Meteo-Parapente rüstet auf

Nicolas Baldeck investiert kräftig in die Thermikprognose-Seite Meteo Parapente. Neben einem deutlichen Ausbau der Rechenpower soll es demnächst ein neues, verbessertes Modell geben. 

Meteo Parapente glänzt vor allem mit sehr fein abgestuften
Höhenwind- und Thermikdaten. // Quelle: Meteo Parapente
Meteo Parapente zählt heute zu den beliebtesten Wetterseiten der Gleitschirmflieger in Mitteleuropa. Dort bekommt man nicht nur aktuelle Thermikprognosekarten, sondern vor allem auch sehr übersichtlich aufgearbeitete Punktprognosen und Temps, aus denen man die Luftschichtung, die Dicke der Grenzschicht und den Gradient des Höhenwindes im Verlauf eines Tages sehr gut nachvollziehen kann. Da Meteo-Parapente die Wetterdaten zudem in einem feinen Raster von nur 2,5 km berechnet, werden darin auch manche lokale Windphänomene erfasst, die bei "größeren" Modellen sprichwörtlich durchs Raster fallen.

Lange Zeit war Meteo Parapente mit seinem Datenangebot speziell für Gleitschirmflieger selbst den meisten Modellen der großen Wetterdienste voraus – v.a. wenn es darum ging, die High-Res-Daten weitgehend kostenfrei zu bekommen. In jüngerer Zeit haben allerdings einige staatliche Wetterdienste ihre Politik geändert. Sie bieten die Ergebnisse ihrer Berechnungen mittlerweile auch als "Open Data" an, also für jedermann zugänglich. Und so findet man mittlerweile an diversen Stellen im Internet die Daten kleinmaschiger Modelle wie Icon-D2 oder des französischen Pendants Arome – gerade auch für die Bedürfnisse von Gleitschirmfliegern aufgearbeitet. Beispiele hierfür sind Seiten wie Meteo-Guru und XCTherm.com/ICON, wie auch die Wetterseite im kostenpflichtigen Abo-Angebot von Burnair.

Gegenüber diesen weist Meteo Parapente freilich immer noch einen Vorteil auf: Das Modell ist darauf optimiert, vor allem die konvektiven Prozesse in der sogenannten Grenzschicht sehr detailliert zu erfassen. So kann das Modell beispielsweise Prognosetemps liefern, die weitaus feiner gerechnet sind als jene, die z.B. Meteo-Guru aus den frei verfügbaren Icon-D2 Daten ableitet. Entsprechend differenzierter sind auch die darauf beruhenden Vorhersagen der Thermikstärke. 

Icon-D2 hat wiederum einen anderen Vorteil: Das Modell wird alle drei Stunden neu gerechnet, kann also schnell verlaufende Wetter-Änderungen besser nachhalten. Meteo-Parapente bietet bisher nur zwei Modellläufe pro Tag. Doch das und mehr wird sich bald ändern.


Rechenleistung vervierfacht

Nicolas Baldeck, der Kopf hinter Meteo Parapente, hat angekündigt, das Projekt massiv ausbauen zu wollen. Ende des vergangenen Jahres kaufte er bereits einen neuen Hochleistungscomputer, dessen Rechenleistung mehr als das Vierfache von dem beträgt, was Meteo Parapente bisher zur Verfügung stand. Diesen Leistungssprung will er nutzen, um zum einen die Modellauflösung weiter zu verfeinern, vor allem aber zusätzliche Modellläufe pro Tag zu rechnen.

Interessant ist das vor allem in Verbindung mit einem weiteren Projekt: Die Daten-Assimilierung, also das Einspeisen echter Messdaten als Rechengrundlage, soll deutlich verbessert werden. Nicolas treibt dafür mit anderen den Aufbau einer Organisation namens OpenWindMap voran. Sie arbeitet daran, die Daten vieler kleiner lokaler Windmess-Stationen (etwa an Gleitschirm-Startplätzen) in einer Datenbank zusammenzuführen und frei verfügbar zu machen. Auch Meteo-Parapente soll in Zukunft darauf zugreifen und dadurch seine lokale Prognosequalität verbessern.

Nicolas will aber noch mehr: Seit einem Jahr arbeitet er daran, das Prognosemodell hinter Meteo Parapente komplett zu renovieren. Es handele sich um einen ganz neuem Typ von Wettermodell, das auf neuen theoretischen Ansätzen basiert, schreibt er im Blog der Seite. Die Entwicklung werde sogar von einem universitären Forschungsprojekt begleitet. Mehr wolle er noch nicht verraten. Nur so viel: Laut Zeitplan soll es 2022 oder 2023 fertig sein.

Zuvor soll allerdings schon die Nutzerfreundlichkeit und der Service von Meteo Parapente verbessert werden. Seit Anfang Mai ist eine Mitarbeiterin von Nicolas namens Katya dafür zuständig, alle Anfragen von Nutzern der Seite zu beantworten. Zudem wird sie sich gemeinsam mit Nicolas darum kümmern, dass Meteo Parapente endlich auch eine gute schriftliche Dokumentation aller enthaltenen Funktionen bekommt.


Anmerkung: Meteo Parapente ist weitgehend kostenfrei zugänglich, d.h. jedermann hat Zugriff auf die Seite. Allerdings sind jeweils einzelne Prognosetage blockiert und nur für Abonnenten abrufbar. Angesichts der Qualität des Gebotenen, aber auch des Einsatzes, den Nicolas Baldeck seit Jahren für bessere Thermikprognosen für die Gleitschirmszene bringt, kann ich nur empfehlen, dieses Projekt als Abonnent mit zu unterstützen. 


1 Kommentare:

werner luidolt hat gesagt…

... ein tolles tool - wirklich empfehlenswert. ich unterstütze meteoparapente schon seit einiger zeit, da ich wirklich gerne und viel damit arbeite ...