Der Nyos 2 RS ist laut Hersteller keine Revolution, sondern eine Evolution des Vorgängers – aber mit einigen bemerkenswerten Details.
Der Nyos 2 RS im Roentgen-Blick. Markant die innere Stoffwand des Rast-Systems zwischen B- und C-Ebene. |
Hinweis: Wer besser verstehen will, mit welchem Fokus Lu-Glidz Gleitschirme testet und im Text auch feinen Details zuweilen viel Raum gibt, der sollte zuerst die Interpretationshilfe für Schirmtests lesen!
Schaut man nur auf die tabellarischen Details, so ist der Nyos 2 RS auf den ersten Blick kaum vom Nyos RS zu unterscheiden. Ein High-B mit 61 Zellen, einer ausgelegtenr Streckung von 5,8 und einem Gewicht von 4,7 kg in der getesteten Größe SM. In den Details wird dann aber deutlich, dass die Weiterentwicklung mehr als nur "kosmetische" Korrekturen umfasst.
Insgesamt ist die Konstruktion von der Materialwahl etwas stabiler geworden. Die dünnen Nitinoldrähte in der Eintrittskante, die den relativ leichten Stoff des Nyos RS strapazieren konnten, sind beim Nyos 2 RS in Kunststoffröhrchen geschoben, um die Auflagefläche für den Stoff zu erhöhen. Zudem setzt Swing jetzt auf Porcher-Tuch (Skytex 38) in der Eintrittskante. Das Leinenmaterial wurde auf eine (dünnere) Kombination aus Dyneema und Aramid umgestellt, wobei hier die neuen, auch unummantelt farbcodierten 8001er Leinen von Edelrid zum Einsatz kommen. Der Leinensatz bietet einen vorbildliche Übersichtlichkeit.
Stützbänder in den Zellöffnungen |
Eine markante Veränderung zeigt sich bei der Größeneinteilung. Während der Nyos RS in fünf Größen für 60-140 kg zugelassen war, fehlt beim Nyos 2 RS die Größe XL. Dafür ist die Zwischengröße SM hinzugekommen. Der zulässige Gewichtsbereich über die fünf, nun anders dimensionierten Größen reicht von 55-125 kg.
Eine wichtige Neuerung sitzt unsichtbar im Inneren. Swing-Konstrukteur Michael Nesler hat das Profil im Außenflügel angepasst und es als "semi-reflex" ausgeführt. Es soll etwas mehr Auftrieb liefern. Zudem ist es weniger empfindlich auf Anstellwinkelveränderungen, was wiederum eine andere Aufhängung des Außenflügels ermöglicht. Während beim Vorgänger die äußere C-Leine noch getrennt auf einem Durchläufer saß, über eine sogenannte C-Bridge mit dem eigentlichen C-Gurt verbunden, führen beim Nyos 2 RS alle C-Leinen direkt auf den C-Gurt. Dafür ist die C-Ebene nun über ein Gurtband samt Umlenkung mit der B-Ebene verbunden. Das heißt: Der Nyos 2 RS wurde für die C/B-Steuerung optimiert. Wie praxistauglich diese Lösung ist, steht weiter unten im Test.
Trimmcheck: Stammleinen in identischer Länge |
Wie alle Swing-Schirme ist auch der Nyos 2 RS mit dem RAST-System ausgestattet. Durch eine wie ein Ventil wirkende Querwand in Flügelmitte wird das Entlüften des hinteren Teils der Kappe bei Störungen gebremst, wodurch u.a. die meisten Kappenstörungen abgemildert werden sollen. Da ich auf Lu-Glidz schon häufiger über RAST geschrieben haben (z.B. Swing präsentiert Rast 2.0), verweise ich hier nur auf diese Posts oder auf die entsprechenden Infos zur Rast direkt auf der Website von Swing.
