Schirmtest: UP Kangri

Der Kangri von UP ist der gestreckteste XC-Flügel in der EN-B-Klasse. Er glänzt nicht nur mit Leistung, sondern auch einem sehr ansprechenden Handling.  
Der Kangri ist der EN-B mit der größten Streckung seiner Klasse (neben dem UP Summit 4). // Fotos: Lu-Glidz




[Wer noch keine Erfahrung mit der Testweise von Lu-Glidz hat, sollte zuerst die Interpretationshilfe für Schirmtests lesen!]

Die im folgenden beschriebenen Eindrücke zum Kangri von UP habe ich beim Fliegen und Groundhandling unter unterschiedlichen Bedingungen rund um Eifel und Westerwald gewonnen. Geflogen bin ich den Kangri in der Größe S (75-100 kg) mit rund 92 kg Startgewicht. Das Gurtzeug war ein Karpofly Extra Light (Liegegurtzeug). Der Schirm wurde mir für den Test freundlicherweise von UP zur Verfügung gestellt.



Schon vor Jahren hat UP die Summit XC-Serie von der C- in die B-Klasse gehoben. Seither sitzt sie dort mit dem Merkmal, die größte ausgelegte und auch projizierte Streckung in der B-Klasse zu bieten. Der Kangri hat die gleiche Abstammung, stellt er doch gewissermaßen die Leichtversion des Summit XC 4 dar. So weist er ebenfalls eine ausgelegte Streckung von 6,3 und eine projizierte von 4,8 auf. Solche Werte übertreffen sogar viele Schirme aus der Kategorie EN-C. Und tatsächlich, dessen muss man sich bewusst sein, liegen die Summits wie der Kangri vom Anspruch an den Piloten her durchaus in der Schnittmenge der B- und C-Klasse. Wer einen Kangri fliegen kann, hätte auch mit einem gemäßigten C-Schirm überhaupt keine Probleme.

Nun kann man sich fragen, warum überhaupt ein EN-B so gestreckt sein muss? Gestrecktere Flügel bringen einen Leistungs- und teilweise auch Handlingsgewinn auf Kosten des Gefühls der Kompaktheit. UP Konstrukteur Franta Pavlousek ist bekannt dafür, eine Vorliebe für eher etwas höhere Streckungen zu haben. Seine Strategie zielt aber nicht auf absoluten Leistungsgewinn. Vielmehr sagt er, dass er einen Teil der zusätzlichen Leistung gewissermaßen reinvestiert, um andere Faktoren des Schirmdesigns so anzupassen, dass das Verhalten des Schirmes auf äußere Störeinflüsse abgemildert wird. Und tatsächlich, soviel kann ich schon vorweg nehmen, vermittelt der Kangri einem in der Luft das Gefühl, ein nicht unbedingt völlig ruhiger, aber angenehm ausgeglichener Charakter zu sein, der ein hohes Maß an Sicherheit vermittelt.


Die Eintrittskante des Kangri mit halbrunden Öffnungen. Vorne
an der Profilnase ist die Naht des negativen 3D-Shapings zu sehen.
Die Stäbchen sitzen nur am Obersegel, zum Teil auf stützendes
Mylar vernäht. 
Der Kangri ist übrigens keine 1:1 Kopie des Summit XC 4 in leicht (statt 38er Porcher und Dokdo 30 kommen beim Kangri 32er und 27er Porcher als Segelmaterial zum Einsatz, wodurch sich das Gewicht in der getesteten Größe von 5,3 auf 3,9 kg reduziert). Vielmehr hat UP beim Kangri die Spannungsverteilung im Flügel weiterentwickelt. Maßgebliche Neuerung ist hier der Einsatz des sogenannten negativen 3D-Shapings (siehe Serie Leistungsdrang). Indem direkt auf der Profilnase an einer Naht in der Zellmitte etwas Stoff "weggenommen" wird, ist die Profilnase per se besser gespannt. Das bringt zum einen Vorteile im Schnellflug, da die Zellen unter dem Winddruck nicht mehr eindellen. Zum anderen kann bei Schirmen mit negativem 3D-Shaping die Schränkung der Außenflügel reduziert werden. Denn sie werden weniger gebraucht, um für ausreichend Querspannung an der Eintrittskante zu sorgen. Die "schnellere" Einstellung der Außenflügel ist dem Kurvenhandling zuträglich. Und da kann der Kangri wirklich glänzen (s.u.).

