Test: Gin Concertina Compress Bag

Der Zellenpacksack Concertina Compress Bag von Gin ist leicht und funktional. Er kann sogar den Tragekomfort von Rucksäcken erhöhen, passt aber nicht zu jedem Setup. 

Der Gin Concertina Compress ergibt ein kompaktes, steifes Paket
(hier mit einem noch recht voluminösen Swing Nyos RS gefüllt).
// Foto: Lu-Glidz
Zellenpacksäcke habe ich schon mehrfach auf Lu-Glidz getestet (s. Packs-i, Tube-Bags, Airpack 50/50). Es handelt sich immer um besonders leichte Ausführungen, da ich schwere Zellenpackschläuche für unnötig halte. Warum sollte man einen Schirm in ein mehr als 500 Gramm schweres und entsprechend voluminöses Stück Stoff einwickeln, wenn dieses Paket eh nochmals in einem schützenden Rucksack verstaut wird? Minimalismus ist angesagt, der aber möglichst funktional daherkommen sollte.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Ansatz sind die neuen Concertina Compress Bags von Gin. Sie sind in guter Qualität aus leichtem Gleitschirmstoff genäht und kommen damit auf knapp 200 Gramm Gewicht. Die Besonderheit: Diese Innenpacksäcke geben eine bestimmte Faltung entlang farbig abgehobener Markierungen vor, sodass das Paket am Ende noch rundum mit einem Reißverschluss verschlossen und dadurch komprimiert werden kann. Ein zusätzliches Packband zum Zusammenhalten ist nicht mehr nötig.

Das komprimierte Päckchen ist schmaler als viele andere Packschläuche, aber recht lang. Concertina Compress Bags gibt es in zwei Größen (3.0 und 2.7 Meter), was am Ende auf ein komprimiertes Maß von 70x33 bzw. 65x30 Zentimeter hinausläuft.

In diese Form "gepresst" wird aus dem gepackten Schirm ein recht starrer Block. Daraus ergibt sich ein willkommener Nebeneffekt: Direkt am Rücken im Rucksack platziert, wird das komprimierte Paket zu einem versteifenden Element, das den Tragekomfort wie eine Art inneres Rucksackgestell deutlich erhöhen kann.

Packabfolge: Erst den Schirm in den inneren Schlauch legen und mit
Steckschließen fixieren, dann entlang der farbigen Markierungen
falten, die Luft aus dem dicken Pack drücken und am Ende
den äußeren Kompressions-Reißverschluss schließen.
// Fotos: Lu-Glidz
Gestestet habe ich den Concertina Compress 3.0 über mehrere Wochen hinweg in Kombination mit verschiedenen Leicht- und Normalschirmen der Größen S und M sowie in diversen Rucksackmodellen. Vom Volumen her hatten alle Schirme darin problemlos Platz. Für Leichtschirme sollte in der Regel das kürzere Modell Compress 2.7 stets ausreichend sein.

Bei allen Rucksäcken ergab sich mit dem Schirm im Compress-Packsack ein angenehmeres Tragegefühl mit verbesserter Lastverteilung. Allerdings war das Packergebnis dennoch nicht immer optimal.

Der Concertina Compress Bag passt am besten zu lang und schmal geschnittenen Rucksäcken, wie es heute bei neueren Hike&Fly-Modellen im X-Alps-Stil Trend ist. Je breiter, kürzer aber auch voluminöser ein Rucksack, desto schwieriger wird es, die restliche Ausrüstung so um den komprimierten Schirm zu platzieren, dass sich ein strammes Paket mit Schwerpunkt nah am Körper ergibt.

Wer die Tragevorteile eines Concertina Compress Bags voll nutzen will, wird möglicherweise seinen Rucksack daraufhin anpassen müssen. In der Praxis dürfte der etwas kürzere Compress Bag 2.7 mit einer größeren Zahl von Rucksacktypen kompatibel sein.


Nicht für jeden Schirmtyp passend

So wie die Compress-Bags nicht zu jedem Rucksack passen, so sind sie auch nicht für jeden Schirmtyp geeignet. Vor allem bei Schirmen mit langen und relativ steifen C-Wires, für die vom Hersteller typischerweise eine gedrittelte Faltung oder gar eine Faltrolle (z.B. Ozone) empfohlen wird, um Knickschäden an den hinteren Stäbchen zu vermeiden, ist das vorgegebene Faltmuster und die starke Kompression kontraproduktiv.

Für alle anderen, insbesondere leichten Schirme ist dieses Pack-System aber eine sehr interessante Alternative, v.a. wenn man als Pilot gerne längere Strecken mit dem Schirm auf dem Rücken wandert.

Als allgemeine Hülle zur Aufbewahrung eines Schirmes sind die Concertina Compress Bags übrigens nicht zu empfehlen. Die komprimierte Packung behindert den Luftaustausch. Das ist den Schirmtüchern auf Dauer nicht zuträglich. Man sollte also einplanen, den Schirm zu Hause möglichst aus dieser Hülle zu nehmen oder zumindest die Kompressionsreißverschlüsse zu öffnen, um eine luftigere Lagerung zu erreichen.


PS. Bevor in den Kommentaren die Frage zum zweiten Bild aufkommt, warum ich dort die Tragegurte vorne an der Eintrittskante platziert habe: Der Concertina Compress Bag hat hinten eine eingenähte Tasche mit Fixiermöglichkeit für die Tragegurte. Ich bevorzuge es allerdings, den Schirm aus der Rosette so zu packen, dass ich das Gros der Leinen erst am Ende als geordneten Kringel oben auf die Kappe lege und dort samt den Tragegurten fixiere. In der Regel trenne ich die Tragegurte sogar gar nicht erst vom Gurtzeug. Auf diese Weise kann ich beim Auspacken direkt den geordneten Leinenkringel greifen, hochheben und dabei die Galerieleinen strecken und aus kurzer Distanz kontrollieren. So lässt sich ein potenzieller Leinensalat auf simple Weise vermeiden – gemäß dem Motto: So geordnet man einen Schirm einpackt so kommt er auch wieder heraus.


Hinweis: Das Testmodell des Concertina Compress 3.0 wurde mir freundlicherweise von Peter Geg von der Oase Flugschule zur Verfügung gestellt. 

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