DHV tappt in die Facebook-Falle

Beim Fotowettbewerb des DHV ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Das drittplatzierte Foto wurde nachträglich disqualifiziert. Und warum bekam Platz 1 so viele Likes aus Brasilien?

Pssst, wer will ein Dislike kaufen? // Quelle: Wikimedia
Für den alljährlichen Fotowettbewerb hatte sich der DHV in diesem Jahr ein besonderes Prozedere ausgedacht. Es sollten jene Motive als Gewinner ermittelt werden, die auf Facebook die meisten "Likes" bekommen. Was auf den ersten Blick so schön basisdemokratisch erscheint, entpuppt sich auf den zweiten aber als zweischneidig. Denn mit Likes auf Facebook kann leicht Schindluder getrieben werden.

Ob das im Zuge der Abstimmung des DHV-Fotowettbewerbs auch geschah, wird kaum nachzuweisen sein. Allerdings ist doch etwas auffällig: Das Foto, das letztendlich auf Platz 1 gewählt wurde, erhielt im Rahmen des Abstimmungszeitraumes 390 Likes. Wer nun einmal etwas genauer hinschaut, wer alles diesem Bild sein "Like" zuteil werden ließ, der wird sich etwas wundern. Denn vor allem am Ende der langen Like-Liste häufen sich Stimmen, die aus Brasilien kommen. Folgt man den Links zu den Profilen, so erwecken einige der zugehörigen Profilbilder so gar nicht den Anschein, als habe man es hier mit interessierten Gleitschirmfliegern zu tun. Könnten hier etwa "gekaufte" Likes mit im Spiel gewesen sein?

Dies ist nur ein Beispiel, zu welchen Preisen
Foto-Likes angeboten werden.
// Quelle: likeskaufen.eu 
Immerhin sollte man bedenken: Bezogen auf den Fotowettbewerb wäre der Taschenspielertrick mit den erkauften Stimmen durchaus lukrativ. 100 Facebook Foto-Likes sind heute im Internet schon für 3,99 Euro und weniger zu bekommen. Für 400 Likes, um den Fotowettbewerb zu gewinnen, hätte man demnach in diesem Jahr nur knapp 16 Euro zahlen müssen. Betrachtet man nun die 250 Euro, die der DHV als Preis für den 1. Platz ausgelobt hat, ergibt sich daraus eine ordentliche Rendite.

Wie schon gesagt: Ob hier tatsächlich nicht ganz korrekte Machenschaften die Entscheidung des Fotowettbewerbs mit beeinflusst haben, bleibt unbewiesen. Allerdings hat die Geschichte, wie die Schwaben sagen würden, ein "Gschmäckle". Dem DHV ist jedenfalls anzuraten, bei künftigen Wettbewerben die Abstimmung nicht mehr der Willkür von Facebook-Likes zu überlassen.

Dass solche Wettbewerbe offenbar dazu einladen, es nicht immer mit ganz korrekten Dingen zugehen zu lassen, zeigt noch ein weiteres Beispiel: Bei dem ursprünglich auf Platz 3 gewählten Motiv stellte sich heraus, dass es gar nicht von dem deutschen Gleitschirmflieger stammte, der es eingereicht hatte. Vielmehr war ein österreichischer Pilot der Fotograf. "Ich freue mich über jeden, der mein Bild liked", hatte der unrechtmäßige Teilnehmer noch als Kommentar in die DHV-Fotogalerie geschrieben.

Als der DHV durch Hinweise anderer Nutzer der Schummelei gewahr wurde, blieb ihm nichts anderes übrig, als das Bild aus der Wertung zu nehmen. "Aus bildrechtlichen Gründen ist der ehemalige dritte Platz disqualifiziert worden. Somit rutscht der 4. Platz auf das Podest nach", heißt es nun an entsprechender Stelle.

Nachtrag: Folgt man der Ausschreibung des Fotowettbewerbs des DHV, so handelte es sich freilich gar nicht um eine Schummelei. Die Ausschreibung ist an dieser Stelle rechtlich nicht eindeutig. Es fehlt darin eine explizite Regel, dass nur solche Bilder eingereicht werden dürfen, die die Teilnehmer selbst geschossen haben und an denen sie alle Bildrechte besitzen. Um hier nicht mitten in einem Urheberrechtsstreit zu geraten, hat der DHV dennoch entschieden, das bemängelte Bild aus der Wertung zu nehmen.

10 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wieso überhaupt Facebook als Plattform?
Ich fühle mich ausgeschlossen da ich keinen Bock habe mich auf Facebook zu registrieren und die Datenkrake zu füttern.
Soviel zu Basisdemokratisch.
Gibts beim DHV ne Feedbackseite? Ich würde dem DHV das auch gern direkt mitteilen.

Hermann hat gesagt…

Mein Sohn ist 18 und sagt wie viele seiner Freunde: "Facebook ist etwas für Spacken". Eine Plattform für Selbstdarsteller, Wahlmanipulierer und ungehobeltes Geschmier von Minderbemittelten muss man nicht haben. Das sollte der DHV wissen.

Nicole hat gesagt…

DHV und Facebook ist meiner Ansicht nach eine suboptimale Kombination ! Facebook hat schon lange einen schlechten Ruf dem sie sich immer wieder mehr als gerecht werden ! Viele Flieger im näheren Umfeld und auch Ich haben uns schon lange distanziert und unsere Accounts gelöscht ... im Nachhinein anzuprangern das auf Platz 3 gewertete Bild sei nicht selbst geschossen ist nicht in Ordnung ! Regeln legt man vor dem Wettbewerb fest ! Schade für alle Beteiligten !