Recht lange C-Wires auf fast allen Profilrippen
stützen den Hinterflügel.
Bevor nun die eigentliche Testbeschreibung folgt, noch ein paar technische Details. Der Kangri besitzt 57 Zellen und ist mit üblichen Leistungsfeatures ausgestattet: Stäbchen in der Eintrittskante und als profilstützende C-Wires im Hinterflügel. Eine milde Shark-Nose mit halbrunden Öffnungen, Mini-Ribs an der Abströmkante. Die Außenflügel sind weitgehend geschlossen, nur eine von je 8 Zellen dient direkt dem Luftschnappen. Zudem sind in den vier äußersten Zellen keine Stäbchen mehr verbaut, um mögliche Verhänger zu entschärfen. Der Kangri ist ein echter Dreileiner. Der Leinensatz (bis auf die Bremse) ist komplett unummantelt und hybrid aus Dyneema- und Aramid-Leinen zusammengesetzt.


Start mit dem Kangri am Finkenberg im Wiedtal.
// Foto: I. Wischrath
Starten: Die Startvorbereitungen mit dem Kangri bedürfen etwas erhöhter Aufmerksamkeit. Wer gerne mal die Leinen unachtsam auf den Boden wirft und dann die Kappe auseinander zieht, wird schnell mit verdrillten Leinen zu kämpfen haben. Die so gebildeten  Leinenmäuse wollen dann erst entwirrt werden. Ein aufmerksamer Pilot kann das Problem aber mit angepasstem Leinenhandling entschärfen.
Da fast alle Leinen unummantelt und einfarbig rot sind, ist beim Sortieren ein genaues Auge gefragt. Für Nullwindstarts ist es zudem ratsam, die Kappe des Kangri nicht lieblos, sondern in einem deutlichen Bogen auszubreiten. Nur so ist ein gleichmäßiges Füllen aus der Mitte heraus zu erreichen. Grundsätzlich gilt: Beim Kangri sollte man für den Start nur die inneren A-Gurte greifen und führen. Die Kappe tendiert sonst dazu, die Außenflügeln schneller aufsteigen zu lassen, ein "Brötchen" zu formen oder seitlich auszubrechen.
Für den Start, egal ob mit oder ohne Wind, braucht der Kangri einen leichten Impuls. Auch bei Starkwind hat man, trotz des leichten Tuches, selten mit aufgewehten Ohren zu kämpfen.
Nach dem Anfangsimpuls gilt es allerdings, die Kappe möglichst nicht mehr über die A-Gurte vorzubeschleunigen, sondern nur noch leicht auf Zug zu halten. Der Flügel steigt dann langsam aber konstant und ohne jegliche Tendenz zum Hängenbleiben oder Überschießen auf.
Das Startverhalten des Kangri ist im Vergleich zu vielen anderen B-Schirmen dennoch eigen. Die Ohren (mit vielen geschlossenen Zellen) füllen etwas verzögert. So baut der Schirm auch nicht gleich seine Querspannung auf und wirkt deshalb beim Aufziehen lange recht weich und wabbelig. Wenn man das weiß und den leichten Zug konsequent aufrecht hält, kommt der Schirm trotzdem sehr verlässlich hoch. Aber das muss man erst einmal erfahren und verstanden haben!
Wer als Pilot nicht auf saubere Leinenführung beim Ein-
und Auspacken achtet, kann vom Kangri schnell mal
mit solchen Leinenmäusen bestraft werden. 
Ich würde jedem Piloten, der den Kangri testen und fliegen will, empfehlen, sich gezielt mit Groundhandling an das Startverhalten zu gewöhnen. Ich selbst hatte erst nach einer ausführlichen Groundhandling-Session, bei der ich die verschiedensten Techniken und die Reaktionen des Schirmes ausprobiert und meine Feinmotorik darauf eingetunt hatte, Vertrauen in die Startqualitäten des Kangri gewonnen.
Unterm Strich bleibt aber der Eindruck, dass der Kangri im Rund der B-Klasse schon eine verfeinerte Startmotorik des Piloten verlangt. Bei Nullwind und Vorwärtsstart hat man wegen der anfangs fehlenden Querspannung lange kein rechtes Gefühl, wo und wie der Flügel eigentlich hinter einem hängt, steigt oder ausbricht. Als Pilot muss man deshalb sehr konsequent auf ein sauberes, betont bogenförmiges Auslegen und möglichst genau mittige Position achten, um die "gefühllose" Phase erfolgreich zu überstehen (was mit entsprechender Vorbereitung aber auch problemlos möglich ist).
