Leistungsdrang (31): Floating B

Der Drang, bei Dreileinern eine zweileiner-artige Steuerung des Anstellwinkels zu ermöglichen, führt zu neuen Tragegurt-Konstruktionen, bei denen die B-Ebene gleitend aufgehängt ist.
Verschiedene Versionen von Tragegurten mit "Floating B" (von oben links im Uhrzeigersinn):
Skywalk Cayenne 6, Ozone Mantra M7, Supair Savage, Tripleseven Rook 3.
// Quellen: Hersteller, Youtube

Diese 31. Folge der Serie Leistungsdrang ist im Grund nur eine Fortsetzung der Folge 11, bei der es um Speedbrakes ging. Was Nova damals beim Mentor 4 erstmals realisierte war ein System, mit dem man im beschleunigten Flug ein Nicken des Schirmes durch bremsenden Zug an den C-Gurten einbremsen konnte. Die Besonderheit dabei: Zu den Speedbrakes gehört ein zusätzliches Band, welches den C- mit dem B-Gurt verbindet. Der Zug auf C wirkt mit einer Übersetzung auch auf B. Im Endeffekt lässt sich so der Anstellwinkel des Profils verändern, ohne gleich aus dem Beschleuniger steigen zu müssen und ohne einen ausgeprägten und leistungsmindernden Knick im Profil zu erzeugen. Damit können auch beim Dreileiner Steuertechniken eingesetzt werden, wie sie sonst von Zweileinern bekannt sind.

Die Speedbrakes in ihrer ursprünglichen Ausführung haben allerdings eine spürbare Einschränkung: Die Koppelung von C- und B-Gurt führt dazu, dass der Pilot beim Steuern über die Gurte beide Ebenen herabzieht. Und das ist so, als würde man zugleich einen C- und einen B-Stall einleiten wollen. Die erforderlichen Kräfte sind, je nach Konstruktion des Schirmes und der Positionierung der Leinenebenen in der Profiltiefe, zuweilen so hoch, dass man das nicht über längere Zeit durchhält.

Mittlerweile ist die Entwicklung aber ein Stück weiter gegangen. Die Hersteller haben sich einige Gedanken gemacht, wie sie Dreileiner mit "nutzbaren" Speedbrakes bzw. C-B-Steuerung ausstatten könnten. Das Ergebnis ist in Form spezieller Tragegurte bei einigen neueren Modellen zu finden, zum Beispiel Skywalk Cayenne 6, Supair Savage sowie M7 und Delta 4 von Ozone. Die Besonderheit dabei: Die B-Ebene ist nicht mehr an einem fixen Gurt angehängt, sondern sie "floated" gewissermaßen an Flaschenzugsystemen. Dabei kommen leichtlaufende Rollen zum Einsatz, welche helfen, die erforderlichen Zugkräfte deutlich zu reduzieren.

Auf diese Weise kommt die Steuercharakteristik der Schirme der von Zweileinern tatsächlich ein deutliches Stück näher, gerade auch was die dafür nötigen Kräfte betrifft.

Interessant ist diese Entwicklung vor allem in Kombination mit einem weiteren Trend, den Drei-Zweileiner-Hybriden (Leistungsdrang 27). Diese Schirme sind nur noch in der Schirmmitte als Dreileiner gebaut, ihre Außenflügel hingegen wie Zweileiner aufgehängt. Ozones Delta 4 ist das jüngste Beispiel einer solchen Bauweise. Die Kombination dieser Konstruktionsmerkmale wird künftig sicher noch bei vielen anderen Herstellern auftauchen – vor allem im EN-C-Bereich, wenn in Zukunft mit novellierten EN-Vorgaben auch bei der Zulassung von C-Schirmen wieder Faltleinen eingesetzt werden dürfen.




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