Rund um FRA

Armin Harich hat sich einen Traum erfüllt und ist rund um den Frankfurter Flughafen geflogen – mit einem Elektromotor als temporäre Unterstützung unterm Luftraumdeckel.

Armin Harich beim elektrisch unterstützten Start im Taunus.
// Quelle: A. Simon
Elektromotoren als Aufstiegshilfe für Gleitschirme sind seit Jahren in der Entwicklung. Es gibt Prototypen verschiedener Hersteller, daneben auch einige Selbstbaulösungen, doch der große Durchbruch am Markt steht noch aus – auch wegen der hohen Kosten solcher Systeme.

Welches Potential in dieser Technik bzw. in der Kombination aus Gleitschirm und Elektromotor als Schubhilfe steckt, hat Armin Harich von Skywalk jüngst bewiesen. Er erfüllte sich einen lang gehegten Traum und flog am 12. Mai einmal fast rund um den Frankfurter Flughafen. Dabei nutzte er den sogenannten E-Walk von Skywalk.

Den Großteil des Fluges (s. Track im XCCup) absolvierte er im "klassischen" Stil, indem er von Thermik zu Thermik hüpfend auf Strecke ging. Den Motor verwendete er weniger als Aufstiegshilfe, sondern vielmehr als stromsparenden "Nullschieber"-Antrieb, um selbst tief unterm Luftraumdeckel einige Mal Zeit bei der Suche der nächsten rettenden Thermik zu gewinnen. Letzten Ende kam so eine Strecke von 128 km heraus. Rein elektrisch oder rein thermisch fliegend wäre das kaum möglich gewesen. Doch die Kombination eröffnet neue Perspektiven.

Im Interview mit Lu-Glidz erzählt Armin Harich über die Hintergründe:


Armin, Du sagst über Deinen Flug, ein Traum sei in Erfüllung gegangen. Wie lange hattest Du diesen Traum schon gehegt?
Armin: Ich habe schon als Kind immer geträumt, dass ich durch einfache Willenskraft fliegen kann. Durch das Gleitschirmfliegen habe ich den Traum vom Fliegen dann in die Praxis umgesetzt. Ich bin damals immer vom Feldberg oder bei mir in Kelsterbach gestartet und durch den Taunus geflogen. Was liegt näher als genau dort nun zu fliegen.

Warum bist Du den Flug gerade jetzt, in der Corona-Zeit angegangen? Hat da das geringere Flugaufkommen am Flughafen eine Rolle gespielt?
Armin: Ich hatte schon einmal einen Versuch vom Ortsrand bei Frankfurt gestartet. Ich habe damals aber bald abgebrochen, da ich im Abwind und über den Wäldern um den Taunus nur schwer Höhe gewinnen konnte. Ich habe diesen Plan dann optimiert und bin beim zweiten Versuch direkt vom Taunus aus gestartet. Da aktuell die Streckenwertungen der XC-Wettbewerbe ausgesetzt sind, kann ich die Zeit leichter für solche Träume nutzen, bei denen es nicht um die Punkte geht. Dass das Flugaufkommen in Frankfurt so gering ist, war sekundär. Eventuell darf ich aber mal über Kelsterbach legal fliegen.

Armins Route rund um den Flughafen Frankfurt.
Du bist mit dem von Skywalk entwickelten E-Walk als Elektromotor am Rücken zur Unterstützung geflogen. Wenn man die reine Flugzeit und Strecke nimmt, welchen Anteil davon warst Du denn mit Motor-Unterstützung unterwegs?
Armin: Ich habe einen großen Akku am E-Walk. Der ermöglicht mir 45 Minuten Flautenschieber. Wenn man Abwinde kompensieren will, ist es entsprechend weniger. Nach 75 Prozent der Strecke hatte ich allerdings erst 25 Prozent der Energie verbraucht. Den Restakku habe ich dann noch genutzt, um zum Ende hin noch weiter nach Hause zu fliegen und mir den Melibokus, Windräder und tolle Seen aus nächster Nähe anzuschauen. Ich nutze den Motor immer nur kurzzeitig, um unter einen Abwind bodennah rausfliegen zu können und im nächsten Aufwind wieder hochzusteigen. So bekommt man auch mal mehr vom der Landschaft in Bodennähe zu sehen als beim reinen Thermikfliegen.