Die Tragegurte des Kangri. Der B-Gurt ist als
Durchläufer gebaut und ist mit dem C-Gurt gekoppelt.
Das erschwert das schnelle Umgreifen auf C und
erhöht massiv die nötige Kraft für einen C-Stall. 
Bei Starkwind ist der Kangri ebenfalls etwas anspruchsvoller. Zum einen bleibt er nicht immer stur auf Spur, sondern giert zuweilen und bricht mal etwas aus. Als Pilot sollte man das mit etwas Beinarbeit direkt im Ansatz einfangen. Wer zudem bei Starkwind gerne seinen Schirm über A- und C-Gurte kontrolliert, wird dabei vom Kangri etwas mehr gefordert. Am Tragegurt sind die B- und C-Gurte miteinander gekoppelt, der B-Gurt ist als Durchläufer gebaut, zudem sitzen an den C-Gurten breite Kunststoffgriffe. Im Flug mag das für die C-Steuerung Vorteile bringen, es  erschwert aber das Bodenhandling. Zum einen behindert es die Möglichkeit, schnell in die C-Gurte zu greifen, um den aufschießenden Schirm bei Bedarf einzubremsen oder gar runter zu stallen. Zum anderen ist durch die Kopplung mit den B-Gurten auch viel Kraft nötig. Für fröhliche Starkwindspielchen am Boden wäre der Kangri sicher nicht meine erste Wahl.
Auch die Starkwind-Alternative Kobrastart ist mit dem Kangri nur mit etwas (zuvor geübter) Trickserei sauber möglich. Wie schon geschrieben, fassen die zum großen Teil geschlossenen Außenflügel des Kangri nicht so schnell Luft, weshalb das seitliche Aufziehen deutlich erschwert ist.
Nun könnten die vielen kritischen Zeilen allein über das Starten manche Leser vermuten lassen, dass der Kangri in diesem Punkt wohl wirklich schlecht sein dürfte. Aber das ist er nicht! Die ausführliche Beschreibung dient nur der besseren Einordnung: Wenn man die Eigenheiten kennt und und sich darauf einstellt, ist der Kangri ein sehr verlässlicher Starter. Er verlangt einfach etwas mehr Disziplin in der Vorbereitung und etwas mehr Einfühlungsvermögen beim Aufziehen. Da der Schirm in der Luft aber durchaus mit anderen Qualitäten glänzen kann, mag man ihm diese Prise Sensibelchen-Dasein am Boden eher verzeihen.


Landen: Hier zeigt der Kangri keine Schwächen. Dank seiner hohen Agilität lässt er sich trotz guter Gleitleistung auch noch in engere Landeplätze einzirkeln. Etwas Vorsicht ist bei "gepumpten" Toplandungen geboten: Der Kangri reißt früher ab als manch andere B-Schirme, zudem ist der Stallpunkt etwas schwammig.


Bremsen: Die nur soft versteiften Griffe des Kangri empfand ich als angenehm, sowohl von der Größe her als auch dem Gefühl im Flug (mit und ohne halbe Wicklung). Zur Befestigung am Tragegurt dienen Snap-Locks, eine Kombination aus magnetischer und mechanischer Arretierung. Sie stellen meinem Erleben nach die aktuell beste Befestigungslösung dar.
Der Vorlauf der Bremse liegt mit knapp 10 cm im üblichen Bereich. Danach setzt die Steuerwirkung sehr direkt ein. Der Bremsdruck ist leicht bis mittel und steigt nur moderat an. Da der Bremsweg bis zum Stall eher am unteren (kurzen) Ende der B-Skala liegt, sollte man sich bei ersten Flügen vorsichtig an den leider nur etwas schwammig spürbaren Stallpunkt herantasten.
Im normalen Flug ist das Risiko allerdings gering, den Schirm unbeabsichtigt abzureißen. Denn der Kangri lässt sich schon mit erstaunlich wenig Bremszug agil pilotieren. Selbst in zerrissenen Luftmassen bleibt er sehr gut steuerbar. Man ist normalerweise nie gezwungen, ihn mit grenzwertig tief gesetzter Bremse ums Eck würgen zu müssen. Er folgt auf fast spielerische Weise sehr verlässlich allen Piloteninputs.


