Der Kopf bleibt klar, die Hände kalt

Ein britischer Forscher hat untersucht, inwieweit es beim Gleitschirmfliegen durch den Einfluss von Höhe und Kälte zu kognitiven Beeinträchtigungen kommt.

Ein Proband in der Klimakammer beim simulierten Gleitschirmflug.
// Quelle: Facebook, Matt Wilkes
Der Brite Matt Wilkes ist Gleitschirmflieger und Mediziner. Als Forscher hat er das Free Flight Physiology Project gestartet. Es geht darum, den Einfluss von (extremen) Umweltfaktoren auf die Körperfunktionen von Piloten und damit auch auf ihre Flugfähigkeiten zu untersuchen.

Vor knapp zwei Jahren hatte Matt erste Ergebnisse dazu publiziert, wonach das Gleitschirmfliegen in der Regel weniger mit einer körperlichen, als mit einer geistigen Anstrengung verbunden ist (s. auf Lu-Glidz: Gleitschirmfliegen ist wie Autofahren).

Jüngst ist im Fachmagazin Aerospace Medicine and Human Performance eine Folgestudie erschienen. Es geht darin um die Frage, inwieweit äußere Belastungen eines Gleitschirmfluges wie zum Beispiel dünnere Höhenluft, Kälte und ständiger Windzug die kognitiven Fähigkeiten eines Piloten negativ beeinflussen und somit zu Pilotenfehlern führen können.

Für die Studie ließ Matt Wilkes zehn männliche Gleitschirmpiloten im Alter zwischen 19 und 58 Jahren in einer Art Klimakammer an der University of Portsmouth einen simulierten Gleitschirmflug erleben. Über eine Maske bekamen sie während des jeweils zweistündigen Fluges unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen zu atmen, was Flughöhen zwischen Null und 3658 Metern MSL entsprach. Zugleich wurden sie zunehmender Kälte und Wind aus einer Windmaschine ausgesetzt.

Über die ganze Flugzeit hinweg wurden physiologische Parameter gemessen, darunter die Sauerstoffsättigung des Blutes, die Körper- und die Hauttemperatur. Zwischendrin mussten die Probanden logische und mathematische Aufgaben ausführen sowie Sprach- und grafische Puzzle lösen. Zudem wurde mit verschiedenen Tests ihre Risikobereitschaft, ihre Stimmung und das subjektive Empfinden erfasst. Die Ergebnisse wurden schließlich mit denen einer gleich großen Kontrollgruppe verglichen, die nicht den extremeren Bedingungen eines simulierten Höhenfluges ausgesetzt waren.

Es zeigte sich, dass bei den Piloten unter solchen Rahmenbedingungen (Flugzeit bis zwei Stunden und Flughöhen bis 3658 Meter) keine nennenswerten kognitiven Beeinträchtigungen auftraten, auch wenn die Sauerstoffsättigung des Blutes in der Höhe um rund zehn Prozentpunkte abfiel.

Matt Wilkes schließt daraus, dass etwaige Pilotenfehler, die möglicherweise auch zu Unfällen führen, weniger irgendwelchen kognitiven Störungen durch harsche äußere Faktoren angelastet werden können, als vielmehr allgemeinen Fehleinschätzungen.

Anders gesagt: Während "normaler" Flüge in nicht allzu extremen Höhen brauchen sich Piloten in der Regel keine Sorgen um ihre Urteilskraft machen.

Ein interessantes Teilergebnis liefert die Studie aber dennoch. Die Hauttemperatur an den Fingern der Probanden sank während der simulierten Flüge im Durchschnitt von rund 32 auf knapp 14 Grad Celsius ab. Matt Wilkes zieht daraus den Schluss, dass dem Schutz der Hände vor Kälte im Flug allgemein noch mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

Auch hier belegt die Wissenschaft freilich einmal mehr nur das, was vermutlich schon die meisten Gleitschirmflieger aus eigener Erfahrung kennen: Es sind eigentlich nie wirre Gedanken, aber häufig kalte Finger, die einen zur Landung zwingen.