Riskante Leichtigkeit

Viele Piloten mit Hike and Fly Ambitionen versuchen auch beim Helm Gewicht einzusparen. Damit steigern sie aber ihr Verletzungsrisiko. 

Ein beim Gleitschirmunfall zerbrochener,
sehr leichter Kletterhelm. // Quelle: DHV

Der Trend zu Hike and Fly und leichter Ausrüstung hat nicht nur durch die X-Alps, sondern zuletzt auch durch Corona einen starken Aufschwung erfahren. Viele Pilotinnen und Piloten setzen darauf, mit möglichst leichter Ausrüstung auf die Berge zu steigen. Doch damit gehen viele von ihnen allzu bereitwillig Kompromisse bei der Sicherheit ein. 

Da wird auf Protektoren verzichtet, Rettungen werden weg gelassen oder möglichst klein und leicht gewählt (was in der Regel zu Lasten der bremsenden Fläche geht), und auch beim Helm wird gerne auf besonders leichte Varianten aus dem Bergsportbereich gesetzt.

Ein jüngst vom DHV veröffentlichter Unfallbericht (pdf) zeigt, dass eine solche Wahl den Risiken des Flugsports nicht ausreichend gerecht wird: In jenem Fall stürzte ein Pilot nach einem Start bei durchaus anspruchsvollen Meteo-Bedingungen aus unbekannter Ursache ins Gelände und zog sich schwere Kopfverletzungen zu, an deren Folgen er schließlich verstarb. Der Pilot trug nur einen leichten Kletterhelm, der bei dem Unfall zerbrach.

Nun lässt sich nicht nachweisen, dass der Pilot den Unfall überlebt hätte, hätte er ein etwas stabileres Modell gemäß der EN-966 Flugsport-Helmnorm getragen. Manch ein Leser mag vielleicht auch Argumente ins Feld führen wie: bei diesen Bedingungen hätte der Verunglückte erst gar nicht fliegen dürfen, und das sei der eigentliche Fehler gewesen.

Allerdings ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die für den Flugsport zertifizierten Helme tatsächlich eine rigidere Prüfung durchlaufen müssen – sowohl was die Stärke und Richtung eines Einschlags als auch was den sogenannten Durchdringungsschutz betrifft. Gerade beim Fliegen liegt das Risiko ja weniger im Steinschlag von oben als im seitlichen Ein- und gar mehrfachen Aufschlag im Gelände. 

Zur Risikominderung einfach die rund 200 bis 300 Gramm mehr eines (leichten) EN-966 Helms auf den Berg zu tragen, wird niemandem schaden. 


1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Naja den Petzl Sirocco finde ich ehrlich gesagt sogar für den Bergsport gefährlich. Schutz bei Schlägen von der Seite und hinten gibt es praktisch keinen. Liebe Leute nehmt keine Bergsport- und Kletterhelme zum Fliegen ausser es geht nicht anders (Abgleiter nach Hochtour; ja da schleppt man dann halt nicht einen zweiten Helm mit). Ich persönlich verwende hauptsächlich Skihelme nach EN1077 zum fliegen, da meines erachtens der Untershied zu EN966 relativ klein ist bzw. erfahrungsgemäss viele moderne Skihelme die EN1077 bei weitem übertreffen. Wichtig zu erwähnen für Leute die gerne anspruchsvolle Bergtouren mit Gleitschirm machen: Es gibt inzwischen Helme, welche die EN1077 und EN12492 (Bergsteigerhelme) erfüllen (Acender Mips von Sweet Protection, Speed Comp von Camp und diverse von anderen Marken).

Zu dem tragischen Unfall denke ich, dass wohl auch beim Tragen eines Flughelms schwere Verletzungen (Schädel-Hirn-Trauma) nicht auszuschliessen gewesen wären. Aber ja der Pilot hätte es wahrscheinlich eher überlebt.


Grüsse aus der Schweiz und bleibt gesund,

Urs Wiesendanger, Winterthur