Der durchleuchtete Kangri offenbart interessante Details: In den
Außenflügeln gibt es keine zusätzlichen Spannungsbänder.
Die weicheren Stabilos federn viele Turbulenzen einfach aus. 
Kappenfeedback: Der Kangri ist ein nicht übermäßig lauter, aber fein nuancierter "Schwätzer" in der Luft. Da ruckelt und zuckelt es zuweilen etwas mehr als bei anderen, weniger gestreckten Modellen. Die Infos über die Luftmasse und deren Strömungen kommen sowohl über die Tragegurte wie über die Bremse zum Piloten. Dabei wird die etwas größere Streckung durchaus spürbar. Aber es ist kein heftiges Hebeln, sondern mehr ein freundliches Plappern, das den Piloten mit vielen hilfreichen Informationen versorgt. Weniger erfahrene Flieger könnten das aber noch als zu nervös für ihren Geschmack erleben.
Die Kappe erweist sich im Flug als gut abgestimmte, nicht allzu harte Einheit – mit einem straffen Zentrum und weicheren Außenflügeln. Der Schirm arbeitet etwas in sich und federt Turbulenzen mit leichten Verformungen ab, erweist sich dabei aber als überaus klappstabil. Selbst in verquaster Luft blieb die Kappe in meinen Testflügen immer irgendwie offen oder winkte nur kurz mit einem Ohr. Es ist so als könnte sie die Turbulenzen mit feinen Bewegungen abschütteln.
Da man als Pilot den Flügel auch über die Bremse gefühlt immer gut im Griff behält, ist diese Eigenschaft sehr vertrauenserweckend. Ich bin dem Kangri, seiner Streckung wegen, anfangs sehr respektvoll begegnet, lernte seinen ausgleichenden und zugleich willig zupackenden Charakter aber während einer sehr trockenen Wetterphase mit engen, harten und geradezu scharfkantigen Thermiken eindrucksvoll zu schätzen.


Das Raffsystem an der Hinterkante bis in den Stabilo
 trägt zur hohen Agilität des Kangri bei.
Kurvenflug: Die Agilität des Kangri geht mit einem sehr harmonischen Kurvenverhalten einher. Der Flügel lässt alle Schräglagen ungehindert zu. Es gibt keinen Punkt, über den man ihn irgendwie drüber zwingen müsste. Für den normalen Kurvenflug reichen 10-30 cm Bremsweg vollkommen aus. Gesteuert wird der Kangri am besten mit etwas Gewichtsverlagerung und über die Innenbremse. Die Außenbremse kann dabei weitgehend offen gelassen werden, ohne dass der Schirm eine Tendenz zum Graben zeigt. Einmal eingestellte Kurvenlagen hält die Kappe angenehm stoisch bei. Sie richtet sich nicht gleich auf, selbst wenn man die Bremse, der Steigleistung wegen, nach dem einleitenden Impuls wieder ein wenig frei gibt. Man muss selten fürchten, aus einer Blase herausgetragen oder -geschoben zu werden. Eine der herausragenden Qualitäten des Kangri ist, dass man in Kurven fast jederzeit noch ein wenig nachziehen kann – was der Schirm dann willig in eine engere Kreisbahn umsetzt.
Dank der lang ausgeführten Bremsstege ist auch die Technik des Brake-Shiftings mit dem Kangri sehr effektiv.  Brake-Shifting bedeutet, dass man die Steuerhand, ohne den Zug nennenswert zu erhöhen, einfach parallel nach innen verschiebt. Dadurch verändert man die Bremsgeometrie, der Außenflügel wird dann stärker angelenkt. Auf diese Weise lassen sich mit dem Kangri sogar richtig enge Haken schlagen, ohne ein Abreißen befürchten zu müssen. In diesem Punkt ist der Kangri im Klassenvergleich weit vorne mit dabei.


