Die Luftraumklärer

Eine Gruppe Piloten arbeitet daran, Lufträume um Flugplätze und Heliports in der Schweiz bedarfsgerecht anzupassen, um Gleitschirmfliegern mehr Streckenoptionen zu eröffnen.

Die Sonderregelung für den Luftraum um den Flugplatz Bad Ragaz.
Anstelle von 600m AGL im Umkreis von 5 km gilt das Flugverbot
nur noch in einer kleineren, roten Zone bis 1100m.
 // Quelle: SHV
In der Schweiz gilt: Kleinere Flugplätze und Heliports ohne eine CTR sind durch einen Luftraum geschützt, der standardmäßig einen Durchmesser von 5 beziehungsweise 2,5 Kilometer um die Pisten herum besitzt. In diese Lufträume dürfen Gleitschirmflieger normalerweise nicht einfliegen. Zudem müssen sie mit einer Höhe von mindestens 600 Meter AGL (über der Landebahn) überflogen werden.

Solche Lufträume sind für Streckenflieger zuweilen ein arges Hindernis und auch Ärgernis, weil sie manche Streckenflugoptionen einfach "verbauen". Und das, obwohl Teile dieser Lufträume ziemlich sicher nie von den motorisierten Fliegern beflogen werden, weil ihre standardisierten Anflugwege viel weniger Raum in Anspruch nehmen.

Allerdings gibt es die rechtliche Möglichkeit, von Seiten der Fluplatzbetreiber Sonderregelungen für ihre Lufträume zu erlassen. Man muss sie halt nur dazu bringen, die Notwendigkeit dafür einzusehen, einen Teil des Luftraums für andere Nutzer wieder offiziell freizugeben. In manchen Regionen haben lokale Gleitschirmclubs durch Gespräche so etwas schon vor Jahren erreicht. Doch es gibt noch immer viele Fälle mit Optimierungsbedarf und -möglichkeiten.

Das dachte sich auch eine Gruppe Schweizer XC-Piloten um Philipp Steinger. Sie begannen gemeinsam mit lokalen Clubs nach weiteren Lösungen zu suchen. Die Prämisse: An Flugplatzbetreiber heranzutreten, um ihr Verständnis dafür zu gewinnen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie eine Sonderregelung aussehen könnte, die den Gleitschirmfliegern Räume gibt, ohne der Motorfliegerei stärker in die Quere zu kommen. Als "Gegenleistung" reichen die räumlich verkleinerten Lufträume dann zum Teil etwas höher hinauf als die 600m AGL.

Mittlerweile sind aus dieser lobenswerten Initiative eine ganze Reihe neuer Sonderregelungen hervorgegangen. Dazu gehören zum Beispiel der Flugplatz Schänis, der Heliport Tavanasa, der Flugplatz Olten und der Flugplatz Bad Ragaz. (Eine aktuelle Liste der Luftraumregelungen rund um Flugplätze in der Schweiz ist auf den Luftraum-Seiten des SHV zu finden).

In Zukunft soll es noch weitere, ähnliche Sonderregelungen geben. Wenn Schweizer Piloten auch für "ihre" lokale Flugregion hier Bedarf sehen, sollten sie am besten mit der Gruppe um Philipp Steinger Kontakt aufnehmen, um das Vorgehen zu koordinieren und von den vorliegenden Erfahrungen zu profitieren. Anfragen per Email an luftraum@pgcl.ch.

Die Sonderregelung des Luftraums Schänis in der Darstellung
von Airspace.Xcontest.org // Quelle: Xcontest.org
Noch nicht zufriedenstellend geklärt ist die Frage, wie solche Sonderregelungen in den Luftraumdaten abgebildet werden können, die in den GPS-Varios der XC-Piloten hinterlegt sind.

Daniel Rissi hat die Aufgabe übernommen, die Sonderregelungen zumindest in die Luftraumdaten zu übertragen, die auf der Airspace-Seite des XContest abgefragt und auch heruntergeladen werden können.

Einige Vario-Hersteller nutzen allerdings standardmäßig andere Datenquellen (z.B. OpenAIP), in denen die Lufträume der Flugplätze und Heliports zum Teil sogar gar nicht abgebildet sind oder eben keine Sonderregelungen berücksichtigen.




8 Kommentare:

JN hat gesagt…

Geniales Engagement von Philipp Steinger, Daniel Rissi und den anderen, Ungenannten. Danke!

Ich frage mich, warum sich unser Verband DHV nicht endlich dieser ganz, ganz großen Thematik annimmt. Sie ist für unseren Sport überlebenswichtig und weitaus wichtiger als z. B. Nachprüfungen von irgendwelchen A-Schirmen. Aus meiner Sicht ist es notwendig, dass der DHV eine Arbeitsgruppe einrichtet, die Bereitstellung, Prozesse, Verfahren und Technik erarbeitet und promotet, die gewährleisten, dass jeder Pilot jederzeit aktuelle Lufträume (mindestens europaweit) auf seinen Geräten hat. Ist das wirklich zuviel verlangt?

Anonym hat gesagt…

Was hat der DEUTSCHE! Hängegleiter Verband mit Schweizer Lufträumen zu tun? In DE haben wir solche Regelungen nicht. Und um Deine Luftraumdaten Deutschland wie Europaweit musst Du Dich als "Pilot" wie jeder richtige Pilot selber kümmern, es ist keine sache eines Verbandes. Klingt komisch, ist aber so!

