Leistungsdrang (22): C+D Hybrid-Dreileiner

Sogenannte Dreileiner bieten den Vorteil, weniger Leinen und somit weniger Leinenwiderstand zu besitzen. Phi präsentiert einen echten Dreileiner, der trotzdem eine D-Ebene aufweist. 

Der kommende Phi Maestro offenbart im Gegenlicht sein Innenleben.
Zur Verdeutlichung ist hier der zickzackartige Verlauf der
kombinierten C+D Ebene rot eingezeichnet.
// Quelle: Phi, bearbeitet
Echte Dreileiner besitzen normalerweise nicht nur am Tragegurt, sondern auch an der Kappe nur eine A-, eine B- und eine C-Ebene, an der die Leinen angreifen. Durch den Verzicht auf die D-Anlenkung – und sei es auch nur eine kurze D-Galerie, die von der C-Leine abgabelt – lassen sich etliche Leinenmeter einsparen.

Da jede Leine Widerstand erzeugt, weisen Dreileiner per se einen kleinen Leistungsvorteil auf. Doch das wird mit einem Nachteil erkauft: In den Reaktionen nach großen beschleunigten Klappern können Dreileiner etwas giftiger und unberechenbarer sein, weil ihnen die Abstützung des Hinterflügels auf der D-Ebene fehlt.

Baulich lässt sich so etwas zwar durch den Einsatz von C-Wires oder Gibus-Bögen etwas kompensieren. Doch es fällt auf: Viele Hersteller, die zwischenzeitlich schon echte Dreileiner konstruierten, sind wieder zu einer D-Ebene zurückgekehrt – des Handlings wegen. Der 3,5-Leiner mit einer kurzen D-Gabel ist heute Standard.

Vielleicht wird sich das in Zukunft ändern, falls sich eine neue konstruktive Lösung durchsetzt, die Hannes Papesh für seine noch junge Eigenmarke Phi ersonnen hat. Im Maestro (High-B, soll im Frühjahr 2019 auf den Markt kommen) ist im Schirm sowohl eine C- als auch eine D-Ebene zu finden. Dennoch handelt es sich um einen reinen Dreileiner. Der Trick dabei: Die Anlenkungspunkte von C+D sitzen nie direkt hintereinander auf einer Rippe. Stattdessen sind sie in einer Art Zickzack-Linie auf verschiedenen Rippen über die Spannweite verteilt (siehe Bild). Die Diagonalen, egal ob sie von den Leinenansatzpunkten auf der C- und D-Ebene ausgehen, sind allerdings so ausgerichtet, dass sie jeweils auf gleicher Höhe das Obersegel abstützen. 

Mit dieser C+D Hybrid-Bauweise spart der Maestro Leinenmeter wie ein Dreileiner, was der Leistung zugute kommt. Mechanisch verhält sich aber wie ein 3,5-Leiner.


Tipp: Erfahre in weiteren Folgen der Serie Leistungsdrang noch mehr darüber, mit welchen Ideen die Konstrukteure versuchen, die Leistung von Gleitschirmen weiter zu steigern.

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5 Kommentare:

Klaus hat gesagt…

Das Konzept ist nicht neu, war schon beim Skywalk Chili 3 sehr erfolgreich. Trotzdem sehr informativer Artikel!

Lucian Haas hat gesagt…

Lieber Klaus. Das Konzept ist in einem wichtigen Punkt doch neu und weicht vom Chili ab.

Schau Dir einfach mal den Leinenplan des Chili 3 oder Chili 4 im Vergleich zum Maestro an.

Der Chili 3 ist ein "echter" Dreileiner, ja. Aber bei diesem sitzen alle Leinenansatzpunkte der dritten Leinenebene (C) auf einer Linie. Beim Maestro hingegen sind sie auf zwei Ebenen versetzt angeordnet (entweder C oder D), womit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: nur 3 Ebenen, aber gut Abstützung des hinteren Flügelteils.

Manfred hat gesagt…

*"Mechanisch verhält er sich wie ein 3.5 Leiner."*

Stelle dir bitte einen Zwei-Leiner vor.
Und zwar einen mit wirklich nur zwei Aufhänge-Ebenen am Untersegel und dieser Zig-Zag Anordnung. Gegenüber einer normalen Anordnung hätte dieser Schirm nur halb so viele A-, und B-Aufhängungen.

In diesem Fall ist es offensichtlich, dass die Anordnung strukturell nachteilig ist gegenüber einer normalen Anordnung mit hintereinander liegenden A- und B-Aufhängungen.

So ist es auch beim Phi Schirm in deinem Artikel. Die Anordnung hat strukturelle Nachteile gegenüber einem 3.5 Leiner. Sie spart aber natürlich Leinenmeter. Es ist, wie so oft, ein Kompromiss.

Manfred

Lucian Haas hat gesagt…

Hallo Manfred. Ich will hier nicht Phi das Wort reden. Mir geht es darum, die Technik und ihre Hintergründe vorzustellen. Meistens ist "Leistungsdrang" ein Kompromiss, und sei es nur, dass man mit fürchterlich dünnen Leinen am Startplatz kämpfen muss.
Ich finde die Idee mit der Hybriden C/D-Ebene von Grundsatz her recht clever. Inwieweit daraus strukturelle Nachteile erwachsen, hängt ja auch noch von weiteren Parametern ab. Die vielen Querzugbänder über die gesamte Spannweite des Maestro lassen vermuten, dass der Konstrukteur sich auch dazu seine Gedanken gemacht hat. Am Ende wird sich zeigen, wie der Schirm fliegt und ob er sich dabei strukturell homogen anfühlt. Das ist letztendlich entscheidend.

Sebastian hat gesagt…

Noch interessanter finde ich die regelrechte Gitterstruktur des Maestro mit einer Vielzahl an dünnen Vektorbändern. Das habe ich so noch nie gesehen.