Thermiktest mit dem Kangri. Ob eng oder weit, flach oder steil,
der Flügel ermöglicht ein sehr konsistentes Kurbeln.
Thermikeigenschaften: Das so spurtreue wie agile Kurvenverhalten macht auch das Thermikfliegen mit dem Kangri zum Genuss. Zumal die Kappe sehr gut anzeigt, wohin man sie am besten driften lassen oder bewusst platzieren sollte.
Der Kangri zieht sanft, ohne überraschende Sprungmomente in die Bärte hinein. Selten bleibt er einen kurzen Moment etwas hängen, was der erfahrene Pilot mit leichtem Beschleunigereinsatz einfach kompensieren kann. Auch beim Rausfallen aus Thermiken muss der Pilot fast nie mal ein etwas stärkeres Nicken abfangen. Dennoch, und das ist abermals sehr angenehm, sackt der Schirm am Thermikrand nicht einfach wehrlos und vorübergehend steuerlos durch, sondern bleibt stets manövrierfähig. Gerade in verzwickten, engen, zerrissenen Thermiken habe ich den Kangri als einen willigen Partner erlebt, wenn es darum geht, sich den Kern zu krallen und durchzusteigen. Wer das zu nutzen weiß, wird unter solchen Bedingungen mit dem Kangri in Thermiken schnell obenauf schwimmen.
Etwas weniger überzeugt hat mich der Schirm im schwachen, großflächigen Steigen. Da erwies sich der Kangri nicht als der beste Kletterer. Vermutlich ist das der vergleichsweise kleinen Fläche geschuldet, spannen doch viele andere B-Schirme für den gleichen Gewichtsbereich typischerweise rund 2 m² mehr über dem Piloten auf. Bei meinen Testflügen mit dem Kangri blieb ich beim Vergleichskurbeln schwacher Bärte auf gleicher Kurvenbahn jedenfalls des öfteren ein wenig hinter anderen Piloten bzw. Schirmen zurück.
Nicht von ungefähr empfiehlt UP-Konstrukteur Franta Pavlousek auch, seine Modelle sollten idealerweise eher "mittig" im Gewichtsbereich geflogen  werden. Angesichts der hohen Agilität des Kangri sind da auch keine nennenswerten Handlingseinbußen zu befürchten, aber sicher Zugewinne im Steigvermögen zu erwarten. Gerade Piloten, die mit einem Kangri auch häufiger im Flachland auf Strecke gehen wollen, sollten das berücksichtigen.