Schneisenstart mit dem Nyos 2 RS |
Wichtig ist allerdings, den Schirm bis kurz vor den Scheitel zu führen und bewusst unter Zug zu halten. Ansonsten tendiert die Kappe dazu, etwas hängen zu bleiben oder gar wieder zurück zu fallen. In diesem Punkt tut etwas Gewöhnungszeit am Übungshang gut. Denn zieht man im oberen Drittel doch etwas zuviel, kann die Kappe durchaus überschießen. Mit passender Beinarbeit (Entgegenlaufen) lässt sich das aber fein dosiert abfangen.
Es empfiehlt sich, den Schirm in einem Bogen auszulegen und nur mit den inneren A-Gurten aufzuziehen, sonst knickt er gerne beim Aufziehen mittig etwas ein. Cobra-Starts sind möglich, allerdings ist die Bremsanlenkung dafür nur suboptimal. Bei Starts an der Winde erweist sich der Nyos 2 RS als verlässlich und sehr spurtreu.
Die Leinen sind durch ihre perfekte farbliche Unterscheidbarkeit gut zu sortieren. Ein wenig Sorgfalt muss man bei den dünneren Galerieleinen walten lassen. Die können sich gerne mal ineinander verhaken und verschlaufen.
Landen: Problemslos, aber kein Glanzpunkt. Beim Flare-Verhalten, dem langen bodenparallelen Ausgleiten, hat mich bisher noch kein Schirm mit RAST so richtig überzeugt. Das geht mit den meisten RAST-losen Modellen in der Regel eleganter und besser. Dennoch muss man mit dem Nyos 2 RS keine harten Landungen fürchten. Anfliegen, Abfangen, Auslaufen in klassischer Schulungsmanier funktioniert gut.
In manchen Landesituationen ist das RAST-System sogar vorteilhaft, z.B. bei engen Toplandungen im Wind. Man kann sehr tiefe, impulsive, kurze Bremsinputs setzen, ohne groß Gefahr zu laufen, den Flügel beim Runterpumpen abzureißen. Da RAST die Luft im Hinterflügel "gefangen" hält, muss dieser nach jedem Pumper nicht erst wieder durch einströmende Luft gefüllt werden, um seine Form zurückzugewinnen. Die Strömung bleibt somit länger im gesunden Bereich. Mit Bedacht eingesetzt, kann man den Nyos 2 RS damit ungeheuer punktgenau "einparken".
Sicherheitshinweis: Wer bisher keine Erfahrung mit dem Manöver des Runterpumpens hat, sollte das auch mit dem Nyos 2 RS nicht unbesorgt einleiten, sondern am besten unter Anleitung und über Wasser die ersten Versuche damit starten.
Sicherheitshinweis: Wer bisher keine Erfahrung mit dem Manöver des Runterpumpens hat, sollte das auch mit dem Nyos 2 RS nicht unbesorgt einleiten, sondern am besten unter Anleitung und über Wasser die ersten Versuche damit starten.
Tragegurt mit massivem Bremsgriff. Auch die nicht ummantelten Leinen sind farbcodiert |
Die Bremsen selbst haben einen vergleichsweise langen Vorlauf von über 10cm. Überhaupt sind die Bremswege im Vergleich mit den meisten anderen High-B-Schirmen auf der längeren Seite.
Wie bei allen RAST-Schirmen ist der Bremsdruck nicht linear. Je nachdem, wie impulsiv man an den Bremsen zieht, schließt das RAST-Ventil mehr oder weniger. Entsprechend hat man mal einen vom Charakter etwas härteren, mal einen weicheren Hinterflügel am "Zügel". Unterm Strich würde ich die Bremse beim Nyos 2 RS als mittel bis hart beschreiben, und im Durchschnitt etwas härter als beim Vorgänger. Die Bremsanlenkung erfasst die Hinterkante recht gleichmäßig. Vom Charakter her ist so ein Setup eher auf gutes Thermikhandling als auf maximale Agilität ausgerichtet.