Martin S. hat gesagt…

Ich bin beruflich im Social Media-Bereich unterwegs und denke, diese Fake-Likes-Aktion wäre mal ein guter Anlass, um über die Sinnhaftigkeit des Facebook-Auftritts des DHV ganz allgemein nachzudenken.
Der DHV-Auftritt ist ja nun doch schon ne Weile online und aktuell hat die Seite gerade mal gut 2000 Anhänger (sofern da keine Fakes und Doppelaccounts dabei sind) und das bei über 40000 Vereinsmitgliedern. Konkret: also nur ca. 5% scheinen interessiert an DHV-Infos per Facebook. Bei den aktuellen Beiträgen auch nur gut zweistellige Likes, da bekommen manche Urlaubsfotos von Privatpersonen aus dem Bekanntenkreis mehr Likes. Tendenz vermutlich auch noch fallend, da bei Leuten unter 30 Jahren Facebook immer weniger eine Rolle spielt und selbst viele meiner fliegenden Freunde Anfang 30 mit Facebook nichts mehr am Hut haben.
Die Zeit lieber in nen guten abonnierbaren Newsletter investieren, denke da hat jeder mehr davon. Und da könnte man dann auch mal ordentliche Umfragen machen mit entsprechenden Tools wie limesurvey oder lamapoll, sei es zur Verbandspolitik oder zu Fotowettbewerben....
Vor 10 Jahren hätte ich gesagt, eine Facebook-Präsenz ist sinnvoll für eine Organisation wie den DHV, aber heutzutage reitet man da zunehmend ein totes Pferd (was nicht heißt, dass für große Unternehmen eine Präsenz dennoch sinnvoll sein kann).

Otto hat gesagt…

Bezug nehmend auf die Daten von Martin S. :
Bei nur 5% Facebook-Anhängern von den 40 000 DHV Mitgliedern wäre es wirklich sinnvoll zu übderdenken ob es eine Notwendigkeit für den DHV gibt einen Fulltime-Job
"Abteilung" Social Media beim DHV zu erschaffen?
Oder ob die Mitgliedsbeiträge nicht sinvoller zu verschwenden wären?
Es ist sicher nur Zufall, dass der DHV Gerschäftsführer und der neue
"Social Media Experte" früher gemeinsam in der Flugschule Chiemsee gearbeitet haben.
Wer da Zusammenhänge sieht, ist bestimmt auch Anhänger von Verschwörungstheorien! :-)

Anonym hat gesagt…

Ich hatte kein FB, will kein FB und werde es nicht wollen. Überhaupt nervt es ganz ordentlich, dass viele Sachen nur im Zusammenhang mit der Krake gemacht werden sollen/werden/können.
Ich hätte mir die Photos wohl gern angesehn und eventuell auch abgestimmt. Aber FB,nein danke.

Anonym hat gesagt…

Wie viele andere schließe ich mich der Meinung an, dass gerade Facebook aber auch andere sog. "soziale" Netze eher ausschließen als inkludieren. Das ist in höchstem Maße unsozial.

Ich denke der DHV braucht das gar nicht. Und wenn, dann maximal als Ergänzung - niemals exclusiv.

Ein wenig nachvollziehen kann ich die Strategie, weil FB eine fertige Platform stellt, wo man keinen Entwickler / Administrator / Techniker benötigt um eine eigene Webseite am Laufen zu halten. Gerade deswegen ist es aber auch so gefährlich und fatal, wenn immer mehr Unternehmen und Vereine sich darauf einlassen.

ErikS

Martin S. hat gesagt…

@Otto: Interessant... wusste ich noch gar nicht.
Hab nur mal von einem befreundeten Fluglehrer mitbekommen, dass die Schwester vom neuen Geschäftsführer auch irgend eine Teilzeit-Expertenrolle beim DHV bekommen hat, für Psychologie oder so...

Ach ja, hier z. B.
https://www.dhv.de/db2/details.php?qi=evt_veranstaltungsdetails&item=1934&lang=de

Diese netten neuen Pöstchen wurden scheins hauptsächlich im Freundes- und Verwandtenkreis vergeben.

Dalek Sander hat gesagt…

Toll. Jetzt folgt also auch der DHV der idiotischen Mode, Fotowettbewerbe über die „Likes“ entscheiden zu lassen. Das macht aus einem Fotowettbewerb einen Wettlauf zwischen den Leuten mit den meisten „Friends“/„Followers“; sprich: mit den meisten Kulanten out there, schließt zudem Leute ohne „Social“-Media-Affinität per se aus. Natürlich generiert das Klicks für den DHV – was die einzige Ursache für den Quatsch sein wird. Mit einem Fotowettbewerb hat so eine Marketingaktion aber nichts mehr zu tun. Als ich zum ersten Mal über diese idee las, dachte ich spontan: „Hoffentlich endet es mit einer FKF-Landung“. Und da haben wir es. Daumen hoch… sozusagen.

Ralph hat gesagt…

Ich hatte mich schon gewundert, dass der DHV stolz seine Facebook-Präsenz veröffentlichte, nachdem die Fragwürdigkeit der Datenkrake schon lange bekannt war. "...oder diskutieren Sie mit uns über Facebook..." ist ein Satz, der mich beim Fernsehen sofort zum Um- oder Ausschaltknopf greifen lässt.