Der B-Gurt ist beim Kangri als Durchläufer ausgeführt. Er ist direkt
mit dem C-Gurt verbunden. Bei der Steuerung über den C-Gurt
wird deshalb auch die B-Ebene immer mit herab gezogen.
Feines Detail: ein zusätzliches, weicheres  Band unter dem groben
Gurtbandmaterial lässt den B-Schäkel leichter verrutschen.
Dennoch erfordert die B-C-Steuerung viel Kraft.
Beschleuniger: Der Beschleuniger des Kangri besitzt große, kugelgelagerte Rollen und ist angenehm leicht zu treten. Erst ab rund 2/3 des Beschleunigerweges blockiert eine verschiebbare Kunststoffkugel den Flaschenzug des Beschleunigers. Für Full-Speed ist dann ein deutlich spürbarerer Kraftaufwand nötig. Als Geschwindigkeitszuwachs konnte ich rund 12-13 km/h über Trimmspeed erfliegen.
Der Kangri ist ein sehr angenehmer "Speeder". Auffällig ist sein sehr guter Geradeauslauf, die Kappe neigt auch stark beschleunigt nicht zu einem störenden Rollen . Zudem findet die Geschwindigkeitsaufnahme ruhig und ohne größere Nickbewegungen statt. Insgesamt ist der Kangri ein Schirm, mit dem es Spaß macht, häufig mit dem Gas zu spielen.
Der Schirm ist auch für die C-Gurt-Steuerung ausgelegt. Dafür sind extra breite Kunststoffgriffe angebracht. Auf ihnen kann man die Hände sehr gut ruhen lassen, um den Kontakt zur Kappe zu halten. Grifftechnisch ist diese Lösung deutlich angenehmer als die halbsteifen Griffschlaufen, die andere Hersteller an ihre Tragegurte nähen.
Zieht man die Griffe samt Gurt nach hinten-unten, ändert sich der Anstellwinkel des Schirmes. Damit dabei kein störender Knick im Flügel entsteht, ist der B-Gurt als Durchläufer ausgeführt und mit dem C-Gurt verbunden. Jede Auslenkung des C-Gurtes wird damit auch zum Teil auf die B-Ebene mit übertragen. Allerdings führt diese Art der C-B-Steuerung dazu, dass die erforderlichen Zugkräfte ziemlich hoch ausfallen. Wer viel auch in bewegter Luft im Beschleuniger stehen und die Kappe dabei vor allem über die hinteren Tragegurte unter Kontrolle halten will, braucht einiges an Ausdauer. Zudem können die Klimmzüge an den Griffen auch unvorteilhafte Nickbewegungen des Gurtzeugs mit sich bringen. Mir selbst war die C-Gurt-Steuerung des Kangri auf Dauer zu mühsam. Ich habe lieber direkt mit dem Beschleuniger gearbeitet.


Ohren anlegen:  Trotz der großen Streckung bietet der Kangri gut nutzbare Ohren, die sauber entlüften und nicht schlagen. Die erreichbaren Sinkwerte sind durchschnittlich. Die Öffnung erfolgt deutlich verzögert, zuweilen muss man sogar ein- oder zweimal pumpen, damit die Außenflügel wieder bis zur letzten Zelle aufpoppen. Leider passiert es regelmäßig, dass sich die äußeren A-Leinen beim Freigeben der Ohren an den C-Gurt-Griffen verhängen. Man muss sie dann extra nochmal ausfädeln. Diese Eigenheit ist beim Ohrenanlegen selbst zwar nicht dramatisch, doch stellt sich die Frage, inwieweit die C-Griffe auch bei größeren Klappern zu Leinenfängern werden könnten – was dann im Stress vielleicht schon eher ein zusätzliches Risiko darstellt. Vielleicht wäre UP gut beraten, diese Griffe etwas weniger breit und nicht als geraden Balken auszuführen, sondern mit einer geschwungenen Unterkante, damit die Leinen leichter wieder davon abrutschen.


Steilspirale: Das gute Kurvenverhalten findet sich beim Kangri auch in der Steilspirale wieder. Die Spirale lässt sich ganz nach Belieben kontrolliert langsam oder auch sehr schnell einleiten und dann in allen Lagen fein dosieren. Die G-Belastung für den Piloten kann durch die langen Leinen relativ hoch ausfallen. Die Aufrichtetendenz ist moderat.


Nicken: Auch wenn der Kangri im Normalflug eine angenehme Nickdämpfung besitzt, weshalb man selten einen schießenden Flügel vehement einbremsen muss, lassen sich recht einfach große Nickbewegungen induzieren. Bei Bedarf steckt also einiges an Dynamik in dem Flügel.


Rollen: Der Kangri spricht  gut auf Gewichtsverlagerung an, ohne dabei übertrieben nervös zu wirken. Im richtigen Rhythmus lässt sich die Kappe allein mit Gewichtseinsatz schon weit aufschaukeln. Da der Flügel zudem sehr gut an der Bremse hängt, macht er, auch wenn er vom Konzept her gar nicht darauf ausgelegt ist, auch bei dynamischeren Manövern richtig Spaß.


Der Kangri im zugehörigen Zellenschlauch ergibt
ein recht langes Packmaß.
Packen: Wer bei der Schirmwahl auf ein kleines Packmaß aus ist, wird mit dem Kangri nicht so glücklich werden. Trotz der Leichtbauweise sorgen die längeren Stäbchen im Vorder- und Hinterflügel dafür, dass das Packerl nicht ganz so kompakt ausfällt. UP liefert den Kangri in einem Zellenpacksack aus, der gedrittelt gefaltet wird. Das Ergebnis ist dann entsprechend lang. Bei manchen Wendegurtzeuge könnte der Kangri schon an die Grenzen des Rucksackfaches stoßen.