Kappenfeedback: Der Nyos 2 RS zeigt sich, wieder RAST-tyisch, als kompakte und homogene Einheit. Den Piloten erreichen die Rückmeldungen fast nur über die Tragegurte. Erst nach längerem Thermikkreisen mit etwas tiefer gezogener Bremse nimmt der Druck im Hinterflügel soweit ab, dass auch dieser Kanal bedient wird.
Im Normalflug sind viele Druckänderungen am Flügel kaum zu bemerken, bzw. man muss als Pilot sein Sensorium dafür erst deutlich schärfen. Auch mir ging es so, dass ich bei den ersten Testflügen noch einige kleine Front- und Seiten-Entlaster einfing (keine wirklichen Klapper), ohne dass ich sie im Ansatz schon vorwarnend spürte. Die Auswirkungen blieben jeweils minimal, vermutlich auch wegen der Stützwirkung des RAST. Nach einigen Stunden unterm Schirm blieben diese Entlaster dann aber aus. Offenbar hatte ich unterschwellig gelernt, die subtilen Signale der Kappe zu deuten.
Im Normalflug sind viele Druckänderungen am Flügel kaum zu bemerken, bzw. man muss als Pilot sein Sensorium dafür erst deutlich schärfen. Auch mir ging es so, dass ich bei den ersten Testflügen noch einige kleine Front- und Seiten-Entlaster einfing (keine wirklichen Klapper), ohne dass ich sie im Ansatz schon vorwarnend spürte. Die Auswirkungen blieben jeweils minimal, vermutlich auch wegen der Stützwirkung des RAST. Nach einigen Stunden unterm Schirm blieben diese Entlaster dann aber aus. Offenbar hatte ich unterschwellig gelernt, die subtilen Signale der Kappe zu deuten.
Dennoch teilen sich in puncto RAST und Kappenfeedback die Geschmäcker. Manche Feinheiten der Luftströmungen bügelt der Nyos 2 RS einfach aus. Da wird das Fliegen vergleichbar mit dem Fahren einer schweren Limousine mit langem Radstand. Kleinere Bodenwellen (Turbulenzen) werden einfach ausgefiltert. Das Ergebnis ist eine hohe, durchaus entspannende Laufruhe. Im Vergleich zu dem deutlich hibbeligeren Niviuk Ikuma 2P oder Drift Hawk, die ich zuvor getestet hatte, kam ich mir mit dem Nyos 2 RS anfangs fast so vor, als flöge ich in Zeitlupe. Die Kappe lässt einen hauptsächlich die großen, aber nur wenig der kleinen Luftbewegungen spüren.
Manch einer könnte diesen Mangel an Feinfühligkeit beklagen, weil es damit schwerer wird, die Luft im Detail zu "lesen". Wenn man sich darauf einstellt, muss dieser Charakter aber nicht zwangsläufig nachteilig sein. Man sollte nur umso mehr die Kappe laufen lassen und ihr vertrauen. Denn mit Bezug auf die Hauptströmungen in der Luft entpuppt sich der Nyos 2 RS als gar nicht unsensibel, sondern er folgt ihnen sehr willig.
In der Thermik mit dem Nyos 2. Auch gegen den Himmel sind die Leinen vorbildlich unterscheidbar |
Ein dauerhaft sehr steiles Kreisen liegt dem Schirm etwas weniger. Er tendiert dazu, sich wieder bis zu einer Art Lieblingsschräglage aufrichten zu wollen. Wenn möglich sollte man sie ihm auch gönnen.
Wenn man zuweilen in einem engen Steigkern deutlich innen nachzieht, neigt der Nyos 2 RS kaum zum Graben. Insgesamt würde ich ihn, bei gleichem Bremszug, als etwas weniger agil als den Nyos 1 RS einschätzen. Wenn man doch mal einen Haken schlagen will, ist eine etwas größere Bremsamplitude nötig als beim Vorgänger.