Könnte man eine solche Route Deiner Einschätzung nach auch komplett ohne Motor fliegen?
Armin: Ohne E-Walk-Unterstützung wäre ich an dem Tag schon ein paar mal am Boden gestanden. Ich denke aber, dass ich mit einem Liegegurt und dem neuen Cayenne 6 anstelle des Arak als Schirm wahrscheinlich den Großteil auch ohne Flautenschieber hätte fliegen können. Das größte Problem im Flachland ist allerdings, an so kleinen Buckeln schon früh morgens hochzukommen. Mit dem E-Walk konnte ich trotz Abschattung einfach starten und zum nächsten Sonnenfleck segeln, um dort dann in die Thermik einzusteigen.

Du bist ja einer der wenigen Gleitschirmpiloten, die einen Transponder besitzen. Kam der bei diesem Flug zum Einsatz?
Armin: Ja, ich habe den extra am Vortag noch installiert. Er hat auch funktioniert. Da für mich die Segelflugsektoren Bingen Nord und Mitte auf 5500 Fuß geöffnet wurden, war er letztendlich aber nicht nötig. Ich habe ihn dennoch in den Segelflugsektoren eingeschaltet, um gesehen zu werden. Ich habe aber keinen einzigen Airliner im An- oder Abflug gesehen. Das ist schon unglaublich. Die Landebahnen des Frankfurter Flughafens waren alle sehr gut zu sehen auf dem ganzen Rundflug. Ein toller Anblick.

Dein E-Walk ist ja noch ein Prototyp aus der früheren, von Skywalk irgendwann pausierten Entwicklung. Jetzt hört man, die Arbeit am E-Walk geht doch wieder weiter. Wann ist da etwas zu erwarten?
Armin: Unsere zwei E-Walks funktionieren schon zehn Jahre einwandfrei. Das System hätte so aber deutlich über 10.000 Euro gekostet. Für den Preis wären die Stückzahlen zu gering gewesen, damit es sich wirtschaftlich für uns rechnet. Also haben wir vor einigen Jahren das Projekt offiziell auf Eis gelegt, um keine falschen Erwartungen zur schüren und Anfragen zu stoppen. Aber wir lieben diese Freiheit, die man mit dem leisen Elektro Antrieb gewinnt. Und die Zeit spielt für uns. Intern haben wir also weiter nach den passenden Partnern und Komponenten gesucht, um einen E-Walk, wie wir ihn uns vorstellen, für deutlich unter 10.000 Euro in Serie zu bringen. Es wird aber sicher noch ein paar Jahre dauern, bis ein wirklich ausgereiftes Serienprodukt zu kaufen sein wird. Wir entwerfen gerade eine Umfrage, bei welcher jeder sein Feedback einbringen kann, um das Produkt noch genauer auf die Wünsche der Piloten auszurichten. Wer daran teilnehmen will, sollte sich am besten bei unserem Mitarbeiter Markus Anders per Email registrieren lassen (markus.anders[at]skywalk.org)


Hinweis: Dass Armin dieser Flug gelang, ist ganz sicher nicht nur dem E-Walk zuzurechnen, sondern auch seiner großen Piloten-Expertise beim Streckenfliegen im Flachland. Worauf es dabei ankommt, hat Armin im Podcast Podz-Glidz #26 "Flachlandfliegen" erzählt. Hörenswert! In den nächsten Tagen will Armin zudem noch ein Video des Fluges rund um Frankfurt auf seinem Youtube-Kanal veröffentlichen.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo!

Für mich als Laien und ganz wertfrei: was kostet soviel bei einem Elektromotor?
Die Technologie ist erprobt und auch bei den Akkus hat sich viel getan. Ist es die Kombination (und der Einbau) ins Gurtzeug? Oder der zu erwartende Stückzahlverkauf?

Klingt verlockend, aber könnte auch ein Spielverderber sein (ähnlich vielleicht wie die Bohrhakendiskussion in der Kletterei). Andererseits natürlich genial von der Lautstärke her (denk ich mir halt) und den Möglichkeiten, die einem so ein Motor gibt.

Grüße,
Hans

Jan hat gesagt…

Schöne Aktion.
Was für ein Transponder wurde verwendet? Das sind doch eigentlich riesige Geräte.