Qualität: Da gibt es kaum etwas zu meckern. Der Materialmix mit 32er- und 27er Porcher-Tuch ist gut gewählt. Alle Nähte und Designübergänge sind sauber ausgeführt. Auch im Flügelinneren finden sich lobenswerte Details wie zum Beispiel die Randverstärkung der Diagonalen mit entsprechend ausgerichtetem Klebesegel, um die Tuchdehnung zu minimieren.
Der Leinensatz des Kangri: Das ginge auch übersichtlicher bzw.
farblich differenzierter.
Durchdacht ist auch die Doppelung der B-Gurt-Durchläufer-Schlaufe mit einem zweiten, weicheren und glatteren Band, damit der Schäkel als Durchläufer darauf leichter gleiten kann. Den Einsatz von klassischen Schraubschäkeln anstelle der Soft-Varianten, wie sie mittlerweile leider an vielen Leichtschirmen zu finden sind, sehe ich als Pluspunkt. Denn fürs Nachtrimmen sind die Softlinks ein Graus.
Unverständlich ist mir, warum UP beim Kangri auf einem rein roten Leinensatz beharrt. Die DC200er Stammleinen von Liros gäbe es auch in z.B. blau, gelb und grün, wodurch eine deutlich bessere Unterscheidbarkeit gegeben wäre. Zumindest bei der unten ummantelten Bremsleine hätte ich mir zwingend eine andere Farbe als rot gewünscht. Zudem könnte sich UP von anderen Herstellern abschauen, wie man Stabilo-Leinen mit einem andersfarbigen, kurzen Mantel am unteren Ende leichter erkennbar macht. 


Fazit: UP hat mit dem Kangri einen toll zu fliegenden, leichten XC-Schirm im Programm. Herausragend sind das agile Handling, das sehr runde Steuerverhalten, das feine Gespür für die Luftmassen und der gute Durchzug im Speed. Für schon erfahrenere Streckenjäger, die gerne mit gestreckteren Schirmen unterwegs sind und die zusätzliche Steuer-Feinarbeit, die dafür nötig ist, intuitiv abliefern, ist der Kangri als EN-B eine interessante Alternative zu anderen High-B- und sogar C-Schirmen. Als Leichtschirm für Hike-and-Fly-Abenteuer abseits angenehmer Startwiesen würde ich den Kangri trotz des relativ geringen Gewichts eher nicht empfehlen. Das etwas größere bzw. längere Packmaß, vor allem aber das bei Null- wie Starkwind etwas diffizilere Startverhalten passen nicht so recht zum Anforderungsprofil eines echten Bergschirms. Das feine Thermikgespür und die gute Kurvenlage selbst in stark versetzten Bärten machen den Kangri auch fürs Fliegen im Flachland interessant. Dort sollte man aber darauf achten, den Schirm nicht allzu hoch belastet zu fliegen, um in schwächeren Bedingungen keine Nachteile bei der Steigleistung in Kauf nehmen zu müssen.


Einen UP Kangri gewinnen...

… kannst Du bei Lu-Glidz nicht. Der Blog ist unabhängig und werbefrei und steht damit nicht unter dem versteckten Einfluss von Herstellern. Das dürfte auch in den ehrlich-differenzierten Schirmtests  deutlich werden. Diese sind mit einigem Aufwand verbunden, wie auch die ganze aktuelle Berichterstattung über die Gleitschirmszene auf Lu-Glidz.

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1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hallo Lucian,
vielen Dank für den Test!
ich habe den Kangri im letzen Jahr testgeflogen und kann mich Deiner Einschätzung anschliessen. Leider bemängelte ich ebenfalls die einheitliche und damit unübersichtliche Leinenfarbe. Dein Kommentar: "Das ginge auch übersichtlicher bzw. farblich differenzierter." trifft es auf den Punkt. Von den Flugeigenschaften war ich hingegen begeistert.
Liebe Grüße
Jürgen Holzhausen, München