Besonders positiv fällt das Kurvenhandling in turbulenter Luft auf. Hier spielt der Schirm einen Vorteil des RAST-Systems voll aus: Selbst in verquasten Luftmassen bleibt der Nyos 2 RS damit gut steuerbar. Während Schirme ohne RAST in Turbulenzen öfter mal derart an Kappendruck verlieren, dass man mit weicher Hinterkante durch die Luft eiert, bleibt einem mit RAST länger ein gefüllter Hinterflügel als wirksame Steuerklappe erhalten. Mit impulsiver Steuerung kann man dem Schirm dann immer noch die Richtung diktieren. Das ist dann zwar sehr "physisch", weil die Zugkräfte dabei hoch sind. Aber die Art und Weise, wie man sich mit einem Nyos 2 RS zuweilen in ein starkes Thermikzentrum hineinhebeln kann, von dem man unter einem RAST-losen Flügeln eher nur abgeworfen würde, hat schon eine besondere Qualität.
Besonders positiv fällt das Kurvenhandling in turbulenter Luft auf. Hier spielt der Schirm einen Vorteil des RAST-Systems voll aus: Selbst in verquasten Luftmassen bleibt der Nyos 2 RS damit gut steuerbar. Während Schirme ohne RAST in Turbulenzen öfter mal derart an Kappendruck verlieren, dass man mit weicher Hinterkante durch die Luft eiert, bleibt einem mit RAST länger ein gefüllter Hinterflügel als wirksame Steuerklappe erhalten. Mit impulsiver Steuerung kann man dem Schirm dann immer noch die Richtung diktieren. Das ist dann zwar sehr "physisch", weil die Zugkräfte dabei hoch sind. Aber die Art und Weise, wie man sich mit einem Nyos 2 RS zuweilen in ein starkes Thermikzentrum hineinhebeln kann, von dem man unter einem RAST-losen Flügeln eher nur abgeworfen würde, hat schon eine besondere Qualität.
Thermikeigenschaften: Das sehr homogene und spurtreue Kurvenverhalten (Gewichtsverlagerung nicht vergessen!) kommt dem Nyos 2 RS in der Thermik zugute. Passend in der Schräglage eingestellt, korkt sich der Schirm in fast auto-zentrierender Weise nach oben, ohne dass man als Pilot noch groß nachhelfen muss. Wichtig dabei: Die Außenseiten laufen lassen (Außenbremse auf).
Im direkten Vergleich mit anderen Schirmen in gleichen Bärten habe ich den Nyos 2 RS zwar als nur durchschnittlichen Kletterer erlebt. Aber bei schwierigen Bedingungen (sehr schwaches Steigen oder arg zerrissene Thermiken), kann der Nyos 2 RS dennoch glänzen. Hier kann man sowohl von der Flugruhe als auch der oben beschriebenen guten impulsiven Steuerbarkeit des Schirmes profitieren.
Nun mag es auf den ersten Blick seltsam erscheinen, dass eine hohe Flugruhe auch bei sehr schwachem Steigen Vorteile bringt. Schließlich bekommt man die feineren Luftbewegungen vom Nyos 2 RS ja kaum angezeigt. Diese Eigenschaft schützt den Piloten allerdings auch davor, manchen Luftsignalen eine zu große Bedeutung beizumessen und dann z.B. zu häufig selbst nachzentrieren zu wollen. Für alle Gleitschirme gilt: Jeder steuernde Eingriff stört die vorherrschende Strömung am Profil und erhöht damit das Eigensinken der Kappe. Ein sauber im Kurvenflug eingestellter Schirm wird, ohne weitere Steuerausschläge, das bessere Steigen haben. Dass der Nyos 2 RS den Piloten seltener dazu verleitet, das Kreisen in letztendlich ineffizienter Weise korrigieren zu wollen, kann sich also unterm Strich durchaus positiv auswirken.
Im beschleunigten Flug. Die Hände liege auf dem Verbindungsgurt der C/B-Steuerung |
Die Gleitleistung voll beschleunigt liegt etwas über der des Nyos 1 RS. Hier kann der Schirm jetzt gut mit anderen modernen High-B mithalten, zumal er einen sehr guten Geradeauslauf besitzt und zum beschleunigten Fliegen einlädt. Die Rolltendenz ist im Vergleich zum Vorgänger reduziert.
