meteoblue findet, auf dem direkten Output der Modelle (DMO). Eine Ausnahme sind die 4-Tage-Prognosen zu den Wetterstationen von Meteomedia, die es allerdings nur für einige Länder Europas gibt.

Der Meteorologe Lukas Lehner hat sich jetzt daran gemacht, diese Lücke zu füllen. Auf seiner neuen Seite Profiwetter.ch bietet er weltweite MOS-Meteogramme, die gleich auf mehrfachen statistischen Korrekturen beruhen. Die Daten stammen dabei vom Deutschen Wetterdienst DWD. Dieser verrechnet für seinen sogenannten MOS-Mix verschiedene Wettermodelle, deren Ergebnisse an die lokalen Stationsdaten-Historien angepasst sind.

Wer nun bei der Flugwetter-Vorschau für seine Region auf MOS-Meteogramme achten will, sollte sich allerdings eines bewusst sein: Die Korrekturen der Modelldaten hängen sehr stark vom Standort der jeweils berücksichtigten Wetterstation ab. Steht eine Station im Tal, wird die MOS-Ausgabe des Windes nicht die überregionale Windsituation wiederspiegeln, sondern die typischen Strömungsmuster im Tal. Um einen etwas breiteren Blick für die Wetterentwicklung zu gewinnen, lohnt es sich also, verschiedene Stationen in der Region zu betrachten. In den Meteogrammen ist übrigens in der Titelzeile stets auch die Standorthöhe (MSL) der Station vermerkt. So kann man leicht erkennen, ob die Station auf einem Berg oder eher im Tal steht.

Tipp: Wer viel in den Alpen fliegt, sollte sich die MOS-Meteogramme typischer Föhn-Referenzstationen wie Patscherkofel, Sonnblick, Jungfraujoch oder Reschenpass als Bookmark setzen, um hier statistisch "gepimpte" Hinweise auf riskante Föhnlagen zu bekommen. Dabei gilt es vor allem auf die Werte der 12h-Wahrscheinlichkeit starker Böen zu achten.


Hier noch ein kurzes Interview mit Lukas Lehner über seine Seite Profiwetter.ch

Rechnest Du die MOS-Daten für die Meteogramme selber oder übernimmst die Daten von einem Wetterdienst? 
Lukas Lehner: Die Daten stammen vom Deutschen Wetterdienst, der weltweit führende Wettermodelle besitzt und sogar betreibt. Auf meiner Seite werden weltweit knapp 4000 verfügbaren Vorhersagen als Diagramm gezeigt, wobei der Schwerpunkt in Mitteleuropa liegt. Die Vorhersagen werden dabei zwei Mal täglich aktualisiert.

Die Meteogramme beruhen auf einem sogenannten MOS-Mix, bei dem gleich mehrere Modelle miteinandern kombiniert werden. Wie funktioniert das?
Lukas Lehner: Im Rechenzentrum des DWD werden zuerst statistisch korrigierte Vorhersagen für die Modelle IFS (ECMWF) und ICON (DWD) berechnet, die danach statistisch optimal kombiniert werden. Das Prinzip des MOS (Model Output Statistics) der modernen Wettervorhersage beruht darauf, dass Vorhersagefehler der Vergangenheit durch die intelligente Verknüpfung von Vorhersagen und gemessenen Werten in den Wettervorhersagen möglichst beseitigt werden. Viele Wetteranbieter zeigen Wettervorhersagen von direkten Modellergebnissen, wobei das Prinzip der statistischen Korrektur und Koppelung zweier modernen Wettermodelle einen deutlichen Vorteil bringt und im Mittel zuverlässigere Wettervorhersagen berechnet.

Was trieb Dich dazu, diese Seite aufzusetzen?
Lukas Lehner: Es gibt weltweit genügend Wetterportale. Allerdings beruhen deren Prognosen meist auf einfachen Interpolationen zwischen den Gitterpunkten, welche die Modelle berechnen (Direct Model Output). Die Vorhersagen auf profiwetter.ch berücksichtigen mit Hilfe der statistischen Korrektur die lokalen Wetterbedingungen. Das macht die Vorhersagen einmalig.

In welchen Punkten der Vorhersage profitiert ein MOS-Meteogramm Deiner Erfahrung nach am stärksten gegenüber dem direkten Modell Output?
Lukas Lehner: Bei MOS-Daten werden konstante Vorhersagefehler der Vergangenheit und besondere lokale Eigenheiten in den Prognosen berücksichtigt. Besonders stark zeigt sich das bei der Windrichtung und Windgeschwindigkeit in Tälern oder topographisch bedingten Unterschieden bei den Regenmengen.

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2 Kommentare:

JN hat gesagt…

Die Seite läuft auf MAC OS (zumindest bei mir) nicht wirklich.

Anonym hat gesagt…


Unter Mac Os High Sierra läuft die Seite gut, könnte es am Browser liegen? Nutze selber Firefox.

Beste Grüsse

Matthias