GN hat gesagt…

Und Lufträume sind vielleicht für die Streckenjäger wichtig JN, aber das ist mit Sicherheit nicht die Masse der Piloten. Da halte ich Kontrolle der Herstellerangaben und Zertifzierung durchaus wichtiger. Und hey, Du kannst die ganzen Daten käuflich erwerben...wenn sie so überlebenswichtig sind...

Peter hat gesagt…

An die anonymen Querleser hier: es geht nicht um käuflich zu erwerbende ICAO-Karten sondern um die standardisierte Bereitstellung von (deutschen, nicht schweizerische!) Luftraumdaten zum Download für die Verwendung in Fluginstrumenten wie Skytraxx und Co. Dies sind im übrigen nicht nur für Streckenflieger wichtig, da sich eine ganze Reihe von Fluggebieten in unmittelbarer Nähe von beschränkten Lufträumen befinden und es meist noch nicht einmal Hammerbedingungen braucht, um diese zu erreichen. Wenn man bedenkt, daß die Zertifizierung von Gleitschirmen doch recht viele subjektive Faktoren beinhaltet, die Daten von Lufträumen aber ziemlich eindeutig sind und deren Verletzung ggf. sogar eine Straftat sein kann, sollte man die Prioritäten hier vielleicht nochmal überdenken.

GN hat gesagt…

Hi Peter, ich fliege jetzt seit über 20 Jahren in allen Winkeln der Welt und hatte nie Probleme, mir im Vorfeld die notwendigen Daten der vorhandenen Lufträume und Kleinstflugplätze zu besorgen. Lastenbahnen sind ein Problem und ja, wenn man auf Strecke geht und die geplante Route nicht bspw. wetterbedingt nicht einhalten kann kann es schwierig werden. Aber dafür den Verband in die Pflicht nehmen finde ich eher schwach. Sehr egoistisch und kurzsichtig finde ich dagegen die Luftraumdaten gegen die Prüfung der passiven Sicherheit der Fluggeräte eintauschen zu wollen.

Markus hat gesagt…

[Offtopic]GN: Flieg was dir gefällt und nicht was dir andere sagen, dir zu gefallen hat. Du kannst auch mit einem sicher eingestuften Schirm (wobei gefühlte Sicherheit sehr sehr subjektiv ist) in eine ungünstige Thermik-Windscherung-Nahamberg-Situation fliegen und es wird dir die Kiste zerlegen, als gäbe es kein Morgen mehr. Und ums abzuschliessen: wäre in dieser Situation ein weniger gedämpfter Schirm besser, der diese Turbulenzen schon früher angezeigt hätte, besser, so dass man hätte umdrehen können oder gewarnt wäre?
Das soll jeder selbst entscheiden - und dem DHV mit den (für mich) unnötigen Safety-Tests dafür die Verantwortung zu übertragen, ist genauso beschränkt wie dem DHV die Verantwortung für Sonderregelungen für Kleinflugplätze komplett zu übertragen.[/Offtopic]

Generell begrüsse ich es sehr, Sonderregelungen, welche für uns Piloten von Vorteil sind, zu erarbeiten - egal in welchem Land. Und egal, ob vom Verband erarbeitet/unterstützt oder von Piloten - welche ja auch Teil des Verbandes sind. Vielen Dank den freiwilligen Helfern!

Peter hat gesagt…

Hi GN, wer spricht denn von eintauschen? Wenn ein Großteil der Mitglieder der Meinung ist, daß neben den existierenden Prüfstellen und Verfahren noch weitere wie die Safety-Class benötigt werden, ist es sicher legitim, Aufwand dafür zu betreiben (nicht, daß die Mitglieder hierzu befragt worden wären).

Bei den Lufträumen (und es geht hier nicht oder nur zu einem kleinen Teil um irgendwelche Kleinflughäfen und deren Sonderregelungen) hat man als Pilot jedoch nicht die Wahl und im Gegensatz zu dir wissen viele Piloten eben nicht, woher sie aktuelle Daten beziehen sollen. Hier einen Standard zu schaffen und durchzusetzen sehe ich als ureigenste Aufgabe eines Verbandes. Leistest du dir in der Theorieprüfung des DHV zu diesem Thema zu viele Patzer, dann fällst du (zu Recht) durch. Ich wüsste aber nicht, daß die passive Sicherheit in den Geräteklassen überhaupt Unterrichts- oder gar Prüfungsthema ist - soviel zu den Prioritäten.

Unser Verband macht eine hervorragende Arbeit und ist im Vergleich mit den Verbänden anderer Länder sicher Spitzenklasse. Es wäre jedoch schade, wenn er sich einer solchen immer wichtiger werdenden Thematik nicht rechtzeitig annehmen würde, denn dies ist eine wichtige Trumpfkarte bei der Vertretung gegenüber anderen Interessengruppen.

GN hat gesagt…

Ist doch alles kein Widerspruch: NUr - Wer bei den Schirmen auf die Selbstverantwortung der Piloten pocht, kann nicht bei der Frage der Lufträume nach dem Verband rufen. Ich halte es bei den Schirmen wie bei den Lufträumen - ich habe mein eigenes Risikomanagement und das baut weder auf dem Verband noch auf den Versprechungen der Hersteller auf. Aber ich würde nicht soweit gehen und beim Verband eine andere Prioritätensetzung fordern, weil ich keine Zertifizierung oder Nachtests für meine Entscheidung benötige. Ich finde die Nachtests von der Idee her ausgesprochen gut. Aber das ist hier eine andere Diskussion