Der Nyos 2 RS weist jetzt eine sogenannte C/B-Steuerung auf. C-Gurt und B-Gurt sind über einen weiteren Gurt flaschenzugartig miteinander verbunden. Zieht man den C-Gurt nach unten, wird der B-Gurt zu 50% der Strecke auch herabgezogen. So kann man beim beschleunigten Fliegen den Anstellwinkel der Kappe kontrollieren, ohne aus dem Beschleuniger gehen zu müssen.
Leider ist die von Swing gewählte Bauweise der Umlenkung recht schwergängig. Denn da läuft ein rubbeliges Gurtband über einen Metallschäkel. Ein wirklich feinfühliges Eingreifen ist damit kaum möglich, weil zu kraftaufwändig.
Auf Dauer habe ich dann doch viel lieber mit den Füßen im Beschleuniger gespielt, als mit den Händen. zu arbeiten. Hinzu kommt, dass die C/B-Steuerung den Piloten zu einer sehr hohen Griffposition zwingt. Das ist gleichermaßen anstrengend, auskühlend und nicht gerade strömungsgünstig. Da bieten andere Hersteller mit kugelgelagerten Umlenkrollen o.ä. deutlich praxistauglichere C/B-Systeme. Für kleinere Richtungskorrekturen im beschleunigten Flug ist die Swing-Variante aber zu gebrauchen.
Ohrenanlegen: Das Anlegen der Ohren geht einfach über die äußeren A-Leinen. Sie bleiben ruhig, können aber auch schlagen. Der markante Unterschied hängt davon ab, wie tief man die Ohren zieht. Wenn sie schlagen, hat man zu tief gezogen und sollte etwas nachlassen. In der nicht schlagenden Tiefe sind die Ohren allerdings noch nicht besonders effektiv. Die Haltekräfte sind gering. Die Ohren öffnen etwas verzögert.
Der Nyos 2 RS steht straff über dem Piloten |
Nicken: Die Nickdämpfung der Kappe ist gut abgestimmt, angenehm für den allgemeinen Flug, aber nicht übertrieben. Der Schirm lässt sich über die Bremsen sogar relativ schnell weit aufschaukeln. Im Normalflug fällt das aber nicht negativ auf. Hier zeigt sich der positive Effekt eines "Langleiners".
Rollen: Wie bei den meisten Schirmen aus der Feder Michael Neslers als Konstrukteur ist der Nyos 2 RS durchaus rollfreudig und spricht sehr gut auf Gewichtsverlagerung an. Allein damit lässt sich der Flügel schon weit aufschaukeln. Mit nur etwas Bremse werden daraus schnell hohe, gut kontrollierbare Wingover.
Packen: Der Nyos 2 RS besitzt keine besonders langen Stäbchen. Das ermöglicht ein von der Länge her kompaktes Packmaß. Durch die zusätzlichen Quadratmeter Stoff in Flügelmitte für das RAST-System wird Gesamtpaket am Ende aber doch etwas voluminöser als bei den meisten heutigen High-B-Schirmen. Swing liefert einen robusten Zellenpacksack mit dem Schirm.
Stabil vernähte Leinenaufhängung. Diagonalen sind am Rand umgenäht um die Dehnung zu verhindern |
Fazit: Der Nyos 2 RS ist eine gelungene Weiterentwicklung des Nyos RS, zum einen in puncto Robustheit, zum anderen mit einem Spritzer mehr Leistung. Allerdings ist die realisierte Variante einer C/B-Steuerung wegen des hohen Kraftaufwandes kein echter Gewinn. Unterm Strich gilt für den Nyos 2 RS das gleiche wie für den Vorgänger: Gegenüber Konkurrenten sticht er als guter Starter mit hoher Flugruhe und präziser Manövrierbarkeit gerade in turbulenter Luft hervor. "Erkauft" wird das mit einer RAST-typischen, gefilterten Mitteilsamkeit der Kappe. Da der Flügel allerdings gut den Hauptströmungen in der Luft folgt, darf man ihm getrost vertrauen, um sich zu den Aufwindbereichen tragen zu lassen. Dass das Fliegen mit dem Nyos 2 RS durch das RAST-System im Vergleich zu anderen High-B-Schirmen entspannter erscheint (bei turbulenten Bedingungen), sollte einen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dennoch um einen Flügel mit durchaus sportlichem Grundcharakter handelt. Wegen des Packvolumens und Gewichts ist der Schirm nur bedingt für Hike-and-Fly geeignet. In der Luft ist er aber ein guter Allrounder, der fürs Gebirge wie fürs Flachland gleichermaßen taugt.
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5 Kommentare
Von allen B-Schirmen, die ich in letzter Zeit geflogen bin, hatte der Nyos das für mich beste Handling, erstaunlicherweise auch mit niedriger Flächenbelastung (keine gefühlten Gummibänder, sondern rel. direkter Response. Zudem geht er gut auch flach ums Eck.
AntwortenLöschenHallo Lucian,
AntwortenLöschensuper Test. Ich kann alle Punkte, die Du aufgelistet hast, zu 100% bestätigen.
Ich habe den Schirm bei recht ruppigen, winddurchsetzten und „ballerigen“ Thermiken im Herbst in den Südalpen getestet.
Ich fliege derzeit einen C Schirm und war auf der Suche nach einem Nachfolger.
Da ich leider nicht mehr so oft zum Fliegen komme, kam auch ein „Klassenabstieg“ in Frage.
Was mir positiv aufgefallen ist:
- Vernünftig gefärbte Leinen, die leicht zu sortieren sind.
- Entspanntes Starten auch bei stärkerem Wind.
- In den beschriebenen engen, ruppigen Bärten gut nachzuzentrieren. RAST hilft da gefühlt, wenn man impulsiv nachzieht.
- Gute Penetration und Gleitleistung auch bei stärkeren Gegenwindkomponenten
- Zieht, bei meiner Beladung ganz oben im Gewichtsbereich, prima in die Thermik rein.
- Reagiert super gut auf Gewichtsverlagerung
- Vermittelt unglaubliche Sicherheit und Laufruhe. Auch eng am Hang hab mich schon direkt beim ersten Flug dabei ertappt noch die ein oder andere Thermik einzudrehen, bei der ich mit meinem anderen Schirm vermutlich erst noch mal ein Stück gegen den Wind vom Hang weggeflogen wäre.
- Ohren und Spirale macht er prima.
Was mir nicht gefallen hat:
- Warum müssen es Magnete sein? Die guten alten Druckknöpfe funktionieren doch prima und bleiben bei den Startvorbereitungen da wo sie sollen.
- Die Bremsgriffe sind super bequem gepolstert aber für meinen Geschmack etwas zu eng dimensioniert.
- Im ½ bis ¾ beschleunigten Flug hatte ich beim seitlichen Durchfliegen von Aufwindkomponenten ein Aufschaukeln des Schirms registriert. Das musste dann durch kurzes „Entschleunigen“ und erneutes Gasgeben gestoppt werden. Ich denke das liegt daran, dass mein Gurtzeug noch auf den etwas trägeren C Schirm, also sehr offen, eingestellt ist. Da muss ich noch ein wenig experimentieren.
- Der Zellpacksack - zumindest für mich, der seinen Schirm gerne dauerhaft am Gurtzeug lässt - ist verbesserungswürdig. Er ist so konstruiert, dass er sich, sofern das Gurtzeug verbunden bleibt, nur von der Eintrittskante aus nach unten schließen lässt. In Verbindung mit RAST wird das dann, je weiter man den Zellpacksack schließt, zu einem Kampf mit der auch dank RAST gefangenen Luft. Das ist sicherlich auf Dauer nicht gut für die Nahtstellen und das Material.
Fazit:
- Ich habe den Schirm geordert. Und er ist sogar schon geliefert. 2 weitere Fliegerkollegen, die ihn ebenfalls getestet haben und bislang andere B´s geflogen sind, ebenfalls 😊
Dirk Weichler
Zurück zum im Juli 2021 veröffentlichten Test des Arcus 2RS: „Der Swing Arcus 2 RS ist ein leistungsstarker Mid-B mit einem spürbar sportlicheren Charakter als sein Vorgänger. In vielem wirkt er eher wie die Fortentwicklung des Nyos RS.“ Was nun?
LöschenIch fliege den Arcus 2 seit einem Jahr und habe die Kaufentscheidung nicht bereut. Mehr Leistung und das immer im B-Bereich bleibend wäre allerdings verlockend! Verfügt der Nyos 2 über diese und ist sie auch für einen durchschnittlichen Piloten erfliegbar?
Danke für Rat!
Alex Kraler
@Alex. Wer nach einem Jahr schon wieder Geld ausgeben will, kann natürlich auf den Nyos 2 RS wechseln. Der Leistungsvorteil ist aber nur gering und wird erst erkennbar, wenn man sehr viel stark beschleunigt fliegt. Wer das von seinem Flugstil her nicht tut, wird m.E. mit dem Arcus 2RS keine Nachteile haben. In manchen Punkten, z.B. Landeverhalten, hat mir der Arcus sogar besser gefallen als der Nyos. Im Gesamtpaket sähe ich wenig Gründe für einen Wechsel.
LöschenDen Nyos 2 RS habe ich im Juli 2022 bekommen und möchte Euch hier meine Eindrücke aus 80 Std. Airtime beschreiben.
AntwortenLöschen(Größe MS Abfluggewicht 92,5 Kg & Gurtzeug Advance Success 4)
Geflogen in Andelsbuch wo in diesem Jahr fast durchgängig gute bis starke Thermik von 2-5 m/s herrschte ab 15:00 Uhr😉
Der Schirm gleitet einfach traumhaft hier stimmt die Trimmung perfekt habe ähnliches bei B- Schirmen so noch nicht erlebt.
Wie von Lucian beschrieben kann ich dem zustimmen, der Leinensatz fällt sehr übersichtlich auseinander und lässt sich sehr gut sortieren. War da schon in Sorge.
Starten Vorwärts, Rückwärts, von null bis starker Wind alles easy.
Der Schirm steigt super gut in der Thermik ob schwache oder starke Thermik ist egal.
Insbesondere bei starker Thermik und ruppigen Verhältnissen konnte kaum
ein Schirm so gut steigen und so die Thermik zentrieren, da konnten nur noch
einige höher klassifizierte Schirme mithalten…aber nicht so eng kreisen.
Ich finde das Kappenfeedback top und absolut ausreichend.
Beim Vergleichsfliegen eines Piloten mit Nyos 2 RS & Liegegutzeug war dieser nochmal ein kleinen Tick schneller aber nicht besser im Steigen.
Folgendes aus dem Artikel von Lucian kann ich bestätigen:
- Schirm laufen lassen und offene Außen- Bremse beim kurvenfliegen
- Wingover gehen super gut mit Gefühl & Gewichtsverlagerung
- Steilspirale sehr gut zu kontrollieren und easy Ausleitung
Thema Sicherheit & RAST. Dazu kann ich sagen: NULL Klapper
In heftigen Turbulenzen mal einen kurzer Miniklapper am Flügelende der 1 Sek. später wieder offen war.
Bin wirklich begeistert, tolles Handling…. bester Schirm den ich je geflogen bin, echt Hammerteil
Hatte vorher Arcus 2 RS - auch top Schirm aber der Nyos 2 RS ist in allen Manövern ein Trick besser. Besonders wie schon erwähnt Gleiten und
perfekte Trimmung !!!
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